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Motorradtouren & Reiseberichte

 

 

 

Mit dem Motorrad nach Kaliningrad und durch das Baltikum

Stichworte: Reisebericht über die Motorradtour nach Kaliningrad und durch das Baltikum | Estland, Lettland, Litauen |

7. Juli  -  20. Juli 2011



Die schrillen Vier auf Achse - Bine, Folker, Micha, Axel auf einer Gierseilfähre
 

Animation der gefahrenen Route:
 

 
Tagebuch

Donnerstag, 07. Juli 2011
 

Über Nacht nach Klaipeda

Nachdem, wie im Vorbericht bereits beschrieben, doch noch die Grenzbescheinigungen eingegangen waren, machten wir uns am Donnerstag auf den Weg, das Kaliningrader Gebiet und das Baltikum zu erobern. Nachdem das Gepäck verstaut, die Packsäcke verzurrt und die Navis gefüttert wurden, ging es um 14.00 Uhr zusammen mit Micha zuerst nach Neumünster. Hier sammelten wir Folker auf, tranken noch einen Kaffee und fuhren schließlich weiter nach Kiel zum Ostuferhafen zur Fähre "Lisco Maxima", die uns nach Klaipeda in Litauen bringen sollte.

Das Einchecken ging relativ schnell. Doch dann dauerte es noch eine ganze Weile, bis wir endlich an Bord durften. Und dann wurde es spannend. Die einzelnen Parkdecks waren durch mittig eingebaute Rampen miteinander verbunden. Das bedeutete also auf ziemlich engem Raum und einem rutschigen Gefälle aus Stahl immer weiter hinunter ins nächste Parkdeck. Ein vor uns fahrender Suzuki-Fahrer aus Litauen hatte scheinbar das glatte Metall unterschätzt und bei der Abfahrt zu sehr die Vorderbremse gezogen. Mit blockiertem Vorderrad und mit aufheulendem Motor legte er sich unsanft und scheppernd auf die Seite. Zum Glück ist dem jungen Mann nichts passiert, das Mopped sah aber nicht mehr ganz so gut aus. Dann erreichten wir das unterste Parkdeck und durften uns in die hinterste Ecke stellen. Außer Folkers beiläufiger Bemerkung, dass wir uns ca. 8 Meter unter der Wasseroberfläche befanden und das Vorgängerschiff bei einem Brand im Oktober 2010 vor Fehmarn Totalschaden erlitt, machte mir auch die Luft hier unten mächtig zu schaffen. Wir hatten hier bestimmt 35° und nun kamen auch noch die Abgase der nach uns kommenden Autos hinzu. Das Verzurren der 4 Moppeds dauerte eine Weile und wurde von der Schiffscrew übernommen. Klar, dass wir solange daneben stehen blieben bis sichergestellt war, dass die Bikes fest standen und dass auch nichts beschädigt wurde.

 


Einchecken in Kiel
 


Verzurren der Moppeds
 

Nun suchten wir erst einmal den Aufgang und die Rezeption. Mit gefühlten 30 KG Gepäck, Helm und Tankrucksack quälten wir uns im engen Treppenaufgang von einem Deck zum nächsten. Und endlich, im 5. Deck wurden wir fündig. Nach Luft schnappend und keuchend erreichten wir, oder besser gesagt ich, unsere 4-Bett-Innenkabine auf dem 6. Deck. Schlüsselkarte in den Slot, Tür auf, Licht an und....Schock. Oha, wirkte ja doch ziemlich eng. Beim Betreten von 4 ausgewachsenen Menschen samt Gepäck stellte sich dann heraus, dass dies nicht nur so wirkte, sondern auch war. Meine Fresse, was für ein Gedränge. Micha ergriff gleich die Flucht und stellte nur schnell sein Gepäck ab. Dann machte auch Folker die Biege und überließ Axel und mir erst einmal die Kabine fürs häusliche Einrichten. Nachdem wir uns erst einmal frisch gemacht und umgezogen hatten und das meiste Gepäck unter die Betten geschoben hatten, konnte man jedenfalls den Teppichboden wieder sehen. Jetzt hatten wir Durst und freuten uns auf ein schönes kühles Bierchen.

 


4-Bett-Innenkabine
 


jetzt erst einmal ein schönes kühles Blondes
 

Vor uns lagen nun 21 Stunden Fahrtzeit. Also inspizierten wir erst einmal ausgiebig das Schiff. Zu den unteren Decks kamen wir nun nicht mehr. Das waren ausschließlich Parkdecks und durften nicht mehr betreten werden. Auf Deck 6 und 7 waren Kabinen und Deck 8 beinhaltete das Sonnendeck. Um 20.00 Uhr legte das Schiff ab. Danach stärkten wir uns erst einmal mit einem leckeren Abendbrot (Fisch, Fleisch und einige nicht definierbare Spezialitäten) und ließen den Abend locker in einer der Bars ausklingen, bevor wir uns mit genauem Ablaufplan dem Entern unserer Kabine zuwendeten.

