Home über uns Reiseberichte Sonstiges Gästebuch Kontakt Impressum

naked biker
Motorradtouren & Reiseberichte

 

 

 

Motorradtour zu den norddeutschen Hansestädten

Stichworte: Reisebericht | Norddeutsche Hansestädte | Lübeck | Wismar | Rostock | Stralsund | Greifswald | Anklam | Wolgast | Demmin | Werben | Havelberg | Seehausen | Osterburg | Stendal | Gardelegen | Salzwedel | Lüneburg | Uelzen | Bremen | Stade | Buxtehude | Hamburg

31. Juli  -  02. August 2017



Übersicht der angefahrenen norddeutschen Hansestädte
 

Als echter Hanseat fühlt man sich natürlich irgendwie mit der "Hanse" und deren Kultur verbunden. Und was liegt da näher, als die norddeutschen Hansestädte in einer schönen Motorradtour zu verbinden? Nichts....doch zunächst ein paar erklärende Worte zu den Hansestädten allgemein:

Bedeutung der norddeutschen Hansestädte
Als Hansestädte werden Städte bezeichnet, die im Mittelalter im europäischen Kaufmanns- und Städtebund Hanse organisiert waren und z. T. heute noch einem Verband angeschlossen sind.
Dazu gehören viele deutsche Küstenstädte, aber auch zahlreiche Städte im Landesinneren sowie Städte in den Ländern des Nord- und Ostseeraums wie beispielsweise in den Niederlanden oder in Polen. Aufgrund der regen Handelsbeziehungen und des dadurch erworbenen Reichtums dieser Städte wurde deren Gestalt und Stadtentwicklung über die Jahre nachhaltig geprägt.
Aus heutiger Sicht zeichnen sich die norddeutschen Hansestädte zumeist durch ein maritimes Flair und den Bezug zum Wasser aus. Typisch für sie sind beispielsweise Lagerhäuser in Backsteinarchitektur mit direktem Wasserzugang bzw. Anlegestellen für Boote oder auch restaurierte Flaschenzüge an den Häusergiebeln, die früher für den Umschlag von Waren genutzt wurden.
Außerdem waren die Bereiche um die ehemaligen oder noch vorhandenen Hafenanlagen traditionell wichtige Entwicklungsgebiete in diesen Städten. Die Verbundenheit der Bevölkerung mit ihren Hansestädten sowie die aktive Auseinandersetzung mit Tradition, Geschichte und Europa sind weiterhin wichtige Motoren für eine positive Entwicklung und die Wahrnehmung der norddeutschen Hansestädte als touristische Ziele.

(Quelle: www.zensus2011.de)
 

Irgendwann in den Wintermonaten fing Axel an, sich Infos zu den Städten zu besorgen und diese dann in einer schönen 3-tägigen Motorradtour zu verpacken. Bei der Planung beschränkte sich Axel tatsächlich nur auf die norddeutschen Hansestädte in Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Meck-Pomm, Brandenburg und Niedersachsen. Natürlich gibt es innerhalb und außerhalb Deutschlands noch eine Vielzahl mehr. Aber die Beschränkung war nötig, weil es eben keine ausgeprägte Urlaubsreise, sondern eine kleine verlängerte Wochenendtour werden sollte.

 

Montag, 31. Juli 2017
 
Während unseres Urlaubes an der Ostsee und angesichts des nicht strandtauglichen Wetters stand bei uns kurzentschlossen fest, dass wir die "Hansetour" dann eben nicht an einem Wochenende, sondern mitten in unserem Urlaub fahren wollten. Und so schmissen wir am Montag erst um 10:00 Uhr unsere Maschinen an und pötterten vom Platz. Eigentlich wollten wir bereits mindestens eine Stunde eher los, schafften es aber aus "was-weiß-ich-denn"-Gründen nicht.

Die erste Etappe bis zur Hansestadt Lübeck ging von Lensahn ab ausschließlich über die Autobahn. Erst einmal Kilometer machen. Dann erreichten wir um 11:09 eines der ersten Ortsschilder, auf die wir es auf unserer Tour abgesehen hatten. Quasi als Beweise wollten wir jeweils das Ortsschild und das Rathaus der jeweiligen Hansestadt fotografieren. Alles kein Problem, dachten wir. Wie wir uns damit geirrt hatten, sollte sich schnell zeigen.

Das Ortsschild Lübeck befand sich unmittelbar hinter der Autobahnausfahrt und es gab keinen Platz die Moppeds irgendwo sicher und richtig abzustellen, um DAS Foto zu machen. Also rollten wir kurzerhand auf den Fahrradweg und ich lichtete schnell das Ortsschild in meinem Kasten ab. Natürlich kamen genau in dem Moment 2 Radfahrerinnen und greinten rum. Ja, mein Gott....jedenfalls hatte ich das erste Foto unserer Tour im Kasten.

