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naked biker
Motorradtouren & Reiseberichte

 

 

 

Motorradtour mit BMW R1200GS auf
der Route des Grandes Alpes und der Route des Brea
durch die Französischen Seealpen

Reisebericht | Route des Grandes Alpes | Route des Brea | Col de la Colombière | Cormet de Roselend | Col du Galibier | Col de l´Iseran | Col de la Bonette | Col de Restefont | Col d´Izoard | Col de Turini | Col de Couillole | Thonon les Bain | Menton | Canyon du Verdon

15. Juni  -  24. Juni 2012



Erster schöner Blick auf die Alpen
 

 

Freitag / Samstag, 15. und 16. Juni 2012
 

Wie nach unserer Baltikumstour im letzten Jahr angedroht, haben wir uns dieses Jahr tatsächlich aufgerafft, um die höchsten Straßenpässe der Alpen in Europa mit dem Motorrad zu erklimmen. Unser Ziel hieß dieses Jahr: die Route des Grandes Alpes. Beginnend in Thonon-les-Bains am Genfer See und endend in Menton am Mittelmeer...und dazwischen mindestens 17 Pässe, die es zu bezwingen galt.

Berufsbedingt mussten wir allerdings unseren für Anfang Juli geplanten Urlaub um 14 Tage nach vorne verlegen, was sich im Nachgang aber als absoluter Glücksentscheid erwies...

Axel hatte mal wieder die Tour komplett durchorganisiert und zeitlich minutiös aufs Genaueste geplant. Dass dieses Mal unser Zelt unser ständiger Begleiter sein sollte, war kein Notfallplan (falls Jugendherbergen und Hostels mal wieder ausgebucht wären), sondern es sollte auch als Hazienda für ein paar erholsame Tage auf einem Campingplatz nahe Nizza dienen.

Durch unseren verschobenen Urlaubsbeginn "mussten" wir nun aber erst einmal unsere Mittsommertour von unserem Stammtisch mit unserer Urlaubsroute kombinieren. Das bedeutete zwar, dass uns 2 Tage "flöten" gingen, aber mit lieben Freunden gemeinsam eine schöne Tour zu machen und abends mit einem Bierchen beim Grillen am Lagerfeuer zu sitzen und zu sabbeln, ist mindestens genauso schön. Dass unsere für den Samstag geplante Ausfahrt durchs Weserbergland buchstäblich "ins Wasser fiel", war weniger schön, aber was soll´s. Der Wille zählt! Mehr über unsere Mittsommertour kann man auf unserer Stammtischseite unter Rückblicke finden.

 


Start 15.06. in Norderstedt


Stammtisch-Abschlussfoto in Polle /Weserbergland

 
Sonntag, 17. Juni 2012
 

Alu-Koffer sind auch von innen dicht

Nach der Verabschiedung unserer Stammtischfreunde in Polle im Weserbergland setzten Axel und ich unsere Fahrt in Richtung Süden fort, während der Rest der Truppe wieder gen Norden in die heimatlichen Gefilden fuhr.

Unser erstes Etappenziel ging über schöne Strecken bis nach Northeim. Erst dort wollten wir uns auf die Bahn setzen und Gas geben, damit wir unser für heute gestecktes Endziel planmäßig erreichen konnten. Das Wetter zeigte sich von seiner sonnigen Seite und je weiter wir gen Süden kamen, desto wärmer wurde es. Morgens in Polle hatten wir 14°, später in Northeim schon 20° und abends nach über 660 gefahrenen Kilometern 28° in Waldshut direkt an der Schweizer Grenze.

Zwischenzeitlich hatte eine Selterflasche mit verdünntem Iso-Saft ihren Geist aufgegeben und sich in Axels linken Alu-Koffer ergossen. Schön, denn jetzt wussten wir, dass die Koffer wirklich wasserdicht waren. Allerdings nicht die im Koffer befindlichen Schutzfolien, in denen Axel sämtliche Tourenkarten und Nachschlagewerke aufbewahrt hatte. Auch meine Kameratasche und die sich darin befindlichen Akkus und Speicherkarten waren in Mitleidenschaft gezogen und trieften beim Herausziehen. Notdürftig entleerte Axel jetzt erst einmal 1,5L Flüssigkeit beim nächsten Stopp einfach auf die Straße und begutachtete die zusammenklebende und durchweichte Masse aus Landkarten, französischem Infomaterial und Jeanshemd und schmiss alles wieder unter lautem Gemotze in den Koffer zurück.

Der Campingplatz "Rhein-Camping", auf dem wir um 17.30 Uhr aufschlugen, war spitze. Er lag direkt am Rhein, es gab eine große Gastronomie und wir konnten abends nach einem leckeren Schweizer Wurstsalat auch noch das Fußball-EM-Spiel Deutschland gegen (hab ich vergessen) gucken. Zuvor hingen wir noch die völlig durchnässten Straßenkarten an unserer mobilen Wäscheleine auf und der seichte Wind trocknete das Papier Gott sei Dank innerhalb kürzester Zeit. Schade, dass ich mal wieder vergessen habe, davon ein Bild zu machen, denn etwas merkwürdig sah es schon aus, wenn 8 Landkarten im Wind um die Vorherrschaft in der Sonne kämpften.

Geschafft von der langen Fahrt gingen wir dann aber relativ früh schlafen, zumal wir vorhatten, am kommenden Morgen unser Zelt bereits verstaut zu haben, wenn das Sonnenlicht über die Hügel hereinbrechen würde.

 


die Moppeds konnten direkt an der Zeltwiese abgestellt werden


Tour von Polle nach Waldshut
(Klick aufs Bild für Großansicht)

 

 
Montag, 18. Juni 2012
 

Alles dreht sich im Kreis...verkehr

Gegen 6 Uhr wachten wir von alleine auf. Komisch....zu Hause schafft man das nie! Auf dem Platz war noch alles still, als wir mit dem Zeltabbau begannen. Es ist schon merkwürdig, was für ein Krach ein paar Fiberglas-Stäbe und raschelndes Zeltgewebe machen, wenn sogar noch die Vögel ihre Schnäbel halten. Als ob es irgendwas nützen würde, flüsterten wir sogar. Das Stampfen des Packsackes auf den Untergrund zum Komprimieren des Inhaltes klang dann aber wie das Einschlagen eines Pfahls und erschütterte wohl den Boden im Umkreis von 10 Metern, denn kurz nachdem wir fertig waren, hörten wir die ersten Stimmen und aufzurrende Reißverschlüsse... dumdidum....

Mit unschuldigem Blick verzurrten wir das restliche Gepäck und machten es uns nun erst einmal beim Frühstück und einem schönen Becher heißen Kaffee gemütlich. Gerade rechtzeitig, denn die nun hinter den Hügeln aufsteigende Sonne verwandelte die angenehmen Morgentemperaturen innerhalb kürzester Zeit in eine Saunalandschaft.

Die letzte Sandale war verstaut und gegen 9 Uhr setzten wir uns in Bewegung, allerdings, um erst einmal die komplett leeren Tanks zu füllen. Kurz danach erreichten wir den Grenzübergang in die Schweiz. Da wir keinen Bock auf Autobahn, bzw. die horrenden Mautgebühren hatten, führte uns die komplette Route durch die Schweiz über Landstraßen.

Ab nun wechselte sich ein Kreisverkehr mit dem anderen ab. Es gab kein einfaches Links- oder Rechtsabbiegen mehr. Die Navi-Tante sabbelte sich bei jeder Ansage fast ´nen Wolf: "In 350m fahren Sie in den Kreisverkehr ein, dann nehmen Sie die 3. Ausfahrt rechts....". 10 Sekunden später: "Noch 150 Meter, dann fahren Sie in den Kreisverkehr ein und nehmen die 3. Ausfahrt rechts...". "Fahren Sie in den Kreisverkehr ein...." *kreiiisch*. Da fängt man an, langsam genervt die Augen zu verdrehen, zumal sich die Anzahl der Kreisverkehre in der Schweiz dem Abstand der bei uns an der Straße stehenden Postkästen ähnelt. Ich war drauf und dran, mein Navi auszuschalten.