   


nachdenkliche Gesichter beim Ablegen
 


Die Route der "Lisco Maxima"
 

Freitag, 08. Juli 2011

 
   

Obwohl ich mich erst an die 3 auf Turbo laufenden Sägewerke in der Kabine und das Brummen der Schiffsmotoren gewöhnen musste, hatte ich wider Erwarten ganz gut geschlafen. Wir wurden freundlich um 8.00 Uhr durch eine nette Begrüßung in 3 Sprachen durch den Lautsprecher geweckt. Das Frühstück stünde nun bereit und würde auf uns warten. Klasse...wir hatten alle mächtig Hunger.

Nach dem Frühstück dann vertrödelten wir uns die Zeit so gut es ging. Mal lungerten wir auf dem Sonnendeck rum, mal an der Essentheke. Dann gab es noch ein Käffchen, dann eine Runde Schlaf. Das Roadbook musste studiert werden und wir staunten über die vielen LKWs, die dicht an dicht mit manchmal weniger als 20 cm Abstand nebeneinander standen.

Während der Fahrt fuhren wir in eine andere Zeitzone und mussten unsere Uhren um 1 Stunde vorstellen. Als wir Klaipeda dann gegen 18.00 Uhr Lokalzeit erreichten, war es in Deutschland erst 17.00 Uhr. Um 18.30 Uhr durften wir dann zu unseren Moppeds und warteten nun darauf, dass sich die 3 Decks über uns leerten, so dass wir nun endlich aus dem Bauch des Schiffes fahren konnten. Auch das war kein leichter Akt. Teilweise standen seitlich immer noch etliche LKWs, so dass der Radius zum Auffahren auf die Rampe ziemlich eng war. Hinzu kamen die halbrunden Bodenhaken für die Gurte, die sich auf jedem Deck massenweise über den Boden ergossen. Ich war ziemlich froh, als wir 4 endlich wieder festen Boden unter den Rädern hatten. Unsere erste Etappe war geschafft...wir waren in Litauen.

Zu erwähnen wäre noch der nicht vorhandene Gullideckel, von dem ich leider kein Bild habe. Man stelle sich also einen Gullischacht vor, dem der Deckel fehlt. Man drapiert dort hinein einen kleinen Baum und schmückt diesen mit rot-weißem Flatterband....fertig ist der Hinweis auf den fehlenden Gullideckel. ;-)
 


in hinteren Teil des Sonnendecks war es etwas windstiller
 


Studieren des Roadbooks
 


Gewusel im Hafen von Klaipeda
 


Herzlich Willkommen
 

Mittlerweile war es schon 19.20 Uhr und wir wollten heute noch unbedingt Nidden (oder Nida) auf der Kurischen Nehrung erreichen. Also mussten wir uns etwas sputen. Die Suche nach einer Wechselstube hielt uns noch eine Weile auf. Dann aber konnte es weitergehen und wir landeten auf der Fähre, die uns zur Nehrung übersetzen sollte. Es war jetzt schon nach 20.00 Uhr, aber immer noch warm und die Sonne schien. Klasse, so hatten wir uns das vorgestellt.
 


Fähre zur Kurischen Nehrung
 


Übersicht Kurische Nehrung
 

Nachdem wir die Mautgebühr bezahlt hatten, führte uns die weitere Strecke im Grunde genommen ausschließlich durch Wald. Ich hatte gehofft, dass man während der Fahrt links und rechts die Ostsee sehen konnte, doch leider hatte ich mich da getäuscht. Hohe Bäume verhinderten die Sicht und ich ärgerte mich ein wenig. 50 Kilometer wie durch eine in einen Wald geschlagene Schneise zu fahren, war jetzt nicht sooo toll. Und die Straßen ließen auch zu wünschen übrig.

Wir basteln uns ein Brot...

Um 21.00 Uhr erreichten wir den Campingplatz in Nidden. Wir schlugen unser Lager auf und freuten uns auf ein schönes Abendessen im direkt angrenzenden Restaurant. Es war 2 Minuten nach 22.00 Uhr als wir unsere Bestellung aufgeben wollten und ein Kopfschütteln ernteten, da die Küche nur bis 22.00 Uhr geöffnet war. "Ach Du schei...", war mein erster Gedanke. Ich wusste, wozu hungrige Männer fähig sind, und nicht selten sind schon früher dadurch Kriege entstanden. Axels Blick sagte mir jedenfalls wieder alles, als er sich langsam aber doch bestimmend der jungen Bedienung näherte. Irgendwie muss sie wohl seinen heißen Atem bereits auf einem Meter Entfernung im Nacken gespürt haben, denn schlagartig verzog sie sich ins Innere des Restaurants. Da ein hungriger Axel keine Ausrede zulässt, verfolgte ich von draußen die weitere Debatte zwischen Bedienung, Wirt und Axel. Nachdem aber auch die Frage von Axel "Do you have wenigstens some cold Frikadellen" verneint wurde, gab sich Axel geschlagen. Jetzt half nur noch das Notprogramm aus der Verpflegungstasche. In Windeseile waren Bretter, Bestecke, Brot und Bifi aus unserer Tasche auf den Tisch gezaubert und wir begannen wie in Norwegen mit der Aufgabe "Wir basteln uns ein Brot".
 