Der nächste Waypoint war nun das Rathaus in Lübeck. Die Strecke zur Innenstadt nervte etwas, denn es war an einem Werktag und der Verkehr gewaltig. Wir sahen das Rathaus unmittelbar vor uns, auf dem Navi jedenfalls. Doch dieses führte uns aufgrund der zahlreichen Einbahnstraßen links und rechts und wo wir links abbiegen sollten, durften wir nicht oder wo wir rechts einbiegen sollten, war eine Fußgängerzone. Das wiederholte sich ständig

Ok, erster Anlauf verkackt, also noch einmal. Axel gab jetzt direkt als Ziel das Rathaus ein. Dieses Mal kamen wir aus einer anderen Richtung, nun sollte es klappen. Nach 10 Minuten und 3 Ehrenrunden sind wir dann aber wieder knapp am Rathaus vorbei geschrammt und befanden uns nun auf der anderen Seite der Trave. Langsam nervte es. Ok, noch ein Versuch. Doch auch der letzte führte uns zu einer Fußgängerzone und an den Rand der Verzweiflung. Lübeck hatte uns bisher bestimmt schon locker eine Stunde Zeit gekostet. Mittlerweile hatten wir auch wieder unseren traditionellen Ehekrach per Funk ausgetragen, ich Axel an einer Ampel verloren, wir auch wieder telefoniert, um den anderen wieder zu finden und standen zu guter Letzt an einer Ampel vor dem Holstentor. 26 °C, Frust und Unlust reichten dann, um diese "verkehrsfreundliche" Stadt ohne Foto vom Rathaus zu verlassen. Normalerweise geben wir nicht auf. Aber jetzt hatten wir keinen Bock mehr, auch noch Hunderte von Metern zu laufen. Also, Tschüß Lübeck...du kannst uns mal.
 


Ortsschild Lübeck
 


genervte Radfahrerinnen


Holstentor Lübeck
 


Irrfahrt durch Lübeck - Klick für Großansicht
 

Endlich raus aus der Stadt, endlich wieder durchatmen und endlich wieder die Maschinen etwas Laufen lassen. Die Hansestadt Wismar erreichten wir gegen 13:00 Uhr. Das eigentlich angepeilte Ortsschild befand sich aber unmittelbar auf der viel befahrenen Bundesstraße, auf der ein abruptes Halten wegen eines Fotos sicherlich verboten und auch lebensgefährlich war. Ein kurzer Blick zwischen Axel und mir reichte, um hier einvernehmlich das Weiterfahren abzunicken. Ok, dann musste das Foto eben beim Verlassen der Stadt gemacht werden.

Den alten Marktplatz mit den historischen Gebäuden und dem Rathaus erreichten wir kurz nach 13.00 Uhr. Die Sonne knallte nicht schlecht und wir kamen mittlerweile trotz Sommerkombis leicht ins Schwitzen. Die Cafés und Restaurants waren gut besucht. Insgesamt wirkten die ganze Atmosphäre und die Leute hier entspannt. Wir machten unser Foto vom Rathaus, nahmen noch einen tiefen Schluck aus der Wasserpulle und verließen anschließend das idyllische Wismar gen Osten. Das noch fehlende Ortsschild fanden wir auch...allerdings wieder auf einer Bundesstraße und schnelles Abbremsen und Fotografieren war nicht möglich. Beim Sondieren der Lage fanden wir eine Hof-Einfahrt, auf der wir wendeten und wieder gen Wismar fuhren. Zwischen zwei Pulks von Autos nutzen wir die Chance, doch noch schnell unser Foto des Ortsschildes zu machen. Die Kamera in den Tankrucksack werfend, fuhren wir auch schon wieder los. Der nächste Tross Autos näherte sich und wir konnten gerade noch rechtzeitig die Moppeds in Bewegung setzen.
 


Orteingang Wismar
 


Rathaus Wismar - wir davor
 

Um 13:30 hatten wir während der Fahrt gen Rostock einen wunderschönen Blick auf das Salzhaff. Die Gegend und die Straßen hier war einfach nur schön. Wenig befahren, teilweise kurvenreich mit herrlichen Blicken auf die Ostsee. Aufgrund der verlorenen Zeit in Lübeck und überhaupt des späten Losfahrens vom Campingplatz entschieden wir uns, den Abstecher über Bad Doberan zu canceln. Machte auch nichts, denn wir kannten dies bereits aus vergangenen Touren.
 


Blick über das Salzhaff
 

Die Hansestadt Rostock erreichten wir kurz nach 15:00 Uhr. Auch hier konnten wir das Ortsschild nicht fotografieren, da es sich auf einer 2-spurigen vielbefahrenen Bundesstraße befand. Ok, dann also beim Rausfahren nicht vergessen und nun erst einmal zum Rathaus. Jesses....was jetzt kam, war fast wie in Lübeck. Das Navi machte Ansagen, die wir aber nicht fahren durften. Und noch ne Runde....ich war schon wieder genervt. Axel hatte vor über 20 Jahren hier eine zeitlang gearbeitet und kannte jedenfalls das Rathaus und seine Lage. Dass sich mittlerweile die Verkehrssituation geändert hatte, ließ ihn aber auch bald verzweifeln. Beim 3. Versuch trennten uns dann nur noch etwa 100 Meter und eine Fußgängerzone vom Rathaus. Wir waren entschlossen....doch ein vorbei kommender Passant erkannte sehr schnell unser im Kopf geplantes Vorhaben und riet uns davon ab. Sein Tipp, das Navi zu ignorieren und weiter unten einfach 2x links abzubiegen, befolgten wir und befanden uns dann tatsächlich unmittelbar (oder jedenfalls fast) vor dem Marktplatz mit dem Rathaus. Das genügte uns. Wir konnten ein paar Fotos schießen und waren zufrieden.

Beim Verlassen von Rostock befanden wir uns wieder auf dieser zweispurigen Straße. Ich sah das Ortsschild schon von Weiten, hatte aber keine Gelegenheit zum Halten oder wenden. Von unserer Seite aus zu fotografieren hätte ja auch keinen Sinn gemacht. Wer will schon ein Ortsschild mit rotem Querbalken sehen. Dann war mir alles egal, ich hielt auf dem rechten "Panne-Streifen", holte meine Kamera raus und fotografierte "rückwärts" das Ortsschild. Ist zwar keine tolle Qualität geworden, aber zumindest der Beweis, dass wir dort waren.