 


Grenze Deutschland - Schweiz in Waldshut


Ein Kreisel nach dem anderen

 

In einer größeren Stadt machten wir dann erst einmal Halt an einer Apotheke, um vom geschulten Personal für Axel ein Erste-Hilfe-Paket zusammenstellen zu lassen, dass seinen "Tropfen an der Nase" vertreiben würde. ;-)  Ne, im Ernst...Axel hatte am Morgen bereits über Schluckbeschwerden und Naselaufen geklagt und sich nun erst einmal mit Medikamenten eingedeckt, in der Hoffnung, dass es nicht schlimmer werden würde.

Eine Rose für Montreux

Danach fuhren wir weiter, und es war alles nicht wirklich spannend. Eine Ortschaft wechselte sich mit der anderen ab, keine besonderen Highlights, keine tollen Bergpanoramen und außerorts maximal 80 Km/h. Manchmal wurden die Augen ganz schön schwer, die Hitze tat ihr Übriges dazu. Langsam näherten wir uns dann dem Genfer See und der französischen Grenze. Und auf einmal lag der See dann vor uns, als wir über eine der nächsten Kuppen fuhren, und dieser Anblick war nun wiederum einfach fantastisch. Vor uns der See, die Stadt Montreux, im Hintergrund schneebedeckte Berge und auf dem Wasser tummelten sich hunderte von weißen Booten. Schade nur, dass das Wetter zwar sonnig, aber ein wenig diesig war und somit die Sicht ein wenig trübte.

 


Montreux am Genfer See


Start der Route des Grandes Alpes

 

Von nun an ging es entlang des Sees durch unzählige auf Tourismus eingestellte Ortschaften und vorbei an pompösen Gebäuden. Es gab alles zu sehen: dicke Bentleys, Spielcasinos, aufgetakelte Frauen, wunderhübsche Französinnen, braungebrannte Goldkettchen-Träger in weißen Anzügen und monströse Yachten. Es war für jedes Auge etwas dabei, je nachdem, wo beim Betrachter der Schwerpunkt lag.

Leg den 1. Gang ein, es geht los

Wir fuhren durch die Stadt Evian (jetzt weiß ich auch, warum das Wasser so teuer ist) und erreichten schließlich Thonon les Bains, den offiziellen Startpunkt der Route des Grandes Alpes. Nun befanden wir uns schon auf der französischen Seite. Der Spaß begann auch sofort, nachdem wir die Stadt verlassen hatten und uns dem ersten Pass, dem Col de Corbier (1.230m) näherten. Zwar ist dieser Pass nicht direkt in der Wiki-Beschreibung der Route enthalten. Irgendwie sind wir ihn aber doch gefahren. Zum Warmfahren war der gerade richtig.

Dann ging es auf direktem Wege weiter zum Col de la Colombière (1.603m). Die ersten 1.600 Höhenmetern lagen hinter uns und wir waren glücklich. Am Pass angekommen, schlug uns jede Menge Tourismus entgegen. Souvenirläden, Restaurants, halt das volle Touri-Programm. Klar, dass wir uns auch erst einmal einen Sticker vom Col du Colombière besorgen mussten. Dann erkannten wir, dass dieser Pass zur "Tour de France" gehört und bereits etliche Male in dessen Verlauf eingebaut wurde. Das erklärte natürlich auch die vielen Markierungen auf dem Asphalt und die Unmengen an Radsportlern, die sich hier die Kante gaben. Die Tour de France stand unmittelbar bevor und wir haben richtig Glück gehabt, dass wir unseren Urlaub um 2 Wochen nach vorne geschoben haben. Wenn wir wie geplant Anfang Juli gefahren wären, wäre das wohl unsere kürzeste Urlaubsfahrt gewesen, da mit Sicherheit einige der von uns angestrebten Pässe aufgrund der Veranstaltung nicht befahrbar gewesen wären.

 


Traumhafte Landschaft


Höchster Punkt des Col de la Colombière

 

Käseplatte und Croissants

Nach der erfolgreichen Befahrung des Col de la Colombière ging es dann zu unserem heutigen Etappenziel, einem "Hostel de la Jeunesse" in Clusaz. Wir waren zusammen mit 3 anderen Motorradfahrern und 2 älteren Damen die einzigen Gäste. Wir bekamen ein großes Zimmer mit eigenem Bad zugewiesen und ließen dann den Abend mit einem leckeren Menü und einem Gläschen Wein, bzw. Bier ausklingen. Mit insgesamt 69,- € für Übernachtung/Frühstück und Abendessen (ohne Getränke) war dies aber unserer Meinung nach schon in der oberen Preisklasse angesiedelt...jedenfalls für Jugendherbergsstandard. Allerdings war das Menü tatsächlich eine Art 3-Gänge-Menü, bei dem zum Abschluss noch typisch französisch eine leckere Käseplatte rumgereicht wurde.

 


Ankunft Hi Hostel Clusaz
 


Tag 2 - Waldshut nach Clusaz
(Klick aufs Bild für Großansicht)

 

 
Dienstag, 19. Juni 2012
 

Bereits um 8.30 Uhr waren unsere Moppeds fertig gepackt, wir satt vom gewöhnungsbedürftigen Frühstück (nur süße Konfitüre und Baguettes) und bereit zur Abfahrt. Gleich nach dem Start und dem Verlassen des Ortes wartete der nächste Pass auf uns, der Col des Aravis (1.491m). Ab hier wurde nun die Gegend auch wesentlich schroffer.

3 Kilometer Luftlinie sind in den Bergen 40 gefahrene

Als wir den Pass hinter uns gelassen hatten,  gestaltete sich die Suche nach einer Tanke mal wieder als sehr spannend. Die im GPS gekennzeichnete Tanke existierte nicht mehr und die nächste war 8km Luftlinie entfernt. Na gut, dann mal los. Alles hätte gut laufen können, bis nach etwa 20 gefahrenen Kilometern dann die Straße gesperrt war und wir eine riesige Umleitung fahren mussten. Normalerweise sind 3 Kilometer Luftlinie ja nicht viel, in den Bergen kann daraus aber schon einmal eine Strecke von schlapp 40 Kilometern werden. Und so war es dann auch. Mit so ziemlich dem letzten Tropfen Sprit erreichten wir dann einen Ort namens Ugine und fanden eine klitzekleine Tanke. Wenigstens konnte man mit EC-Karte bezahlen und der Tank war nun wieder voll.

Wir befanden uns etwa 20 Kilometer von unserer eigentlichen Route entfernt und gelangten schließlich über den Col de la Forclaz de Queige (864m) wieder auf die geplante Strecke. Die Umleitung hat zwar Nerven gekostet (wegen Null Sprit), uns dafür aber schöne, wenig befahrene und anspruchsvolle Strecken beschert.

 


wenig befahrene und anspruchsvolle Strecken


See beim Cormet de Roselend

 

Irgendwie sollte man von hier den Mont Blanc sehen können, aber irgendwie haben wir ihn "vor lauter Bergen" nicht erkennen können. Schade eigentlich....

Ist Radsport eigentlich gesund?