die flächendeckende Bifi-Lösung (für Experten)
 


die spartanische Lösung (für Anfänger)
 

Jedenfalls war jetzt erst einmal die Situation gerettet und die Männer entspannt. Nachdem es für alle dann noch ein Bierchen gab, war alles gut. Um 23.00 Uhr schloss das Restaurant dann aber gänzlich und wir verlegten unsere Party vor unsere Zelte. Im weiteren Verlauf konnte ich beobachten, was Männer alles anstellen, um ein Lagerfeuer zum Brennen zu bringen. Pusten, Hölzchen sammeln, 54%igen Rum als Brandbeschleuniger benutzen und vieles mehr. Was ich nun aber auch weiß, ist, dass Tannenzapfen schlecht brennen und die Klamotten hinterher fürchterlich stinken. Wie dem auch sei...wir hatten ohne Ende Spaß, der um 1.57 Uhr allerdings von einer genervten, aber dennoch freundlichen Urlauberin ein Ende fand. Allerdings war das nicht unser letzter Einlauf... ;-)
 


Micha gibt sein Bestes, Axel steuert Klopapier bei...
 


Na bitte, geht doch....
 

Samstag, 09. Juli 2011

 
   

Au weia....8.00 Uhr und irgendwie befand sich mein Kopf und mein Körper noch nicht im Einklang. Egal, also Aufstehen, Frühstücken, Klamottenpacken. The same procedure as every morning...

Eckaaad, die Russen kommen....

Anschließend fuhren wir noch einmal in die Stadt, um unsere nun fast leere (Not-)Verpflegungstasche aufzufüllen. Nach dem Einkauf ging es nun weiter zur russischen Grenze. Wir lagen gut in der Zeit und hofften, dass wir dort nicht allzu lange aufgehalten wurden. An der ersten Schranke mussten wir warten....warum, weiß ich allerdings nicht. Vor uns war niemand und es gab aus meiner Sicht keinen Grund für den Halt. Nun denn, also erst einmal Motor ausschalten und warten, und warten, und warten. Dann ging die Schranke hoch und wir durften bis zum nächsten Halt weiterfahren. Jetzt befanden wir uns vor einem Kabuff, in dem jemand saß, der wortlos von uns nacheinander irgendwelche Dokumente haben wollte. Da keiner von uns wusste, was genau benötigt wurde, reichte jeder von uns das ganze Pamphlet durchs Fenster, inkl. Einladung, Grenzbescheinigung, Reisepass etc.. Wir sahen nichts, hörten aber hin und wieder irgendwelches Abstempeln von Papieren. Nach ca. 15 Minuten bekam der erste seine Papiere zurück, zusammen mit einem Immigrationszettel. Dann kam der nächste von uns dran....

Nachdem wir alle unsere Papiere zurück hatten, ging es zum nächsten Häuschen. Hier mussten wir nun eine Zollerklärung in doppelter Ausführung ausfüllen, damit wir unser Fahrzeug bei der Ausreise auch wieder zollfrei ausführen konnten. Aha, alles klar. Also, her mit dem Zettel (der zum Glück in deutsch war) und schnell ausgefüllt. Beim Abgeben an den russischen Beamten hörte ich dann russische Worte, die genervt und nicht gerade freundlich klangen. Dann schob er mir den Zettel wieder zurück, dieses Mal aber gespickt mit Kreuzen und durchgestrichenen Einträgen und Pfeilen...Ups. Scheinbar hatte ich wohl irgendwas falsch ausgefüllt. Und für den zweiten Versuch bekam ich nun noch einmal einen Satz neuer Zettel, dieses Mal in russisch. Axel, Micha und Folker erging es nicht anders. Letztendlich suchten wir auf unseren Zetteln nach gemeinsamen Nennern, die wir auch fanden und nun erneut unsere Zettel ausfüllten. Und wieder folgte das hoffnungsvolle Durchreichen der Formulare und wieder kam ein paar Minuten später der Zettel erneut durch den Wurfschlitz zurück. Dieses Mal hatten wir als einzigen Fehler noch das Datum verkehrt angegeben. Wir hatten 09.07.2011 geschrieben anstatt 09. Juli 2011. Ok...also alles noch mal neu. Nach über 2 Stunden passte dann aber alles, wir bekamen jeder die Zollerklärung und durften nun die Grenze nach Russland passieren. Puh...was für ein Akt.
 


endlich alle Papiere zusammen und freie Fahrt
 


welcome to Russia
 

Meine Gefühle waren gemischt. Einerseits freute ich mich, endlich einmal das Dorf, in dem mein Vater 1922 geboren wurde, besuchen zu können, andererseits war ich nach der 2-stündigen Prozedur bereits satt. Wie dem auch sei... zunächst freuten wir uns erst einmal auf den Rest der Kurischen Nehrung und auf Kaliningrad. Die Straßen ab der Grenze waren die Härte. Wenn ich vorher von "Straßen, die zu wünschen übrig ließen" sprach, tat sich hier teilweise das pure Grauen auf.
 