Axel war nicht mehr zu sehen, doch dank der Funke, die erstaunlich gut und weit sendete, konnten wir uns verständigen und beim Losfahren abstimmen.
 


Ortsschild Rostock
 


Rathaus Rostock
 


letzter Straßenzipfel vor der Fußgängerzone
 


Blick auf den Marktplatz
 

Das Fotografieren des Ortsschildes der Hansestadt Stralsund war einfacher. Zwar befand es sich ebenfalls auf einer viel befahrenen Bundesstraße, kurz dahinter gab es aber eine Rechtabbiegerspur, auf der wir kurzentschlossen hielten. Den Marktplatz mit Rathaus erreichten wir auch mühelos, allerdings zeigte sich uns dann das Rathaus ziemlich verhüllt. Aufgrund von Restaurierungs- oder Baumaßnahmen war es rundum eingerüstet. Schade, sehr schade...denn wir hätten gerne ein "ordentliches" Foto für unsere Sammlung gehabt.
 


Ortsschild Stralsund
 


Rathaus Stralsund - leider verhüllt
 


Stadtwappen Stralsund


Rathaus Stralsund in Wikipedia - Foto User Softeis on de.wikipedia
 

Gegen 17:00 Uhr ging es weiter in Richtung Hansestadt Greifswald, welches wir 17:30 Uhr erreichten. Wie in Rostock konnten wir auch hier nicht auf der Bundesstraße halten, um das Ortsschild zu fotografieren, holten dies aber umgehend in einer Seitenstraße nach, in welche wir einbogen und unmittelbar nach dem Ortsausgangsschild wieder umkehrten. Die Straße war kaum befahren und wir konnten in aller Ruhe das Schild ablichten.

Bereits 10 Minuten später erreichten wir dann den Marktplatz. Welches das Rathaus war, war auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Wunderschöne alte Häuser mit prächtigen Giebeln standen ringsum. Anhand der großen Uhr an einer Fassade gingen wir dann aber davon aus, dass es sich um das Rathaus handeln würde, womit wir auch richtig lagen. Knipskiste raus und Foto gemacht.
 


wir auf dem Marktplatz
 


Rathaus Greifswald - hier klick für ein schöneres Foto in Wikipedia
 

Das Ende unserer heutigen Etappe erreichten wir dann kurz vor der Hansestadt Anklam in einer Jugendherberge mit Campingplatz in Murchin direkt am kleinen Murchiner See. Sehr idyllisch gelegen und rustikal bikerfreundlich. Bei unserer Ankunft war es bereits nach 18:30 Uhr und wir die letzten, die noch ein warmes Essen bekamen. Erst danach checkten wir in unser großzügiges 4-Bett-Zimmer ein, machten uns frisch und ließen den Abend noch bei ein paar sehr günstigen Bierchen, mit Lagerfeuer, weiteren Gästen und weiteren Mückenstichen ausklingen. Die Herbergseltern waren sehr nett und aufgeschlossen und wir fanden, dass sich dieser Ort auch prima für eine Motorrad-Wochenendausfahrt mit dem Stammtisch eignen würde. Zumal auch die Preise hier in einem absolut klasse Preis-/Leistungsverhältnis standen. Einzige Einschränkung: die für einige doch weite Anfahrt...

Heute hatten wir bei schönstem Wetter 368 Kilometer abgespult. Das gemeinsame Touren tat mal wieder richtig gut, da wir die Moppeds auch mal schön laufen lassen konnten. Die Gegend ist im Ossi-Land eh immer eine Reise wert...also, alles richtig gemacht. :-)

Heute gefahren: 368,6 KM
 


Jugendherberge Murchin
 


Selfie - ungeschminkt und geschafft, aber glücklich und zufrieden
 


"leicht" qualmendes Lagerfeuer
 


heutige Tour (klick für groß)
 

 
Dienstag, 1. August 2017
 
Am nächsten Morgen frühstückten wir ausgiebig und lecker und verfolgten die Wetterwarnungen im Radio wegen möglichen Tornados, Hagelkörnern bis 3 cm und schwerstem Starkregen für diese Region, aus Westen kommend. Hm, klang jetzt nicht so prickelnd, denn genau da wollten wir hin.

Beim anschließenden Anschmeißen der Maschinen und der Navis stellte Axel mit Verwunderung fest, dass wir gestern einfach vergessen haben, die Hansestadt Wolgast anzufahren. Das kann nur daran gelegen haben, weil es um Greifswald großräumige Sperrungen gegeben hat und Axel irgendwann den direkten Weg zur Juhe ins Navi eingegeben hatte. Machte ja nichts, dann fahren wir eben "dieses Stückchen" zurück. Das Navi sagte 30 Minuten bis zum Ziel, als wir um kurz nach 9:00 Uhr bei leichtem Nieselregen starteten.

Etwas verwundert war ich, als das Navi uns rechts herum bei der Ausfahrt lotste, wir gestern aber von links gekommen waren. Aber "Steffi" und "Yannik" werden schon wissen, was sie uns ins Ohr flüstern. Bereits nach 3 Kilometern sollten wir die Hauptstraße verlassen. Was dann folgte, war eigentlich keine Straße mehr, sondern ein einziger großflächig mit Katzenbuckel-Kopfsteinpflaster ausgebesserter Schotterweg. Neben 30 cm tief mit Wasser gefüllten Löchern auf der Fahrbahn (welche Fahrbahn überhaupt?) glänzte der Weg auch noch mit glitschigem Moosbewuchs. Na, super. Einziger Trost war, dass vor uns ebenfalls 2 Autos in diesen Weg eingebogen waren, also konnten wir so falsch nicht liegen.