Nun ging es auf die Zielgerade zum Cormet de Roselend (1.975m laut Navi). Mit fast 2.000 Höhenmetern schon eine größere Herausforderung. Zeitgleich mit uns ackerten sich zahlreiche Radsportler ebenfalls den Pass empor. Ist schon beeindruckend, welchen Ehrgeiz sie aufbrachten, um gegen die Steigung anzukämpfen. Oben angekommen, ließen wir erst einmal die schneebedeckte Landschaft auf uns wirken und schossen ein paar Fotos. Dabei lernten wir einen anderen GS-Fahrer aus Bayreuth kennen, der ebenfalls wie wir die Route des Grandes Alpes fahren wollte, und der sich die GPS-Daten aus dem "Tourenfahrer" runtergeladen hatte. Dass man sich dann irgendwann noch einmal begegnen würde, stand bereits irgendwie schon fest.

 


Höchster Punkt des Cormet de Roselend


schneereiche Landschaft

 

Der höchste überfahrbare Gebirgspass der Alpen

Das eigentliche Highlight der heutigen Pässetour nahte...der Col de l´Iseran. Mit einer Höhe von 2.770m der höchste überfahrbare Gebirgspass der Alpen (laut Wikipedia). Die Anfahrt führte uns durch ziemlich schroffe Landschaften und auch durch den von den Olympischen Spielen bekannt gewordenen Wintersportort Val d´Isere. Dann änderte sich leider das Wetter, es bezog sich und es begann zu tröpfeln. So ein Mist...da freute man sich auf Kurven und dann das.

Was nützte das Maulen, der Regen hörte trotzdem nicht auf. Die Anfahrt war beeindruckend, die Gegend karg und schroff. Die Temperaturen fielen, es kam Nebel auf. Und trotzdem war es ein tolles Gefühl, als wir den obersten Punkt erreicht hatten. Zusammen mit anderen Motorradfahrern und Radsportlern grinste man sich gegenseitig zu und freute sich eigentlich nur, dass man ein persönliches Beweisfoto schießen konnte.

Bei den ersten Schritten merkte man dann doch, dass der Sauerstoffgehalt hier oben schon geringer als gewohnt war. Axel hatte sich aufgrund menschlicher Bedürfnissen einen Felsvorsprung gesucht, der ca. 10m tiefer lag als unser Standort. Als er nun wieder den Höhenunterschied überwinden musste, stand er anschließend keuchend vor mir, als ob er einen 100m-Lauf hinter sich hatte. 

An einer Tafel ließen wir dann auch noch einen Sticker mit unseren Namen zurück. Das musste einfach sein. Auf fast jedem Col gab es irgendwo einen Platz, auf dem man seinen Sticker kleben konnte. Leider haben wir nie einen bekannten Namen oder Sticker entdecken können. Aber vielleicht findet uns ja später jemand.... :-)

Witzig war natürlich, dass wir hier den Bayreuther GS-Fahrer wieder trafen. Er fuhr gerade winkend los, als wir unsere Seitenständer ausklappten.

 


Ankunft am obersten Punkt des Col de l´Iseran


Unser Beweisfoto

 


Abfahrt vom Col de l´Iseran


Col de Télégraphe

 

Es gibt immer eine Steigerung

Weiter ging es entlang der Route. Und wer denkt, dass er mit dem Col de l´Iseran das Highlight des Tages "erfahren" hat, der wird, nachdem er den Col du Télégraphe (1.573m) hinter sich gelassen hat, nur noch ein 3x so breites Grinsen im Gesicht haben...nämlich dann, wenn man den Col du Galibier (2.644m) bezwungen hat.

UNGLAUBLICH...eine sagenhafte Anfahrt in einer fast unwirklichen Welt. Schneeberge wechselten sich mit Moränen ab, enge kaum einsehbare Serpentinen gingen in breite in den Fels gehauene Straßen über. Schade war wirklich nur, dass wir keine gute Sicht hatten und es zudem auch noch teilweise wie aus Eimern goss. Auch die Temperaturen befanden sich bereits kurz unter dem zweistelligen Bereich. Der Blick vom obersten Punkt des Cols muss fantastisch gewesen sein...wir konnten ihn jedenfalls nur ahnen.

 


Anfahrt zum Col du Galibier


Hier lag noch ziemlich viel Schnee

 


ziemlich schneereiche Angelegenheit


der höchste Punkt auf dem Galibier

 

Die Abfahrt vom Galibier führte direkt zum Col du Lautaret (2.056m), der mit über 2.000 Höhenmetern landschaftlich auch sehr schön war. Allerdings war das Wetter immer noch nicht besser und wir verzichteten auf einen Halt, zumal uns langsam kalt wurde und die Nässe durch die Ritzen kroch.

 


so sah es im Regen durch den Helm aus


Col du Lautaret

 

Gegen 18.30 Uhr erreichten wir dann wohlig erschöpft unsere Unterkunft in Villeneuf, bzw. in Le Bez, einem klitzekleinen direkt an Villeneuf angrenzenden Dorf. Axel tobte noch einmal bei strömenden Regen 7 Km bis nach Briançon, um unsere Verpflegungstasche noch ein bisschen aufzufüllen. Das Frühstück am nächsten Morgen hatten wir beim Einchecken abgelehnt, da es erst ab 8.00 Uhr Baguettes gegeben hätte, wir aber zeitiger los wollten.

In der JuHe waren wir zusammen mit einem Belgier, der bei Lyon lebte, die einzigen Gäste. Als Praktikant hatte die Herbergsmutter einen jungen, sympathischen Engländer eingestellt, der dort 2 Monate lang seine Französischkenntnisse verbessern wollte, um dann (zurück in England) seinen Bachelor in Französisch und Spanisch zu machen. Für meine Begriffe sprach er bereits perfekt französisch, aber sicher wird er in den kommenden 2 Monaten noch das eine oder andere Wort dazulernen.

Jedenfalls war der Abend multikulti geprägt und die Konversation, die wir gemeinsam mit dem Belgier und dem jungen Engländer führten, brachte manches Mal den einen oder anderen zum Schmunzeln. Gedeutschtes Französisch kombiniert mit englischer Zeichensprache. Trotzdem war es ein sehr netter Abend gewesen, zumal Axels Erkältung nun auch ein kleines bisschen besser wurde. Wir verzogen uns frühzeitig ins Bett, denn auch am nächsten Tag wollten wir zeitig los.

 


JuHe in Le Bez


Tag 3 - Clusaz nach Le Bez (Klick aufs Bild für Großansicht)

 

 
Mittwoch, 20. Juni 2012
 

Das Wetter ist leider gegen uns

Über Nacht hatte es wie aus Eimern gegossen. Beim selbstgebastelten Frühstück hofften wir noch, dass sich das Wetter etwas bessern würde. Leider war dem aber nicht so. Insgeheim fluchte und schimpfte ich, denn heute stand das Highlight der ganzen Route auf dem Programm: der Abstecher zum Col de la Bonette-Restefond (2.719m). Aus Motorradzeitungen hatte Axel erfahren, dass man diesen Pass unbedingt fahren müsste, wenn man schon einmal in der Gegend war, auch wenn er nicht direkt zur Route des Grandes Alpes gehörte.

Nach unserem Start und einer neuen Tankfüllung um kurz nach 9.00 Uhr wartete nun aber erst einmal der Col d´Izoard (2.358m) auf uns. Auch hier war die Landschaft einzigartig und auch hier gaben sich jede Menge Radsportler die Kante. Wir konnten von Glück reden, dass wir nicht am Wochenende unterwegs waren, denn dann wären dazu auch noch Wohnmobile, andere Motorradfahrer und wahrscheinlich teilweise auch Reisebusse hinzugekommen. Ich bezweifle, dass wir dann noch ansatzweise Spaß gehabt hätten.