nahtlos von Asphalt zum Schotter
 


immer noch auf der 'mautpflichtigen' Kurischen Nehrung
 

Kurz vor Kaliningrad änderte sich glücklicherweise die Situation. Wir erreichten die Stadt nach einer kleinen Pause und neu gebauter Umgehungsstraße gegen 15.30 Uhr. Der Verkehr in der Stadt war unglaublich. Es schienen keine Regeln oder sonstige "stille Abkommen" zu geben. Jeder fuhr, wie er wollte. Die Straßenbahn hielt mitten auf einer 4-spurigen Straßen und spuckte ihre Fahrgäste aus, ohne Haltestelle. Ein kleines Stückchen weiter legte ein einsamer Fußgänger, der einen Zebrastreifen überquerte und weder nach links noch nach rechts schaute, eine 6-spurige Straße in der City lahm. Wir wuselten durch Kaliningrad und versuchten, uns nicht zu verlieren oder irgendjemanden zu überfahren. Auf einem Parkplatz machten wir schließlich Halt und schossen ein paar Fotos vom Marktplatz.
 


Mitten auf der Straße "entleert" sich die Straßenbahn
 


Foto auf dem Marktplatz
 


ups...
 


...und noch mehr Löcher...
 

Obwohl wir gerne noch den Königsberger Dom gesehen hätten, entschlossen wir uns so schnell wie es ging, 'Chaos-City' zu verlassen, weil wir auch schon deutlich hinter unserem Zeitplan lagen. Wir hatten noch ca. 100 KM bis Sovetsk, unserem nächsten Stopp. Also, direkte Route nach Sovetsk ins Navi eingegeben, und los.

4 Motorräder, gelangweilte Kühe und Störche

Nachdem wir Kaliningrad verlassen hatten, ließ auch der Verkehr spürbar nach, bzw. hörte fast ganz auf. Wir fuhren kilometerlang durch schönste Gegenden, ohne dass uns irgendjemand entgegenkam. In den kleinen Dörfern, die wir durchfuhren, saßen alte Leute am Wegesrand und unterhielten sich. Und es schien sie nicht ansatzweise zu interessieren, dass wir mit 4 Motorrädern vorbeifuhren. Sie schauten nicht einmal hoch. Auch eine Herde Kühe, die die Straße blockierte, schien wenig beeindruckt von uns. Nur ein paar wenige Störche schauten neugierig zu uns herab. War alles irgendwie seltsam, aber doch idyllisch.
 


ein Herde Kühe blockierte die Straße
 


neugierige Störche
 

Kurz vor Sovetsk mussten wir tanken...und waren ziemlich erfreut über den Spritpreis. 40 Rubel, also umgerechnet ca. 70 Cent kostete hier der Liter Sprit. Da machte das Tanken doch wieder Spaß. Um kurz vor 18.00 Uhr erreichten wir dann unser Hotel in Sovetsk und waren angenehm vom Äußeren überrascht. Beim Einchecken empfing man uns sogar in englischer Sprache. Beim Abstellen der Moppeds auf dem bewachten Hinterhof sah man dann allerdings, dass das Hotel scheinbar irgendwann nur einen Schönheitsanstrich bekommen hatte.

Kutte und Kaviar

Jetzt schnell duschen und einen Happen essen. Und mit dem Betreten des Restaurants befanden wir uns auch sogleich auf einer russischen Hochzeitsfeier. Es gab lediglich im vorderen Bereich des Restaurants noch 3 Tische, an denen gespeist werden konnte. Zudem war es höllisch laut und die Wodkagläser flogen tief, aber das war uns egal. Hauptsache, erst einmal was essen. Die Preise der Speisen waren sensationell und wir gönnten uns das volle Programm. Da gab es als Vorspeise Kaviar und Hirtensalat, als Hauptgericht Lachs an Krabbenschaum oder ein mächtiges Rumpsteak. Kein Gericht kostete über 10,- €. Sagenhaft...und dazu schmeckte es auch noch.
 


vorne hui...
 


hinten pfui...
 


Micha mit Kutte u. Kaviar


hübsche Braut


da nahte schon die nächste Braut
 

Nach dem Essen machten wir noch einen kleinen Zug durch die Stadt. Die Innenstadt war für Autos gesperrt, dafür waren aber jede Menge junger Leute unterwegs. Aus vielen Bars und Restaurants dröhnte laute Musik. Je später es wurde, desto mehr Leute tummelten sich auf den Straßen. Und obwohl es Samstag war, hatten hier die Geschäfte bis Mitternacht geöffnet. Wir deckten uns noch ein wenig mit Erdnüssen, Gurken, Käse und Salami (die Notration) ein und zogen wieder langsam Richtung Hotel. Unser erster Tag in Russland war für uns alle schon ziemlich spannend und aufregend gewesen. Dass dies noch steigerungsfähig war, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, als wir müde und wohlig erschöpft ins Bett fielen.
 