Nach 5 Kilometern kamen wir wieder auf eine Hauptstraße und wurden gleich eines Besseren belehrt. Das Hinweisschild "Wolgast 20 KM" war durchgestrichen und ein entgegenweisendes Umleitungsschild sagte uns "da geht´s lang". Das Navi rechnete sich einen Wolf und wollte uns immer wieder zurück schicken, aber wir folgten der Umleitung...und folgten...und folgten....bis wir nach gefühlten 20 Kilometern wieder auf die Strecke hinter Greifswald kamen. Als wir dann Wolgast erreichten, hatten wir etwa 50 Kilometer mehr auf dem Tacho als geplant...und natürlich auch jede Menge Zeit verloren. Zum Glück hatte es aufgehört zu nieseln.

In Wolgast konnten wir dann das Ortsschild fotografieren, fanden aber das Rathaus nicht gleich. Überall Fußgängerzonen, die das Navi scheinbar nicht kannte. Auch hier drehten wir etliche Ehrenrunden, bis wir unmittelbar neben dem Rathaus in einer "nur für Lieferanten-Zone" parken konnten. Wir waren unsicher, ob sich Wolgast denn nun Hansestadt Wolgast nennt oder nicht. Am Ortsschild hatten wir keine Bezeichnung gefunden, am Rathaus ebenso wenig. Wir fragten umherschleichende Passanten, aber keiner hatte richtig Ahnung. Einer meinte wortwörtlich, Wolgast hätte das damals "verkackt". Machte uns jetzt auch nicht schlauer, aber wir hatten zumindest Fotos vom Rathaus und vom Schild.

Späteres Recherchieren zeigte, dass Wolgast tatsächlich zu den Hansestädten (siehe Auflistung 'Ostseeküste westlich der Oder') gehörte. Allerdings hat Wolgast nie eine wirklich große Rolle in der Hanse gespielt und auch keine Unabhängigkeit erreicht. Mehr Infos dazu gibt es hier.
 


Ortsschild Wolgast
 


Rathaus Wolgast
 

Um 10:40 erreichten wir dann wieder über Umleitungen die Hansestadt Anklam, der Geburtsort von Otto Lilienthal. Das Ortsschild konnten wir ebenso schnell fotografieren wie wir das Rathaus fanden, da es sich auf einem mal ausnahmsweise nicht für den Verkehr gesperrten Marktplatz befand. Schön war es hier. Die Sonne kam leicht durch die Wolken und es waren schon wieder 25 °C. Von Tornados und Hagelkörner war Gott sei Dank noch nichts zu sehen.
 


Ortsschild Anklam
 


Rathaus Anklam
 


Anklam im Navi
 


Die Regenklamotten behielten wir noch an
 

Knapp 1 Stunde später erreichten wir locker und entspannt die Hansestadt Demmin, die den Namenszusatz Hansestadt auch erst wieder seit 1994 trägt. Axel hatte als Waypoint noch eine alte Ruine eines pommerschen Fürstenhauses entdeckt, die wir uns anschauen wollten. Der Weg war schmal und schotterig und ich schickte Axel alleine mit der Knipskiste voraus.

An der Ruine fand Axel ein Schild, auf dem als letzter Besitzer des Hauses Demmin, ein Hansjoachim von Rohr aufgeführt war. Den kannten wir jetzt nicht, wohl aber jemanden mit dem doch seltenen Nachnamen aus unserem früheren Umfeld. Mag ja auch alles nur Zufall sein, aber trotzdem setzt man sich schon viel mehr mit der Geschichte auseinander und fragt sich, ob da ein Zusammenhang besteht...
 


Ruine Haus Demmin
 


der letzte Besitzer war ein Hansjoachim von Rohr
 

Am Demminer Rathaus "schoss" Axel anschließend quasi vorbei. Das irritierte mich etwas und ich bog, nach einer kleiner Vollbremsung, direkt auf den Vorplatz zum Rathaus ein. Ich hatte Axel aus dem Blickfeld verloren. Nix von ihm zu sehen. Wenden konnte er nicht, weil es eine Einbahnstraße war.

Ich wartete und wartete, versuchte eine Funkverbindung aufzubauen, was aber misslang. Ein erneuter Versuch per Telefon klappte dann und Axel fragte, wo ich sei und sagte, dass er direkt vor dem Rathaus stehen würde. Tja, da stand ich auch, aber kein Axel. Nach einigem Hin und Her erklärte sich das Geschehen. Axel hatte gerade im Anflug auf das Rathaus mit seiner Schwester telefoniert. Und da Männer nun mal nicht multitasking-fähig sind, ist er einfach am Rathaus vorbeigefahren und befand sich nun auf der Rückseite des Gebäudes. Machte ja nichts, dank Funk hatten wir uns kurze Zeit später wieder.
 


Rathaus Demmin
 


wieder vereint am Brunnen vor dem Tore äähhh Rathaus
 

Um 12:00 Uhr verließen wir Demmin. Ab hier lagen nun knapp 180 Kilometer vor uns bis zur nächsten auf der Route liegenden Hansestadt Havelberg. Es war wenig los auf den Straßen und das Fahren machte Spaß. Eine kleine Pause machten wir in Waren an der Müritz bei McDonald´s mit einem Smallmenü. Erst hier zogen wir die Regenklamotten aus, da wir es einfach bei diesem Temperaturen um die mittlerweile 30 °C nicht mehr aushielten. Zwar zeigte der Himmel immer wieder dunkle Wolken vor uns, aber das war uns jetzt egal.