 


Anfahrt im Regen zum Col d`Izoard


Jede Menge Radsportler

 


Blick vom obersten Punkt des Izoard


Col d´Izoard

 

Bei der Abfahrt vom Col d´Izoard kamen wir dann in richtiges Scheißwetter. Ich war zwar vorher schon auf das feuchte Klima stinkig, aber das war noch harmlos gegen das, was nun kam. Dauerregen, sintflutartig... Bereits 50m vor mir konnte ich schon Axel nicht mehr erkennen, bzw. sah nur noch sein Rücklicht verzerrt glimmen. Also schoben wir uns pötternd die Serpentinen hinunter. An irgendeinem Punkt machte ich Halt für ein Foto (jedenfalls war es ein Versuch) und fuhr anschließend weiter, als meine Navi-Tante plötzlich ansagte: "Route wurde verlassen". Ich sah mich um, sah aber weder Axel, noch eine andere Straße. Lediglich ein steil abwärts führender Feldweg lag rechts von mir. Sollte dort die Route lang gehen? Ich überlegte kurz, schaute noch einmal aufs Navi, wartete noch ein Weilchen, ob Axel evtl. zurück kam und entschloss mich dann doch, der geteerten Version des Straßenbelags zu folgen...obwohl es Axel bei seiner Vorliebe für Schotter auch zuzutrauen war, dass er den anderen Weg genommen hatte.

Weiblich, ledig, sucht...

Also, fuhr ich erst einmal 3km Serpentinen hinab. Hmmm, kein Axel weit und breit, der irgendwo auf mich wartete. Also doch der Schotterweg? Ich versuchte zwar, Axel über das Scala Rider funktechnisch zu erreichen, aber außer ein lautes Rauschen hörte ich nichts.
In einer etwas breiteren Linkskurve wendete ich, wobei beim Wenden das Gefälle von 10% beinahe reichte, um das Gleichgewicht zu verlieren, da mein rechtes Bein nicht mehr lang genug war, um auf der Straße Halt zu finden und ich die Fuhre fast nach rechts weggeschmissen hätte. So´n scheiß..... Im selben Moment raste auch noch ein Radfahrer mit gefühlten Tempo 60 Km/h in der Linkskurve dann noch innen an mir vorbei. Ich erschrak und war erstmal restlos bedient. Irgendwie schaffte ich es dennoch, meine Maschine unfallfrei zu wenden und vor dem nächsten von oben heranrauschenden Kamikaze-Rennrad-Piloten die "Kurve zu kriegen". Ich fuhr nun die 3km wieder zurück in der Hoffnung, dort oben Axel anzutreffen. Leider Fehlanzeige. Ich wartete noch einmal 10 Minuten, wendete erneut und beschloss nun, den "nicht im Navi vorhandenen" Asphaltweg zu Ende zu fahren. Irgendwo würde dieser schon wieder auf die geplante Route führen.

Ca. 100m hinter der Linkskurve, in der ich vorher gewendet hatte, erspähte ich Axel, der seit gefühlten Stunden dort im Regen mit hochgezogenen Schultern und Fotokamera in der Hand auf mich wartete. Einerseits war ich froh, andererseits dachte ich: Tolle Funkgeräte, die nicht funktionieren, nur weil eine kleine Felswand dazwischen ist. 500m Reichweite....Ha, das ich nicht lache. Na egal, jedenfalls war ich erleichtert, dass wir uns wieder gefunden hatten. Axel verstand nach kurzer Erklärung zwar nicht, warum ich kurzzeitig angenommen hatte, dass er evtl. auch den Schotterweg hätte gefahren sein können. Aber Axel wäre ja nicht "der Extreme", wenn wir Ähnliches nicht schon erlebt hätten, nicht wahr? ;-).

 


So sah ich Axel durch mein Visier


Wiedersehensfreude im strömenden Regen

 

Danach ging es dann weiter zum Col de Vars (2.114m laut Navi). Das Wetter besserte sich leicht und ich hoffte, dass wir den geilsten Pass der Route, den Col de la Bonette, vielleicht doch noch im Trockenen fahren konnten.

Mythos Col de la Bonette / Col de Restefond

Am oberen Punkt des Col de Vars hinterließen wir auch erst einmal wieder einen unserer kleinen Sticker und genossen die regenfreie Aussicht, bevor wir uns auf die fast 50km lange Reise über den Col de la Bonette begaben.

 

 

Kaum gestartet, setzte auch schon wieder der Regen ein. Super! Die Hoffnung auf trockene Straßen und einen fantastischen Ausblick war somit letztendlich gestorben. Trotzdem war die Auffahrt ein grandioses Erlebnis, jedenfalls für Axel. Schroffe Felsen, kein Baum mehr weit und breit und nur noch Moos. Auf halber Höhe erblickten wir dann auch die ersten Schneefelder. Die Straße war anspruchsvoll, aber zum Glück wenig befahren. Dieser Col war eindeutig Axels Favorit. Er fuhr wie ein junger Gott (trotz Erkältung) und war irgendwann nicht mehr zu sehen. Ich schwächelte etwas und hatte gerade irgendwie einen total toten Punkt. Schwerfällig schob ich meine Maschine um die Kurven und ich fror. Dabei war die Landschaft wirklich einmalig und eine reine Augenweide, aber die Streckenführung machte mir zu diesem Zeitpunkt irgendwie zu schaffen.

Die Landschaft wurde immer karger und bald gab es nur noch Schotter, Geröll und Schnee neben der Straße. Zum Glück wurde der Regen etwas weniger und man konnte wieder besser sehen. Bei Sonnenschein musste die Aussicht fantastisch sein. Irgendwann entdeckte ich aus den Augenwinkeln merkwürdige Gebilde im Felsen und versuchte, diese mit meiner Kamera heran zu zoomen. Wie sich später herausstellte, waren dort Sterne im Felsen verewigt worden. Wie die dort hinkamen oder wer die gemacht hat....keine Ahnung.

 


Route de la Bonette (Anfahrt zum Col)


schroffe Landschaft

 


"Kornkreise" in den Felsen?


wunderschöner Blick

 

Es ging höher und höher, aber die Temperaturen fielen. Bald gab es nur noch Schnee und Nebel und Nieselregen. Doch das Gefühl, 2.800m hoch zu sein und den Pass bezwungen zu haben, lässt das Motorradfahrerherz einfach höher schlagen. Schade war nur, dass die Rampe bis zum höchsten Punkt noch wegen des Schnees gesperrt war. Nun denn, gesehen hätten wir ja eh nichts. Aber trotzdem...man hätte sagen können, man war auf der "höchsten Straße Europas" (laut Wiki). Wir ließen das Szenario auf uns einwirken, "genossen" mehr oder weniger den Blick in die Nebelfelder und den nicht sichtbaren Abgrund und spürten ein bisschen Stolz.

Langsam setzten wir uns wieder in Bewegung und machten uns an die Abfahrt. Bereits nach ein paar hundert Metern sahen wir, dass wir wirklich nur auf einem sehr schmalen Grat fuhren, denn links und rechts ging es steil die Wände hinunter. Huch...der Anblick ließ mich etwas panisch werden. So ganz wohl fühlte ich mich bei dem Gedanken nicht, hier auf einer 3m breiten Straßen zu fahren, während links und rechts der gähnende Abgrund nach Beute suchte. Bloß nicht hingucken....man fährt immer da hin, wohin man schaut. Also, Augen geradeaus und weiter. ;-)

 


die letzte Rampe zur Spitze des Col de la Bonette war leider gesperrt


Axel - glücklich und zufrieden

 


der gähnende Abgrund im Nebel


Wir hatten Regen... aber es hätte auch schlimmer kommen können

 

Während der nun folgenden Abfahrt wurde das Wetter immer besser. Seltsam fanden wir dann noch ein verlassenes Dorf, durch das die Route führte. Ich frage mich, warum man überhaupt mal in jener Zeit hier in dieser verlassenen und kargen Gegend in einer Höhe von ca. 2.300m ein Dorf gegründet hat. Nach ehemaligem Tourismus sah es nicht aus. Interessiert hätte es mich aber schon. Unter diesem Link könnt ihr euch das Dorf mal aus Google-Earth-Sicht anschauen.