Heute gefahren


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Sonntag, 10. Juli 2011

 
 

Endlich...Dies war der Tag, an dem ich zu den Wurzeln meines Vater zurückkehren durfte. Nach dem Frühstück fuhren wir direkt in den Kreis Krasnosnamensk, um das Dorf Klischen (Livny) zu suchen, in dem mein Vater 1922 geboren wurde. Dank moderner Technologien wie Internet, GPS etc. konnten wir ziemlich genau lokalisieren, wo wir nun hinfahren mussten. Dass der Weg zum Dorf aus Sand bestand, hatten wir vorher bereits im Internet recherchieren können. Zum Glück war es brüllend heiß und kein Regen weit und breit in Sicht. Die Straße müsste also trocken sein.

Der 5-Kilometer-Grenzstreifen zu Litauen

Laut Karte mussten wir in Pobedino links abbiegen. Dieses Dorf war der letzte bewohnte Fleck bis zur litauischen Grenze und lag in dem 5-Kilometer-Grenzstreifen, für den man beim Betreten eine Art Genehmigung besitzen musste, die wir alle zum Glück noch vor der Abreise erhalten hatten und somit völlig entspannt waren (siehe Vorbericht). Und dann lag sie vor uns, die Zielgerade zum Dorf Klischen. Mein Navi zeigte nichts an, mir fehlten hier die Feindaten. Nur den Waypoint "Klischen" konnte ich sehen, den Axel aufgrund der gefundenen Koordinaten eingegeben hatte. Die Luftlinie zeigte Nordwest in ca. 2 KM Entfernung an. Ich war total aufgeregt. Prima. Na, dann mal los.

Trotz einiger Tiefsandpassagen und Kuhlen ließ es sich relativ gut fahren. Selbst Micha mit seiner MZ hatte keine Probleme und meisterte die Endurostrecke prima. Irgendwann wurde es holpriger, es wurde enger, es wurde schlammiger, und dann gabelte sich der Weg auch noch. Jetzt stellte sich uns die Frage "weiter oder umdrehen". Mein Navi zeigte immer noch 1 KM Entfernung an. Ich hatte leicht gemischte Gefühle, Micha meinte jedoch, dass wir jetzt nicht aufgeben sollten und noch ein paar Kilometer fahren sollten. Alles klar, also weiter.
 


Das letzte Haus in Pobedino - das Abenteuer beginnt
 


weiterfahren oder umdrehen?
 

Soweit die Räder rollen...

Hinter der nächsten Kurve holte uns dann die Realität ein. Aus dem Sandweg wurde eine Schlamm-, Matsch- und Berg- und Talbahn. Wasserlachen in ausgewaschenen Fahrspuren entpuppten sich schon fast als Furten. Und als Folker vor mir durch so eine Pfütze fuhr, der Dreck hochspritzte und er dabei fast noch ins Straucheln kam, beschloss ich, nicht mehr weiter zu fahren. Micha hatte die kommende Pfütze noch durchfahren, Axel die übernächste auch noch. Aber dann ging wirklich nichts mehr. Jetzt stand das Wasser ca. einen halben Meter hoch in den Senken, und matschige Kanten und Ränder machten selbst das Gehen fast unmöglich. Die 4 Moppeds standen nun jeweils eine Pfütze voneinander entfernt. Wir mussten hier irgendwie wieder raus. Aber wie? Umdrehen war alleine unmöglich. Also, jetzt mussten wir uns wirklich erst einmal einen Plan machen. Beim Abnehmen der Helme torpedierten uns ausgehungerte Bremsen und Moskitos, so dass ich lieber den Helm aufbehielt und das Visier wieder runterklappte. Das funktionierte aber auch nicht, denn die Sonne brannte und die Luft flirrte und mein Schädel kochte, also musste wenigstens das Visier wieder hoch.
 


Folker und Micha
 


Ab hier ging nichts mehr...
 


Jetzt erst mal einen Plan machen
 


Puh, Glück gehabt. Das Wendemanöver hat geklappt
 

Mit vereinten Kräften im Vor-Zurück-Wipptechnik-Verfahren und gleichzeitigem Mücken-Platthauen gelang es uns dann mühsam, die Moppeds zu wenden. Jetzt mussten Axel und Micha noch durch die Schlammlöcher zurück. Während Axel vorsichtig mittendurch eierte und sich zur Stabilisierung mit den Füßen auf den Kanten der Wasserpfützen abstützte, musste Micha mit Anlauf durch das Wasser, da sonst sein wesentlich tiefer aufgehängter Motor abgesoffen wäre. Bei diesem Manöver hatte Micha aber leider nicht genug Schwung und machte sich beim Durchqueren lang. Zum Glück ist Micha nichts weiter passiert. Beim Mopped ging allerdings das Blinkerglas zu Bruch, aber auch da kann man von Glück reden, dass nicht mehr passiert ist.

Ich will nach Hause...