Leider verlängerte sich unsere Pause um locker 20 Minuten, da ich beim Aufsetzen des Helmes erkannte, dass dort im Inneren lockere Plastikteile rumhingen. Das erklärte auch den Druckschmerz, den ich seit einiger Zeit am linken Ohr hatte. Eine genauere Untersuchung ergab, dass das Headset leider nicht so ganz fachmännisch eingesetzt worden war und sich nun gelöste hatte. Zum Glück ist man ja "patent". Die Reparatur dauerte aber...dann konnten wir endlich weiter. Beim nächsten Besuch im 'Shop unseres Vertrauens' werde ich aber auf jeden Fall noch ein Einzelgespräch führen.

Wenige Kilometer nach unserer Weiterfahrt erkannten wir am Straßenzustand, dass gerade unmittelbar vor uns ein Gewittersturm mit Starkregen runter gekommen sein muss. Die Straße schwamm und überall lagen abgerissene Blätter oder ganze Äste herum. Da haben wir ja noch mal richtig Glück gehabt...vielleicht war die Rparatur am Helm tatsächlich so eine Art Fügung...

Bei Malchow ging es für ungefähr 40 Kilometer auf der A19 bis Wittstock. So konnten wir doch erst einmal ordentlich Strecke machen. Von der Ausfahrt Wittstock bis zur Hansestadt Havelberg waren es aber auch immer noch 50 Kilometer.

Gegen 15:00 Uhr erreichten wir Havelberg und kurze Zeit später oder besser gesagt nach 2 Ehrenrunden das Rathaus.
 


Ortsschild Havelberg
 


Rathaus Havelberg
 

Bereits "nur" 10 Kilometer weiter aber immerhin 40 Minuten später erreichten wir die Hansestadt Werben (nie davon gehört). Werben ist die drittkleinste Stadt in Sachsen-Anhalt und gehört zu den 20 kleinsten Städten in Deutschland (Stand 2014).

Das späte Erreichen lag daran, dass Werben von Havelberg aus nur über eine kleine Gierseilfähre zu erreichen war. Der Rumpelweg zum Anleger konnte aufgrund seiner Beschaffenheit auch nur entweder schnell im Stehen oder kriechend im Sitzen bewältigt werden. Bei so manchem Schlagloch spürte man schon sämtliche Wirbel im Rücken. Und bei unserer Ankunft befand sich die Fähre natürlich auf der gegenüber liegenden Seite.

Wir mussten etwa 15 Minuten warten bis wir auf die Fähre fahren konnten. Der Preis für eine Überfahrt war auch nicht ohne. Trotzdem irgendwie ein schönes Gefühl, so lautlos über das Wasser zu schweben und nichts als die Natur mit dem Rauschen des Wassers und mit der Vielzahl an Vogelstimmen zu hören.
 


Gierfähre Werben


auf der Fähre mit Blick auf die Bojen in Fließrichtung
 

Der weitere Weg von der Fähre zur Hansestadt Werben war auch nicht besser als der Weg zum Anleger. Knüppeldamm mit Holterdipolter. Machte eher uns als unseren Maschinen was aus.

Das Rathaus erreichten wir um 16:10 Uhr und machten unser Beweisfoto. Bisher waren wir immer noch nicht nass geworden. Ein Blick aufs Regenradar ließ mich erkennen, dass wir  die angesagte Schlecht-Wetterfront mit möglichen Tornados irgendwie umfahren sind. Wir hatten ausgesprochen Glück. Allerdings lagen wir doch ziemlich in Verzug mit der Zeit. Die zusätzliche Tour nach Wolgast sowie die etlichen Ehrenrunden in den einzelnen Hansestädten hatten doch ziemlich viel Zeit gekostet. Die nächsten 3 Hansestädte lagen jeweils nur wenige Kilometer von einander entfernt. Also, weiter.

Erwähnenswert wäre noch, dass ich hier in der Einöde tatsächlich LTE hatte. Das bekomme ich sonst nicht einmal in Touristenhochburgen an der Ostsee... ;-)
 


Ortsschild Hansestadt Werben
 


Rathaus Werben
 

Um 16:30 Uhr kam die Hansestadt Seehausen in Sicht. Auch von dieser Stadt hatte ich vorher noch nie etwas gehört. Das Rathaus war gut zu erreichen, aber schlecht zu fotografieren, da es unmittelbar an einer kleineren Straße lag, das Gebäude aber selber schon etwas gewaltiger war und so durch die Dimensionen nicht in die Linse der Kamera passte. Also mussten wir ein Stückchen weiterfahren und hielten in einer Parkbucht, um rückwärts ein Foto des Rathauses zu schießen.

Für diesen kurzen Augenblick ließen wir die Maschinen im Leerlauf weiterblubbern. Just in diesem Moment ging ein vielleicht 4-jähriges Mädchen an der Hand ihrer Mutter vorbei und kiekste im hochfrequenten Kleinkinder-Gebrabbel"...wieder diese häßlichen Motorräder, Mama." Axel und ich schauten uns an, dann die Göre und dann die Mutter, der die Aussage ihrer Tochter nicht ansatzweise peinlich war und von der nur ein "...so was sagt man nicht..." kam. Über Geschmack kann man bestimmt streiten, doch ich frage mich, ob ein Kleinkind wirklich schon Ästhetik und Schönheit beurteilen kann oder einfach nur das nachplappert, was sonst die Eltern so von sich geben. Mir lag ein kurzer "...ey, du Rotzlöffel, ich werd dir was..." auf der Zunge, verwarf den Gedanken aber mit Blick auf die Ghetto-Mutter wieder. Trotzdem hätte ich nicht schlecht Lust gehabt, der Göre ein kleines Softeis ins Gesicht zu drücken.