Anmerkung: Da ich von Haus aus neugierig bin, habe ich nun mal gegoogelt und folgendes über das Dorf gefunden...
Auf der Südostrampe führt die Straße durch das Camp des Fourches auf 2.271 m, ein ehemaliges Militärcamp, dessen Häuser heute nur noch aus Ruinen bestehen..
(Quelle: Wikipedia Col de la Bonette)

 


Passstraße ohne Leitplanken


verlassenes Militärdorf

 

Das vorausgesagte Déjà-vu

Die Abfahrt machte Spaß, das Wetter besserte sich weiter und es gab tolle Serpentinen-Folgen, die wir zugleich als Fotomotiv nutzten. Als wir die letzten Meter der Passstraße hinter uns hatten, schien die Sonne und wir gönnten uns erst einmal eine wohlverdiente Pause mit heißem Kaffee und gebasteltem Brot. Und wie wir da so sitzen und über das Erlebte plaudern... Nun ratet mal, wer da an unseren parkenden Moppeds vorbeifährt? Rischtiiich: der GS-Fahrer aus Bayreuth. Als er uns erkannte, zögerte er ganz kurz und überlegte wohl, ob er anhalten sollte, entschied sich dann aber fürs Weiterfahren und hob noch schnell die Hand zum Gruß. Schade, denn wir hätten uns gerne mit ihm über die bisher gefahrene Strecke ausgetauscht.

Jetzt befanden wir uns quasi auf der Südseite der Alpen und die Sonne kämpfte sich langsam aber sicher durch die Wolken. Vorher im einstelligen Temperaturbereich gewesen, befanden wir uns jetzt schon wieder an der 20°-Marke. Nun war Endspurt zu unserem Etappenziel angesagt. Der Weg dorthin führte uns aber immer wieder durch absolut reizvolle Gegenden und über spannende und kurvenreiche Straßen.

 


Serpentinen satt


verdiente Pause bei mittlerweile wieder 20°

 

Man musste das alles einfach auf sich einwirken lassen und den Spaß genießen. Fantastische Farben und Gerüche der Natur zusammen mit seltenen Felsformationen wechselten sich mit direkt an Flüssen entlang führenden schmalen Straßen, teilweise ohne Leitplanken, ab. Maximal war mal ein Felspoller zu sehen, aber ob der bei einer Höhe von vielleicht 30 cm wirklich Schutz gab, bezweifelten wir stark.

 


schmale Straßen...


...in herrlicher Landschaft

 

Auf Rasen zelten kann ja jeder...

Gegen 18.00 Uhr erreichten wir unseren angepeilten Campingplatz "Origan Village" bei 28°. Nachdem der deutschsprechende Platzwart uns die beiden letzten noch freien Zeltplätze gezeigt hatte (Besichtigung erfolgte ziemlich zügig mit einem Elektro-Caddy), entschlossen wir uns für eine etwas geschützt stehende Parzelle mit eigener Wasserversorgung. Einziger Nachteil: der Untergrund bestand aus Kies. Aber auf Rasen kann ja jeder... ;-)

Axel schaffte es, die Heringe zu versenken und dank Schutzunterlage und Isomatte machte uns das Kiesbett tatsächlich nichts aus. Nach einem ersten Waschgang getragener Textilien, widmeten wir uns unserem Etappenziel-Bierchen und ließen den Abend entspannt und vor allem glücklich und zufrieden ausklingen. Mittlerweile hatte Axel unsere Hazienda noch optimiert und ein großes Sonnensegel über unser Zelt gespannt. Klasse, so hätten wir auch bei Regen locker unter dem Segel Platz gehabt. Als Tisch diente einer unserer Alukoffer und als Hocker die Dreibeine von Louis. Passt scho...

Wir einigten uns noch darauf, morgen die Route des Grandes Alpes zu Ende zu fahren, obwohl ich es zuerst vorgezogen hatte, uns erst einmal den Canyon du Verdon anzuschauen. Ich befürchtete einfach, dass das Wetter wieder umschlagen würde...

 


Zeltaufbau auf Kiesbett


Tag 4 Villeneuf/Briançon - Origan

 

 
Donnerstag, 21. Juni 2012
 

Geheimtipp: Route des Brea

Wir hatten bestens geschlafen und wachten gegen 7.00 Uhr auf. Die Sonne schien warm und wir hatten bereits 24°. Jetzt hieß es erst einmal frühstücken. Am Abend zuvor hatte Axel noch schnell 1 "Pain" bestellt... nichts ahnend, was sich genau dahinter verbirgt. Als Axel dann vom Bäcker zurückkam, wussten wir es. Ein Brot für 4 Personen, etwa einen halben Meter lang und 15cm im Durchmesser. Dazu noch 2 Croissants... Das sollte für heute jedenfalls reichen. ;-)

Gegen 10.00 Uhr machten wir uns zur Schlussetappe der Route des Grandes Alpes auf den Weg. Wir hatten jetzt schon locker 28°, und das, obwohl wir über 500m hoch waren.
Zuerst ging es ein kleines Stück auf der Strecke, die wir gestern bereits gefahren sind, zurück. Die nachfolgenden Kilometer, die uns wieder auf die Route des Grandes Alpes bringen sollten, waren der Hammer. Wir fuhren über eine gekennzeichnete Strecke, die sich Route de Brea nannte. Landschaftlich und kurventechnisch der absolute Wahnsinn. Malerische rote Felsen säumten schmale Straßen...einfach genial.

 


Hinweisschild zur Route des Brea


....und mittendrin

 

Das Fahren durch diverse Schluchten und vorbei an Felsüberhängen dauerte gut und gerne eine Stunde, bis wir dann irgendwann den Col de Couillole (1.678m) erreichten. Hier machte sich gerade ein Gruppe Mountainbiker einsatzbereit und rüsteten sich mit Knie- und Ellenbogenschützern aus, um dann einen "Querfeldein-Weg" zu nehmen und im Unterholz zu verschwinden. Wahrscheinlich war es für sie genau so aufregend wie für uns, mit ihrem Gefährt den Pass offroad zu bezwingen. Allerdings haben wir uns Offroad-Einlagen lieber erspart und sind immer schön artig auf dem Asphalt geblieben. Kurze Pause, Sticker ans Schild, durchatmen und weiter.

 


Anfahrt zum Col de la Couillole


Beweis: Wir waren hier...

 

180°-Kehren kann man einarmig schlecht fahren

Von hier ging es weiter über den Col Saint Martin (1.500m) und dem Col de Turini (1.613m), welcher mein ganz persönlicher Favorit war. Die Anfahrt bestand eigentlich nur aus Serpentinen auf schmalen Sträßchen. Eine echte Herausforderung, gerade auch, wenn man zu zweit fährt. Zum einen musste ich nämlich aufpassen, welche Sperenzchen Axel vor mir machte, andererseits wollte ich natürlich auch die Landschaft genießen und mittels Fernbedienung so viele Bilder und Filme wie möglich machen. In manchen 180°-Kehren erkannte ich dann doch, dass diese nicht "einarmig" zu nehmen sind und so musste ich manches Mal meine Spur ganz schön korrigieren, um nicht den Abflug über die Seitenbegrenzung zu machen. Ein Heidenspaß....