Irgendwann hatten wir dann auch Folkers und meine Maschine gedreht und wir fuhren wieder zurück in Richtung Pobedino. Und da warteten sie dann schon, die Grenzsoldaten. Sie hatten die Hauptstraße bereits gesperrt und warteten nun gelassen auf uns. Da wir ja nichts zu befürchten hatten, machten wir vorher noch bei ein paar Jugendlichen Halt und versuchten heraus zu bekommen, ob es noch einen anderen Weg nach Klischen geben würde. Da keiner irgendwas verstand, versuchten wir uns anhand von Karten und Gesten verständlich zu machen. Ich hatte eine alte Landkarte von früher, in der das Dorf Klischen noch eingezeichnet war. Die Jugendlichen studierten die Karte und beratschlagten sich, wir genauso. Das dauerte den Grenzsoldaten wohl zu lange, denn plötzlich setzte sich deren Jeep in Bewegung und hielt direkt vor uns. Dann standen zwei Soldaten vor uns, einer mit gesenkter Waffe und sabbelten irgendwas. Obwohl wir nichts verstanden, übergaben wir ihnen erst einmal leicht angespannt unsere Reisepässe und Grenzbescheinigungen. Als der eine Soldat sein Handy zückte und erst einmal mindestens 3 verschiedene Leute angerufen hatte, ahnte ich, dass etwas nicht stimmen würde. Als wir dann nachfolgend mit wilden Gesten aufgefordert wurden, dem Jeep zu folgen, bestätigte sich mein Verdacht, und als sich dann hinter uns im Grenzposten das 5 Meter hohe und mit S-Draht gesicherte Eisentor schloss, setzte, jedenfalls bei mir, leichte Panik ein.
 


Grenzsoldat bei unserer "Verhaftung"
 


Axel ist "noch" entspannt"
 

Und ich sach noch, da stimmt was nicht...

Dann wurden wir in eine Art Wartezimmer geführt und bekamen erstaunlicherweise ziemlich schnell Kaffee, Tee und ein paar Schokoriegel. Aha, es würde also etwas länger dauern. Mir war weder nach Essen, noch nach Kaffee zumute. Und als sie Axel dann zum Verhör abholten, verlor ich leicht die Nerven. Folker und Micha sahen das alles nicht so ernst, ich hingegen schon. Gedanklich sah ich uns schon in irgendeiner Zelle vermodern.

Nach einer Ewigkeit brachten sie Axel dann endlich zurück. Ich suchte sofort äußerlich nach Misshandlungen, fand aber keine. Axel erzählte dann, dass der eine Grenzsoldat seinen Freund in Hannover per Handy angerufen hatte und sie sich so verständigen konnten, was wir wollten und was verkehrt gelaufen war. Der Typ in Hannover erklärte Axel, dass wir die falschen Grenzbescheinigungen mit uns führten und diese nicht für den Kreis Krasnosnamensk galten. Wir waren also offiziell Grenzverletzer. Na, toll. Weiterhin erklärte der Hannoveraner, dass wir deshalb mit einer schriftlichen Verwarnung ohne Bußgeld belegt werden würden. Suuuper!!!! Falls wir hier lebend rauskommen sollten, ist auf jeden Fall ein Einzelgespräch mit der Dame vom Reisebüro fällig...von wegen Klischen gehört zum Kreis Dobrovolsk (s. Vorbericht).

Waschmaschine oder Freiheit?

Als ich dann dachte, das wär´s nun gewesen und wir können endlich weiter, teilte man uns mit, dass unsere Ausweise nun erst einmal fortgebracht wurden und irgendein Oberst, Major, General oder was auch immer sich auf dem Weg hierher befand. Und wieder war Warten angesagt. Als das Blauhemd dann eintraf, wurde dieses Mal Micha zum Verhör gebeten. Nach etwa 1 Stunde kam dann Micha wieder zurück und sagte trocken. "Einfach sagen, dass wir den Grenzgebietshinweis nicht gesehen hatten...." Brgl? Und dann wurde ich auch schon rausgerufen und in das Verhörzimmer gebracht. Vor mir saß ein mürrischer Offizier, der in riesigen Stapeln von Formularen kramte. Hinter ihm stand eine junge Grenzsoldatin, die schätzungsweise gerade 200 Kopien von unseren Reisepässen, Grenzbescheinigungen und Immigrationskarten gemacht hatte. Außerdem saß dort auch eine freundlich dreinschauende Frau mit Kittelschürze, weißen Söckchen und lächelte mir zu. Dann sprach sie mich auf deutsch an und fragte nach meinem Namen, Familienstand, meine Schulausbildung und den Ort, in dem ich die Schulausbildung gemacht hatte (???). Wozu das nun wichtig war....keine Ahnung. Und dann fragte sie mich, ob ich den gleichen Grund für die Grenzverletzung angeben möchte wie Micha, und ich nickte heftig und war gleichzeitig etwas erleichtert. Das Blauhemd überreichte mir 6 Blanko-Zettel, die lediglich meine eben gemachten Angaben beinhalteten und ich sollte nun dort, wo ein Kreuz war, unterschreiben. Ich unterschrieb wie blöde und es war mir zu diesem Zeitpunkt egal, ob ich nun eine Waschmaschine gekauft hatte oder nicht. Bloß schnell weg hier...

Bei mir dauerte das alles zusammen vielleicht nur noch 15 Minuten, so wie bei Axel und Folker dann auch. Wir bekamen unsere Pässe zurück und die Auflage, auf direktem Weg zurück nach Sovetsk und dort über die Grenze nach Litauen zu fahren. Dann kam die deutsch sprechende Frau noch einmal zu mir und bestätigte auf Axels Nachfrage hin, dass es das Dorf Livny seit Jahren nicht mehr geben und an die ehemalige Stelle auch kein Weg führen würde. Schade, aber immerhin war ich ganz dicht dran gewesen...