Um 16:45 Uhr waren wir dann in Osterburg und erreichten schließlich das Rathaus. Auch hier war wenig los, das Rathaus lag direkt an einer Straße, die wir allerdings auch erst suchen mussten. Ein paar Jugendliche standen umher, beäugten uns und ich wartete auf dumme Sprüche. Von denen kam aber nichts, war auch besser so, sonst hätte ich vielleicht doch noch ein Softeis gekauft... ;-)
 


Ortsschild Hansestadt Seehausen
 


Rathaus Seehausen
 


Ortsschild Hansestadt Osterburg
 


Wir vor dem Rathaus in Osterburg
 

Um 17:10 Uhr erreichten wir Stendal. Hier waren wir bereits auf unserer Rolandtour in 2010 gewesen und konnten uns noch schwach dran erinnern, dass der Roland sowie das Rathaus sehr versteckt und schlecht motorisiert zu erreichen waren, da auch hier irgendwie alles nur aus Einbahnstraßen bestand. Und so war es dann auch... Nach diversen Ehrenrunden fanden wir Roland und Rathaus dann aber doch, machten Fotos und konnten weiterfahren. Mittlerweile hatte sich der Himmel nun zugezogen, es nieselte minimal und die Schwüle drückte.

Die nächste Hansestadt Gardelegen war schon fast in Sicht. Auf einer breiten Bundesstraße konnten wir die Maschinen wieder etwas laufen lassen. Axel überholte einen LKW, ich folgte. In der Ferne, als ich etwa auf gleicher Höhe mit dem LKW war, bemerkte ich einen entgegenkommenden, wild aufblendenden und hupenden Autofahrer, der geschätzt aber noch locker 400 m von mir entfernt war. Ich fragte mich, was er für ein Problem hatte. Als ich nach dem Überholen vor dem LKW wieder in die rechte Fahrbahn einscherte, knallte er auch schon mit grenzwertig überhöhter Geschwindigkeit immer noch wild hupend und aufblendend knapp an der Mittellinie (!!!) und damit an mir vorbei. Aha, ein Motorradhasser also...Der hatte es tatsächlich auf mich abgesehen und voll drauf gehalten. Ich denke, dass er keinen Zentimeter nach rechts ausgewichen wäre, wenn ich den LKW nicht rechtzeitig hätte überholen können. Die Bundesstraße war breit und gut ausgebaut, da hätten locker 3 LKW nebeneinander Platz gehabt. Dieser Autofahrer hätte aber lieber meinen Tod in Kauf genommen statt auszuweichen, da war ich mir sicher. Ich schluckte...

Das Finden des Rathauses gestaltete sich ebenfalls wieder schwierig. Ich fragte mich nur, warum das Navi uns immer wieder in Straßen lotste, die für den Verkehr gesperrt oder Fußgängerzonen waren. Durch dieses ewige Suchen und Einkreisen hatten wir heute bestimmt 2 Stunden Zeit verloren. Irgendwann fanden wir dann das Rathaus, durften aber nicht direkt davor fahren. Also blieb hier nur ein Foto ohne Moppeds.
 


Ortsschild Hansestadt Stendal
 


Rathaus Stendal
 


Ortsschild Gardelegen
 


Rathaus Gardelegen
 

Bei der Planung der Tour hatte Axel in Internet eine günstige Übernachtungsmöglichkeit für Monteure entdeckt, die wohl auch Platz für Durchreisende anbieten sollte. Das war unmittelbar hinter dem Ortseingang von Salzwedel. Super, haben wir auch gleich gefunden....war nur leider geschlossen.

Auf der Strecke zwischen Gardelegen und Salzwedel hatte Axel vorher eher unbewusst eine Art Gasthof oder ähnliches aus den Augenwinkeln heraus bemerkt. Mittlerweile regnete es stärker und wir hatten keine Lust mehr weiterzufahren. Trotzdem entschlossen wir uns kurzerhand, die paar Kilometer zurückzufahren, um nach einem Zimmer zu fragen. Der Gasthof entpuppte sich dann aber als exquisites Land- und Tagungshotel. Es war 18:45 Uhr als Axel wieder rauskam und nur eine Zahl nannte: 89. Ich saß immer noch auf dem Mopped und fing sofort an, im Navi nach Übernachtungsalternativen zu suchen, denn wir waren uns wortlos einig, dass wir das nicht bezahlen wollten.

Nach 2 weiteren Telefonaten mit verschiedenen Unterkünften und Absagen bzw. noch teureren Zimmern, kam plötzlich die Dame von der Rezeption zu uns nach draußen und fragte, was wir denn bereit wären zu zahlen. Nachdem wir ihr unseren maximalen Preis genannt hatten, rümpfte sie die Nase und bot uns für 3 EUR mehr die Nacht ein Doppelzimmer im Hotel an. Wir schlugen sofort ein.