Wer also denkt, dass er mit der Bezwingung des Col de la Bonette sein Meisterstück gemacht hat, der sollte sich wirklich zum Vergleich den Col de Turini geben...wenn man die beiden Pässe überhaupt vergleichen kann. Aber so hatten Axel und ich jeder für sich seinen eigenen Favoriten gefunden, den man so schnell auch nicht vergessen wird.

 


schmalste Sträßchen bei der Auffahrt


Streckenführung des Col de Turini

 


der höchste Punkt des Col de Turini


...und die Abfahrt-Serpentinen

 

Langsam näherten wir uns der Côte d´Azur und dem Ende der Route des Grandes Alpes. Zwischendurch überfuhren wir noch unmerklich den Col de Castillon (714m). Von hier aus ging es dann dem Meer entgegen, das man auf einer der letzten Serpentinen bereits in der Ferne erahnen konnte. Es war zwar absolut sonnig und brüllende 34° heiß, trotzdem war es leicht verhangen, so dass sich das entfernte Meer fast gar nicht vom Himmel abzeichnete.

Etappenziel Menton

In der Stadt Monti sah ich dann bewusst die erste Palme und plötzlich wurde mir klar, dass wir uns nun fast am Mittelmeer befanden. Einmal tief durchatmen, grinsen und sich freuen. Beim nächsten Halt an einer Ampel sah ich, dass auch Axel den gleichen Gesichtsausdruck hatte. Dann entdeckten wir in Menton auch noch einen direkt an der Straße stehenden Apfelsinenbaum und waren restlos glücklich. Wir waren am Ziel angekommen, dem Ende der Route des Grandes Alpes in Menton. Ich lasse jetzt einfach mal ein paar Bilder sprechen.... :-)

 


Col de Castillon


Die erste Palme, die ich entdeckt habe...

 


Ankunft in Menton


die ersten gesichteten Apfelsinenbäume

 

 


direkt am Mittelmeer


Strand von Menton

 

 

In Menton schlug uns schon der erste Prunk und Glamour entgegen. Protzige Gebäude, Spielcasinos, aufgepimpte Hotels. Ganz zu schweigen von den Wagen, die vor den Hotels standen. Dass man hier wohl für Hotelzimmer dreistellige Euro-Beträge abdrücken müsste, war uns eigentlich klar.

Von Menton ging es nach einem kurzen Tankstopp dann weiter über die Küstenstraße bis nach Monaco und Nizza. Monaco war schon von weitem zu erkennen. Unzählige hochragende Gebäude belegten zusammengepfercht jeden möglichen ebenen Bauplatz und ähnelten auf den ersten Blick der Bauweise von DDR-Plattenbauten, wenngleich die Ausstattung und der Standard mit Sicherheit Lichtjahre voneinander entfernt lagen. ;-)

Die Reichen und die Schönen in Monaco

So, das war dann also das tolle Monaco, wo sich "die Reichen und die Schönen" aufhielten. Allerdings musste ich neidlos zugestehen, dass das nicht nur ein Spruch war, sondern dass sich hier wirklich die Reichen und die Schönen aufhielten. Neben Bentleys, Rolls Royce und Maseratis waren Porsche hier wahrscheinlich nur Zweitwagen. Die Frauen, die man promenieren sah, waren schick, edel und versprühten einen Hauch von Nobel und Eleganz. Obwohl man auch hin und wieder schmunzeln musste, z.B. wenn man sah, wie sich aus einem Z3 ein Sonnenhut (gefühlter Durchmesser 1 Meter) mit Frau hinausquälte.

Manchmal bemerkte ich, wie Axels Helm sich doch etwas weiter als gewöhnlich in Drehung versetzte, was wohl darauf zurück zu führen war, dass er (ganz salopp gesagt) den Weibern hinterher schaute. Beim nächsten Stopp an einer Ampel schaute ich kurz in den Rückspiegel, betrachtete mein Spiegelbild (über das ich mich nicht weiter äußern möchte) und tröstete mich damit, dass keine der hier rumstaksenden Tussen wohl in der Lage gewesen wären, eine GS Adventure alleine aufzubocken. Ich nickte zufrieden...

Aber, bevor ich wieder in meine Roman-Schreibe-Taktik verfalle, komme ich wieder zu unserer Tourenbeschreibung zurück. Also, nachdem wir ein paar Mal innerhalb Monacos gewendet und gewendet und gewendet hatten, weil irgendwelche Straßen gesperrt waren oder wir auf keinen Fall auf die Autobahn wollten, ging es weiter in Richtung Nizza. Nizza war vergleichbar mit Menton oder Monaco. Da gab es optisch jedenfalls keine Unterschiede mehr. Die Küstenstraße in Nizza war zugestopft mit Autos und unzähligen Motorrollern, die sich wie blöde von links nach rechts und zurück über die 3-spurige Straße schlängelten. Was für ein Gewusel...und es gab hier auch keine Möglichkeit, irgendwo mal kurz anzuhalten und ein Foto zu schießen.

Wir waren froh, als wir Nizza endlich verlassen und uns auf den Weg zu unserem Zeltplatz machen konnten. Wir hatten genug gesehen und freuten uns nun darauf, den restlichen Abend noch ein wenig am Pool abzuhängen und das Erlebte erst einmal sacken zu lassen.

 


Prunk entlang der Küstenstraße


Ankunft in Monaco

   


Hafen von Monte Carlo


Zwischen Monte Carlo und Nizza

   

Als wir den Campingplatz erreichten, waren wir völlig platt. Die heute gefahrenen 271km waren anspruchsvoll, aber schön. Hinzu kamen noch die ungewohnt hohen Temperaturen am Mittelmeer um die 34°. Nachdem Axel dann erzählte, dass er den Canyon du Verdon schon einmal gefahren sei und dieser jetzt nicht sooo spektakulär wäre wie die bisher gefahrene Route, schlug er vor, morgen einen Pausentag einzulegen und einfach den letzten Tag hier auf dem Platz zu genießen und Kraft für die Rückfahrt zu tanken. Ich willigte ein, denn mein Sitzfleisch fühlte sich an wie eine geklopfte Karbonade und ich war dankbar für einen Tag Erholung.

Nach einem leckeren selbstgemachten Nudelgericht und ein paar Bierchen fielen wir müde und wohlig erschöpft ins Bett.

 


bye bye, Nizza


Tag 5 - Origan bis Nizza und zurück (Großansicht Klick aufs Bild)

 

 
Freitag, 22. Juni 2012
 

Grand Canyon du Verdon

Die Dankbarkeit hielt nicht lange an. Bereits gegen Morgen regte sich in mir der Gedanke, heute doch noch einmal zum Grand Canyon du Verdon zu fahren. Ich hatte das Gefühl, mir würde etwas entgehen, wenn ich ihn nicht gesehen hätte. Während des Frühstücks löcherte ich Axel mit Fragen über den Canyon und signalisierte, dass ich es doch irgendwie schade finden würde, wenn man schon in der Nähe ist und ihn nicht sehen würde und blah, blah, blah...

Nach einer halben Stunde zeigte meine Taktik Wirkung und Axel willigte ein, heute doch die Tour zum Canyon zu fahren. *Freu*. Also, schnell angezogen und los. Alleine schon die 80km Anfahrt waren toll. Sie führte über eine breite aber kurvige Straße entlang der Var, wo wir die Moppeds so richtig laufen lassen konnten. Einfach nur toll.... So richtig kommt das auf den Bildern leider nicht rüber, aber ich schneide gerade einen Film vom Urlaub zusammen. Ich denke, da wird dann deutlicher, wovon ich gerade schreibe.