MZ...gut Freund 

Mittlerweile hatte Micha draußen mit einigen Soldaten aufgrund seiner MZ scheinbar Freundschaften geschlossen. Tztztz...ich schwitzte hier Blut und Wasser und Micha führte Benzingespräche...jedenfalls mit Händen und Füßen. ;-)

Sogar ein Abschlussfoto bekam Micha. Allerdings mit der Bitte "please not in Internet...", gepaart mit der typischen Handbewegung fürs Hängen. Freundliches Gelächter auf beiden Seiten. Ich machte 100 Kreuze, als sich das Tor öffnete, wir wieder nach draußen und weiter Richtung Sovetsk fahren durften.
 


ein letztes Foto
 


Endlich wieder in Freiheit
 

Als wir Sovetsk erreichten, meldete sich unser Magen und wir beschlossen bei einem leckeren Essen im Restaurant des Hotels, in dem wir übernachtet hatten, noch einmal alles Revue passieren zu lassen. Wir begutachteten unsere dreckige Maschinen und reparierten provisorisch mit Plastiktüte und Kabelbinder Michas Blinker. Eigentlich waren die russischen Soldaten relativ nett...trotzdem ging mir die Muffe 1 : 1000. Russland wird mich so schnell nicht wiedersehen. Aber evtl. hat sich das ja eh erledigt, falls wir in die Liste der "unerwünschten Personen" eingetragen worden sind. ;-)

Bei der anschließenden Ausreise und Einreise nach Litauen legten wir 4 noch einmal den Grenzübergang für über eine Stunde lahm. Nach uns wartende Autofahrer stiegen schon genervt aus ihren Autos, um zu sehen, warum das da vorne so lange dauerte. Wir wurden nacheinander genauestens geprüft, die Bilder in den Pässen mit unseren echten Gesichtern minutenlang verglichen. Da der Blickwinkel aus dem Kabuff heraus wohl nicht für Menschen über 1,80m gedacht war, mussten wir leicht in die Knie gehen. Bei 30° und gebeugter Haltung ein schweißtreibendes Unterfangen. Dann bekamen wir endlich unsere Stempel und Ausweise zurück und durften nun einzeln zur litauischen Grenze weiterfahren. Auch hier mussten wir noch einmal die Pässe zeigen und durften dann passieren. Geschafft....die EU hatte uns wieder und Erleichterung machte sich in mir breit.
 


eingesaute Maschinen
 


Micha und Folker völlig entspannt
 


Grenze Russland - Litauen
 


zurück in Litauen
 

Um 18.30 Uhr ging es dann wieder zurück nach Klaipeda. Axel hatte im Vorwege ein Youth Hostel rausgesucht, wo unsere heutige Reise eigentlich enden sollte. Leider war das Hostel aber komplett ausgebucht. Die Herbergsmutter empfahl uns ein Hotel oder einen Campingplatz. Kurze Abstimmung: 3 zu 1 für den Campingplatz. Nach etwa 5 Kilometer erreichten wir den Platz, der allerdings kein Restaurant oder Einkaufsshop hatte. Während wir schon einmal unsere Zelte aufbauten, besorgte uns Axel noch ein paar Getränke. Da unsere Provianttasche noch mit leckeren Sachen wie Bifi, Scheibletten und Gurke gefüllt war, ließen wir den Abend nach der ganzen Aufregung mit ausgiebigen Gesprächen über das Erlebte und selbstgebasteltem Brot ausklingen. Dabei vergaßen wir die Zeit und bekamen hier dann unseren zweiten Einlauf, da sich Urlauber ein wenig durch unsere Unterhaltung gestört fühlten. Ok, also machten wir für heute Schluss. Dass die ganze Nacht alle halbe Stunde ein Güterzug pfeifend am Campingplatz vorbeidonnerte, schien außer uns aber sonst keinen zu stören.
 


gemütlicher Campingplatz im Wald
 


angeregte Gespräche und lecker gebasteltes Brot
 


heute gefahren
 


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Montag, 11. Juli 2011

 
 

Ännchen von Tharau, Palanga und Ventas Rumbas Wasserfälle

Nachdem ca. 12 Züge heute Nacht mitten durch unser Zelt gefahren waren, packten wir nach dem Frühstück ein und waren um 10.00 Uhr startklar. Als Kultur-Highlight in Klaipeda stand noch der Besuch der Statue des Ännchen von Tharau auf dem Programm. Dazu mussten wir allerdings noch einmal kurz zurück in die Stadt. Nachdem wir die Statue gefunden und mit einem geschossenen Bild den Beweis der Besichtigung in der Tasche hatten, ging es weiter Richtung Palanga. Dort sollte sich eine tolle Seebrücke befinden, die wir uns unbedingt anschauen wollten.