Die Moppeds konnten wir komfortabel hinterm Haus abstellen. Jetzt schnell duschen und dann freuten wir uns auf ein leckeres Abendessen, bei dem wir noch einmal das heute Erlebte Revue passieren ließen. Die Überholaktion mit dem Motorradhasser musste mental erst einmal abgearbeitet werden und wir haben doch noch eine ganze Zeit darüber geredet. Axels letzte Worte dazu waren: "Auf deinem Grabstein hätte dann gestanden: Er hatte Zeit zum Hupen und Aufblenden...aber nicht zum Ausweichen!" Das machte mich doch nachdenklich.

Heute gefahren: 435,9 KM
 


 


 


Start am nächsten Tag um 9:00 Uhr
 


heutige Tour (klick für groß)
 

Mittwoch, 2. August 2017
 

Nach reichhaltigem und ausgezeichnetem Frühstück saßen wir um 9:00 Uhr auf den Moppeds und fuhren los. Es war stark bewölkt, aber wenigstens trocken. Wir fuhren die gleiche Strecke, die wir gestern zum Landhotel zurück gefahren waren und erreichen die Hansestadt Salzwedel um kurz nach halb zehn. Das Navi führte uns über Umwege in die Innenstadt, allerdings nicht zum Rathaus, sondern zu einem alten Rathausturm, auf dem unten "Schwarzer Adler" stand und an dem oben ein Banner mit dem Spruch "Unleash your inner monkey" baumelte. "Entfessle deinen inneren Affen"...was sollte das denn bedeuten? Gleichnamige Videos auf Utube zeigten wagemutige Jugendliche, die weite und hohe Distanzen mit Spring- und Klettereinlagen überwanden. Aber was das mit Salzwedel zu tun hatte, erschloss sich mir nicht.

Nach weiterer Suchfahrt fanden wir dann endlich das neuzeitliche Rathaus und machten unser Foto. Schade war nur, dass sich hier Axels Headset mangels Strom verabschiedete. Bei dem Chaos in den Städten natürlich blöde ohne Ansage zu fahren. Also bastelten wir kurzerhand mit Verlängerungskabel, Euro- und USB-Stecker eine Stromverbindung und stöpselten den Helm so an, dass Axel ihn während der Fahrt tragen konnte, er aber auch gleichzeitig geladen wurde. Dann verließen wir Salzwedel und konnten nun erst einmal ein ordentliches Stück fahren.
 


Rathausturm Salzwedel
 


Ortsschild Salzwedel
 


Rathaus Salzwedel
 

Das nächste Ziel war Uelzen, etwa 30 Kilometer von Salzwedel entfernt. Allerdings erreichten wir Uelzen nicht geradlinig, weil eine Riesenumleitung uns zwang, über Lüneburg zu fahren. Ok, dann besuchen wir eben erst die Hansestadt Lüneburg. Die Strecke dorthin entschädigte aber für so Manches und wir hatten teils ordentlich Kurvenspaß.

Das Rathaus dort war gut zu finden, dafür konnten wir wieder kein Foto beim Ortseingang machen, weil wir uns auf einer breiten zweispurigen Schnellstraße befanden. Auf dem Marktplatz war irre viel los, viele Touris, jede Menge Kutschen und halt Markt. Durch die ganzen Marktbuden war das Rathaus nur teilweise zu sehen.

Dann schnell das Foto gemacht und zügig die Stadt verlassen. Beim Ortsausgangsschild konnten wir uns mehr oder weniger verkehrsbehindernd hinstellen und machten auch hier schnell unser Beweisfoto.
 


Ortsschild Lüneburg
 


Rathaus Lüneburg
 

Weiter ging es nun zur Hansestadt Uelzen, welche wir gegen 12:30 erreichten. Das Rathaus war langweilig anzuschauen, sowohl von vorne, als auch von hinten. Ein neumodischer Kasten, an dem so gar nichts mehr an eine "ehrwürdige Hanse" erinnerte. Aber auch hier wurden Fotos gemacht.

Mittlerweile hatte auch mein Headset seinen Geist aufgegeben und ich fuhr nur noch taub ohne Ansagen des Navis. Bei McDonald´s machten wir Pause und genehmigten und erst einmal ein Small Menü mit einem Kaffee. Das tat gut. Mittlerweile war es auch schon wieder richtig warm geworden.

Axels Helm hatte sich zwischenzeitlich vollends aufgeladen und so stöpselte ich dann meinen an die Stromversorgung. Die Handestadt Bremen war unser nächstes Ziel und die vor uns liegenden 150 Kilometer sollten zeitlich reichen, um auch meinen Helm wieder ein bisschen mit Strom zu versorgen.
 


Ortsschild Uelzen
 


Rathaus Uelzen
 

Die Einflugschneise zu Bremen war ebenfalls eine 3-spurig ausgebaute Schnellstraße ohne Möglichkeit zu halten. Außerdem vermissten wir auf dem Ortsschild den Zusatz "Hansestadt". In Bremen selber herrschte ein Mörderverkehr. Überall waren Stau und Baustellen. Obwohl wir auf unserer Rolandtour auch bereits in Bremen gewesen waren und den Marktplatz mit dazu gehörendem Roland kannten, fanden wir ihn nur nach drei Ehrenrunden. Parken war dort nicht möglich, also standen wir verbotenenerweise in einer Ladezone. Axel ging dann den restlichen Weg zu Fuß und fotografierte.

Beim Verlassen von Bremen fanden wir ebenfalls auf der breiten Straße keinen Platz zum Halten und kein Ortsschild mit dem Zusatz "Hansestadt". Auch ergab eine spätere Recherche im Internet keine Erklärung, also musste für das Foto mit dem Ortsschild ein Bild gebastelt werden.
 