 


Hier konnte man die Moppeds schön laufen lassen


Anfahrt zum Canyon du Verdon

 

Dann erreichten wir den Canyon du Verdon. Und...was soll ich sagen: es war schön. Aber mehr auch nicht. Die Landschaft war reizvoll, die Straße größtenteils allerdings im schlechten Zustand. Dass es sich hier um ein beliebtes Touristenziel handelte, erkannten wir daran, dass Reisemobile sich nun nicht nur auf der Straße befanden, sondern auch in fast jeder Kurve standen und jeden Parkplatz bevölkerten (um Fotos zu schießen). Überholen war bei dem dort herrschenden Verkehrsfluss kaum möglich. Ich denke, der Canyon du Verdon ist ein absolutes Muss für Wanderer, Radfahrer, Bergsteiger, Wohnmobilisten. Allerdings werden Motorradfahrer hier nicht so sehr auf ihre Kosten kommen. Aber das ist wahrscheinlich auch davon abhängig, welche Schwerpunkte man sich selber setzt.

Hier kommen jetzt noch ein paar Bilder davon...

 


Irgendwo zu Beginn der Tour


Schöne Aussichten

 


Axel am Abgrund


die gähnende Schlucht

 

Gegen 16.00 Uhr waren wir dann bereits zurück auf unserem Campingplatz. Tja, was soll ich sagen... Die Tour war "nett" gewesen...mehr auch nicht. Es gab viel zu gucken und etwas Fahrspaß hatten wir auch, jedenfalls auf dem Hin- und Rückweg. Aber nun war ich beruhigt und hatte nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben.

Den restlichen Tag verbrachten wir entspannt am Pool und ließen den Abend bei einem leckeren Essen im Restaurant und einer Flasche Vin de L´Herault entspannt ausklingen. Morgen sollte die Rücktour beginnen, und da wollten wir ausgeschlafen sein.

 


seit mittlerweile über 100.000 gereisten KM unser ständiger Begleiter


Tag 6 - Reise zum Canyon du Verdon und zurück

 

 
Samstag, 23. Juni 2012
 

Way back home

Auch heute galt: erst einpacken, dann frühstücken. Um 6.00 klingelte der Wecker und wir begannen nach einer wohltuenden Dusche mit dem Einpacken und Verstauen unserer Packsäcke und Taschen. Als die Sonne hinter dem Hügel hervorkam und sich nun die Luft langsam aber sicher erwärmte, saßen wir bereits beim Frühstück und ließen es uns schmecken. Dann noch einen letzten Blick auf den Pool, einen letzten Blick auf das "petite" Baguette und wir setzten uns gegen 9.30 Uhr in Bewegung.

 


letzter Blick auf den Pool


une "petite" baguette

 

Col d´Allos und Route Napoleon

Auf der nächsten Tanke füllten wir Sprit und Öl auf und los ging´s. Axel hatte die Rückfahrt so gewählt, dass sie uns noch einmal über 3 Pässe führen sollte, bevor wir dann auf die Route  Napoleon stoßen würden. Der erste Pass, den wir befuhren, hieß Col de la Colle-Saint-Michel (1.431m). Zum heutigen Warmfahren gerade richtig. Anschließend ging es weiter zum Col d´Allos (2.249m), der ähnlich wie der L´Iseran kark und schroff war. Einzige Steigerung: die Straße war wesentlich schmaler und es gab null Begrenzungen. Kam einem ein Auto entgegen, musste man sich schon einen Plan machen...und bloß nicht seitlich in den steil abfallenden Abgrund schauen. ;-) Aber wir hatten super Wetter, und das war die Hauptsache.

Hier merkte man dann allerdings, dass wir Wochenende hatten, denn wir waren bei weitem nicht mehr die einzigen Motorradfahrer, die Lust auf Pässefahren hatten. Gruppen aus Italien und der Schweiz tummelten sich später auf dem höchsten Punkt des Col d´Allos (genau wie wir), um ein Beweisfoto zu schießen.

 


Col de la Colle


Anfahrt zum Col d´Allos

 


Klar, dass auch hier ein Sticker von uns nicht fehlen durfte


Auch andere Motorradfahrer mit Beweisfoto

 

Nach einer kurzen Pause ging es weiter zum nächsten und letzten Pass, dem Col du Festre (1.452m). Aber erst einmal stand die Abfahrt vom Col d´Allos an, die dann doch ziemliche Nerven kostete, da 80% der Abfahrt mit frischem Rollsplitt bearbeitet worden war und das Fahren darauf nicht wirklich Spaß machte.

 


Überall Rollsplitt


Abfahrt vom Col d´Allos

 

Die Abfahrt vom Col du Festre war dann eigentlich der Beginn des langsam ausklingenden Fahrspaßes. Danach wurden die Straßen breiter, die Landschaft ähnelte nun mehr einem Mittelgebirge und uns wurde mit ein wenig Wehmut klar, dass sich nun unser Motorrad-Urlaub so langsam dem Ende neigte. Ein letzter verträumter Blick auf den Lac du Sautet ließ uns noch einmal in Erinnerungen der letzten Tage schwelgen.

 


Lac du Sautet

 

Ab hier ging es nun relativ gerade in Richtung Grenoble. Zwischendurch machten wir noch einmal eine kleine Pause, da auf einer Brücke, die wir befuhren, gerade eine Bungee-Jumping-Veranstaltung stattfand. Schon mutig, sich so ca. hundert Meter in die Tiefe zu stürzen. Schon beim bloßen Zuschauen wurde mir schlecht.

 


Bungee-Jumping


Weiter Richtung Grenoble

 

Als wir Grenoble erreichten, war es schon weit nach 16.00 Uhr. Zu früh, um jetzt schon nach einer Unterkunft zu suchen, zu spät, um noch bis nach Freiburg zu fahren, denn das Navi zeigte als Ankunftszeit 0.42 Uhr an. Axel suchte nun im Navi nach irgendeiner Alternative zum Übernachten, entschloss sich dann (auch wenn´s Maut kostete), die Autobahn zu nehmen und so setzten wir uns erst einmal auf die Bahn und fuhren los.

Blöderweise führte die Autobahn uns erst einmal westlich Richtung Lyon und nach etwa 50 gefahrenen Kilometern zockte uns die erste Mautstation mit schlappen 11,- € ab. Oha...ganz schön happig. Weiter ging´s um Lyon herum, um dann wieder östlich in unsere geplante Richtung zu fahren. Die nächste Mautstation kam und diesmal durften wir sogar zusammen 13,- € abdrücken. Jetzt reichte es Axel, zumal wir durch den Schlenker in Richtung Lyon nicht wirklich viel an Strecke oder Zeit gewonnen hatten. Bei Bourg verließen wir die Autobahn und Axel suchte nun im Navi nach einer Unterkunft. Er fand ganz in der Nähe ein Etap, und wir waren uns schnell einig, dass dies heute unser Endpunkt sein sollte.

deux personnes, une nuit, un chambre double? - Non, l'hôtel est été complet

Leider war das Etap komplett ausgebucht, ebenso wie ein 6km entferntes Formule1-Hotel. Zum Glück fanden wir nach einigem Suchen dann noch ein Hotel, das allerdings seine besten Tage bereits hinter sich hatte. Aber egal, wir bekamen ein Doppelzimmer mit Bad für 45,- €. Mittlerweile war es 20.30 Uhr und wir freuten uns auf eine Scheibe Brot, die wir noch im Gepäck hatten (im Hotel gab es kein Essen!) und ein Bierchen. Der Preis von 3,50 € pro 0,33L-Flasche empfanden wir dann allerdings schon als Unverschämtheit. Wir orderten dann noch ein Gläschen Wein, unterhielten uns noch mit einem anderen Motorradfahrer-Pärchen und machten uns um 22.00 Uhr auf in die Heia.