Ortsschild Bremen
 


Rathaus Bremen
 


Gullideckel in Bremen
 


die Moppeds kann man immer irgendwo parken
 

Endspurt. Jetzt standen als Hansestädte "nur" noch Stade, Buxtehude und Hamburg auf der Liste. Der Blick zur Uhr ließ uns aber die Nase rümpfen. Es war bereits knapp 17:00 Uhr. Gefühlt lagen wir locker 4 Stunden hinter unserer Zeit. Also weiter...

Ich mach´s jetzt etwas kürzer. Von Bremen ging es über schöne Straßen und nach einer größeren Tank-, Pinkel- und Futterpause mit anschließender Ohrring-Suchaktion zur Hansestadt Stade (Ankunft 19:40 Uhr Ortseingang) und weiter zur Hansestadt Buxtehude (Ankunft 20:45 Uhr Rathaus). Beide Städte waren ähnlich. Die Innenstädte für Fahrzeuge gesperrt und die Rathäuser schlecht zu finden. Einzig erwähnenswert wäre noch unsere Einlage in Stade in der Fußgängerzone, als Axel und ich nach der dritten Rathausumrundung in eine weitere Seitenstraße einfuhren und damit quasi mit Schwung in eine Fußgängerzone preschten. Mehr noch...eigentlich keine richtige Fußgängerzone, sondern eher ein großer Platz, gesäumt von Cafés und Restaurants und Hunderten von Passanten, die allesamt an Tischen direkt am Wasser saßen und die Ruhe genossen (wollten). Ups...das sind die Momente, die einem dann doch irgendwie richtig peinlich sind und man sich am liebsten in Luft auflösen möchten.

Sofort stoppten wir die Maschinen und suchten nach einem Ausweg. Rückwärts ging nicht, da hinter uns die Einfahrt gesperrt war. Nach links und rechts ging es auch nicht, da waren Poller. Irgendein Mann erkannte wohl unsere Panik und machte Zeichen, dass wir dort, wohin er wies, wohl wieder dieser Situation entfliehen konnten. Also nahmen wir allen Mut zusammen, starteten die Maschinen und pötterten unmittelbar durch die Menschenmengen vorbei an Tischen mit kulinarischen Köstlichkeiten wie Lachs, Steaks und Zitronensorbet. Ich schaute nicht zur Seite, sondern hatte den Kopf gesenkt und machte mehr als 3 Kreuze, als wir diesen gastlichen Platz wieder verlassen konnten. Im Nachhinein wundere ich mich echt, dass keiner von denen gepöbelt hat. Jedenfalls hatten wir hier unbeabsichtigt wieder für ein klischeehaftes Bild rücksichtsloser Motorradfahrer gesorgt.
 


Ortsschild Stade
 


Gullideckel mit Wappen
 


altes Rathaus Stade
 


neues Rathaus Stade
 

Das Rathaus in Stade fand Axel dann auch nur zu Fuß, ebenso ich das Rathaus in Buxtehude, nachdem ich bei Einheimischen nachgefragt hatte und sie mir den Weg zum alten "hüschen" und zum neuen "häßlichen" erklärt hatten. Für das Foto entschied ich mich dann für das alte "hübsche" Rathaus. Täuschte es oder wurde es schon dunkel?
 


Ortsschild Buxtehude
 


altes Rathaus in Buxtehude
 

Es war 21:00 Uhr als Axel als letztes Ziel unserer Tour unseren Platz an der Ostsee ins Navi eintippte. Zwar hätte Hamburg noch auf unserer Liste gestanden, aber angesichts der verstrichenen Zeit waren wir uns einig, dies für heute zu canceln. Bei unserer Tour ging es ja nun auch nicht darum, akribisch die Hansestädte abzuklappern und zu dokumentieren, sondern eher darum, eine schöne Tour mit ein bisschen Kultur zu verbinden. Und das ist Axel bei der Planung sehr schön gelungen.

Das Navi rechnete und spukte als Zielzeit 22:45 Uhr. Ach du schande...also nach Torschluss. Sooo eine Kacke...Zwar sind wir oftmals recht zügig unterwegs, doch ich bezweifelte, dass wir 40 Minuten aufholen würden. Eine Routenalternative über die A1 (und nicht mitten durch Hamburg) brachte etwas weniger Zeit, dafür ein paar Kilometer mehr. Wir entschieden uns für Letzteres.

Quasi im Tiefflug erreichten wir dann um 22.30 Uhr unser Feriendomizil. Immerhin hatten wir gute 10 Minuten aufholen können, obwohl das Fahren bei Dunkelheit nicht gerade entspannend war. Wir mogelten uns gekonnt zwischen Schranke und Sperrsteinen hindurch und pötterten über den Platz. Bei der Nachtruhe hörte sich das an, als wenn ein Hubschrauber hier landen würde. Ja, mein Gott, dann war das eben so. Machen wir nicht jeden Tag und schließlich kann man sich ja auch mal leicht verschätzen.

Nach 1.398 Kilometern stellten wir die Maschinen ab, waren glücklich, erschöpft, zufrieden, durstig, geflasht, müde und doch wieder voll Tatendrang. Axel und ich zusammen auf den Motorrädern, eine schöne Tour machen, ein Ziel haben, gemeinsam etwas Erfahren, Erleben...was gibt es Schöneres. Für uns nicht mehr viel...außer vielleicht eines. ;-)

Heute gefahren: 593 KM

Bine
 


 


 


Heute gefahren (klick für groß)


Gesamtroute (klick für groß)

 

nach oben ^


© naked-biker - alle Rechte vorbehalten -
www.naked-biker.de