 


Autobahn = Mautabzocke


Ankunft im Hotel um 20.30 Uhr

 


Axel beim Abendessen


Tag 7 - Origan bis Bourg (Klick aufs Bild für Großansicht)

 

 
Sonntag, 24. Juni 2012
 

Wir hatten aufs Frühstück verzichtet und uns selber ein paar Schnitten auf dem Zimmer gemacht. Zum Glück gab es dort einen Wasserkocher und so konnten wir uns ebenfalls auch noch einen Kaffee mit unserem übrig gebliebenen Pulver kochen. Das sollte fürs erste reichen. Um 8.00 Uhr saßen wir bereits auf dem Bock und machten uns vom Acker.

Von hier hatten wir nun erst einmal eine Tour bis Freiburg ohne Mautstraßen ins Navi eingegeben. Die Fahrerei war aber mehr als anstrengend und auch langweilig. Immer nur maximal 90 Km/h, keine besonderen Highlights. Mir fielen schon nach einer Stunde die Augen zu. Axel ging es ähnlich und bereits nach 2 Stunden (für uns eher untypisch) machten wir unsere erste Pause.

 


8.00 Uhr - Abfahrt in Bourg


erste Pause auf einem Rastplatz nach 2 Stunden

 

Der Kaffee tat gut, aber das Wissen, dass wir noch etliche hundert Kilometer bis zur Grenze hatten, ließ uns kurz aufstöhnen. Irgendwann fuhren wir wie im Trance und meine Lider waren schwer wie Blei. Ich wollte Axel noch einmal bitten anzuhalten, doch meine Sprachsteuerung des Scala funktionierte nicht richtig und baute keine Verbindung auf. Also versuchte ich es manuell durch Drücken diverser Tastenkombinationen.

Und dann brüllte mir plötzlich Scooter mit gefühlten 130dB "Fiiiiireee....!" ins Ohr. Ich wusste in dem Moment vor Schreck nicht ansatzweise, was gerade abging und drückte reflexartig und panisch auf alle Schalter... Allerdings nicht vom Scala, sondern vom Mopped. So wechselten sich kurzzeitig Blinker, Heizgriffe und Fernlicht in ihrer Funktion ab, bis ich begriff, dass dies nichts mit dem Mopped zu tun hatte. Mittlerweile hämmerte mir ein Sound mit 160 beats per minutes ins Ohr. Weitere Versuche, das Gebrülle abzustellen, scheiterten. Irgendwann gelang es mir dann doch. Das Adrenalin in meinem Körper sorgte aber für einen ziemlich erhöhten Puls. Meine Fresse....jedenfalls war ich jetzt wach. Und nun wusste ich auch, dass ich mit Drücken irgendeiner Tastenkombination meinen Musikplayer im Garmin zum Laufen bringen konnte. ;-)

Gegen 13.00 Uhr erreichten wir Freiburg. Deutschland hatte uns wieder und wir konnten nun wieder ganz entspannt Autobahn fahren. Wir gaben ins Navi ein: Grube an der Ostsee und das Navi spuckte 900km aus. Ok, also schauen wir mal, wie weit wir heute kommen. Um 13.30 Uhr setzten wir uns in Bewegung.

R 1200 GS Adventure Fahrer unter sich

Irgendwo bei Karlsruhe fuhren wir gemütlich mit 150 Km/h, als uns etwas schneller ein anderer GS ADV-Fahrer überholte. Ich zögerte nicht lange, da mir eh schon wieder die Augen zufielen und schloss mich einfach an den nun vor uns fahrenden GS-Fahrer an. Zwar  lag das Tempo jetzt so bei 180 Km/h, aber ich war wieder wach und es machte Spaß mit 3 Dickschiffen über die Autobahn zu fliegen. Auch Axel spielte mit und klemmte sich sofort an mein Heck. Es dauerte ungefähr 5 Minuten, bis der andere GS-Fahrer begriffen hatte, dass wir uns einfach anschließen wollten, aber dann gaben wir eine richtig geile Gruppe ab, jedenfalls von der Optik. Schade, dass ich kein Bild davon habe, aber ich hatte in Freiburg die Kameras abgebaut, da mir dies auf der Autobahn zu "windig" war.

Es machte echten Spaß, einige Autofahrer begriffen gar nicht, was sie denn da überholte, denn wir waren wie eine Einheit, obwohl wir vorher noch nie zusammen gefahren waren. Einfach toll...
Ich weiß nicht, wie viele Kilometer wir zusammen gefahren sind... es müssen aber weit über Hundert gewesen sein! Bei Frankfurt klinkte sich der GS-Fahrer dann aus und wir zogen wild winkend, genau wie er, an ihm vorbei. Jo, das hatte Spaß gemacht.

Leider fing es kurz nach Frankfurt an zu regnen. Kein kräftiger Regen, sondern eher so ein Pieselregen, und es wurde kälter. Irgendwo zwischen Frankfurt und Kassel fuhren wir einen Rasthof an und wechselten erst einmal T-Shirt gegen Fleecepulli und wasserdichte Goretexhandschuhe.

Nach einem kleinen Kaffee, den ich der Bedienung beinahe ins Gesicht geschüttet hätte, weil sie mir erklärte, dass der Preis in Höhe von 3,75 € völlig gerechtfertigt sei, fuhren wir weiter... und es regnete und regnete.

Irgendwann hilft auch kein Goretex mehr

Bei Hannover gingen dann so richtig die Schleusen auf, da half dann auch kein Goretex mehr. Langsam merkten wir, wie sich die Nässe ihren Weg auf den Körper bahnte. Hinter Hamburg steigerte sich der Regen noch einmal in eine Sintflut und gegen 22.30 Uhr erreichten wir pitschenass unser Domizil an der Ostsee. Wir mussten den illegalen Weg über Dahme nehmen, da wir uns dort an der Schranke vorbeimogeln konnten, denn die Hauptzufahrt war bereits um 22.00 Uhr geschlossen. Es hörte sich gewaltig an, wenn 2 Moppeds bei Totenstille über den Platz pötterten. Aber das war uns egal. Wir froren, waren erschöpft und freuten uns, dass wir die 900 KM ab Freiburg noch einigermaßen "im Hellen" geschafft hatten.

Beim Absteigen vom Mopped bin ich dann runtergefallen...einfach so, und lag mit einem großen Fragezeichen auf der Stirn auf dem Rasen. Meine Beine sind mir einfach wie Streichhölzer weggeknickt. Zum Glück hatte ich aber schon den Seitenständer raus, so dass wenigstens die Maschine stehen blieb. Axel kriegte sich vor Lachen kaum ein.... Zuerst fand ich es alles andere als witzig, wenn man wie ein Käfer auf dem Rücken liegt, aber dann musste auch ich schmunzeln.

Dann hieß es nur noch Klamotten runter, in eine warme Decke kuscheln, Heizung an und die heute gefahrenen 1214km und die letzten schöne Tage bei einem heißen Grog noch einmal Revue passieren lassen.

 


13.30 Uhr in Freiburg


16.30 Uhr zwischen Frankfurt und Kassel

 


Fahrtdaten Rückfahrt


 

 


Übersicht gesamte Route

 

 
Bourg bis Ostsee                                 Gesamtroute


Aufkleber unserer Route des Grandes Alpes

 

Der Weg ist das Ziel

Und wer jetzt fragt, warum wir uns das alles antun? Antwort: Für uns sind es keine Strapazen. Für uns ist der Weg das Ziel... egal, wie weit er ist.

Mit der Route des Grandes Alpes haben wir uns einen weiteren Traum erfüllt. Mal sehen, welcher Traum vielleicht im nächsten Jahr in Erfüllung geht. Axel liebäugelt bereits mit Kroatien...oder wird es doch die Umrundung des Schwarzen Meeres? Schaun mer mal...

 

Bine

 

Hier gibt es einen kleinen Zusammenschnitt von der "Route des Grandes Alpes"

 

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