Palanga erreichten wir gegen 12.00 Uhr bei über 30°. Zur Seebrücke kamen wir nicht direkt und mussten noch ein Stückchen laufen. Im Strom der Touristen näherten wir uns dann dem Strand...und sahen die Seebrücke, allerdings etwas weiter entfernt. Ok, schnell ein Foto geschossen und wieder zurück zu den Moppeds.
 


Ännchen von Tharau
 


Seebrücke von Palanga im Hintergrund
 

Kurz vor 13.00 Uhr überquerten wir den Grenzübergang zu Lettland und durften uns auch sofort auf ziemlich holprigen Straßen weiterbewegen. In der Stadt Nica machten wir Halt, versorgen uns mit Lats (1 € = 0,70 Lat), kauften ein und fuhren weiter nach Liepaja. Als Besichtigungshighlight stand der alte Karosta-Kriegshafen auf dem Programm, den wir aber nicht direkt fanden. Stattdessen durchfuhren wir das Kulturzentrum der autonomen Szene. Hier wechselten sich Prunk und Ruinen ab. Vor uns lag eine wundervolle, restaurierte Kathedrale und 100 Meter weiter fuhren wir durch gruseligste Gegenden gesäumt von Abrissbauten und heruntergewirtschafteten Gebäuden.
 


Kathedrale im Kulturzentrum von Liepaja
 


heruntergewirtschaftete Gebäude und Ruinen
 

Nachdem wir Liepaja wieder verlassen hatten, machten wir erst einmal dank mitgenommenem Wassertank, Pulverkaffee und Keksen in Ploce Kaffeepause. Gegen 16.00 Uhr ging es weiter Richtung Ventspils. Die Straßen ließen wirklich zu Wünschen übrig und mehr wie 90 Km/h ließ der Belag fahrtechnisch einfach nicht zu. Erschrocken habe ich mich richtig, als uns mit gefühlten 120 Km/h ein LKW überholte. Der Fahrer schien keine Gnade zu kennen, weder für das Fahrzeug, noch für die Ladung, sofern vorhanden. Außerdem machte das Poltern und Durchschlagen der Federung einen Höllenlärm.
 


Pause in Ploce
 


LKW beim Überholen
 

Ventspils erreichten wir gegen 17.00 Uhr. Toll, wir lagen prima in der Zeit und konnten uns noch ganz in Ruhe den Hafen und die Ordensburg anschauen, bevor wir unser Endziel, einen tollen ADAC-Campingplatz erreichten. Wir checkten ein, bauten auf, aßen lecker im Restaurant und verbrachten den restlichen Abend bei einem Bierchen in einem geschützten Unterstand, da es leicht zu regnen begonnen hatte.
 


Statue des Krisjänim Valdemäram
 


Micha in der Klemme
 


die Wäsche musste auch mal gewaschen werden
 


Geschützter Unterstand
 


heute gefahren
 


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Dienstag, 12. Juli 2011

 
 

Am nächsten Morgen hatte sich der Regen verzogen und wir konnten im Trockenen abbauen. Nach dem Frühstück ging es dann erst einmal auf die Suche nach einer Tanke. Auf der weiteren Route war aber von Tanke weit und breit nichts zu sehen, und als Folker bereits gemäß Tankanzeige seit ca. 30 Kilometern "trocken" fuhr, kam er doch leicht ins Schwitzen. Etwa 60 Kilometer von Ventspils lag das nächste Highlight, das wir uns anschauen wollte...und fanden zum Glück nun auch die ersehnte Tankstelle. Die Erleichterung war Folker anzusehen, denn wenn in einen 24-Liter-Tank noch 23,8 Liter Sprit reingehen, kann man sich ausrechnen, wie weit wir noch bekommen wären, bis sein Motor gemault hätte.

Nach dem Tankstopp ging es weiter zum Ventas Rumba-Wasserfall, mit 240 Metern Breite der breiteste Wasserfall in ganz Europa. Hier machten wir erst einmal ausgiebig Pause und fotografierten den Wasserfall aus allen möglichen Richtungen.
 


Abbau im Trockenen
 


Ventas Rumba Wasserfall
 

Jetzt lagen noch 200 Kilometer Strecke bis nach Riga vor uns. Die Straßen waren mal holprig, mal ausgebaut und mal bestanden sie auch einfach nur aus Schotter. Viel Aufregendes gab es auf der Strecke nicht zu sehen. Um 14.30 Uhr Lokalzeit, also 13.30 Uhr in Deutschland, unterbrachen wir unsere Fahrt und suchten uns einen stillen Platz, um in Gedanken bei der zeitgleich in Deutschland stattfindenden Trauerfeier für 'KP' zu sein und ihm zu gedenken. Jeder von uns verarbeitete das auf seine eigene Weise, mir stiegen jedenfalls die Tränen in die Augen, denn mit 'KP' hatten wir einen prima Kumpel und Motorradfreund verloren.
 


es gab solche Straßen...
 


....und solche Straßen
 


noch 92 Kilometer bis nach Riga
 

Hansestadt Riga in Sicht

Nach einer halben Stunde setzten wir unsere Fahrt fort. Und nach etwa 90 weiteren Kilometern kam Riga langsam in Sicht. Bevor wir unser Domizil für die Nacht anfuhren, machte Axel mit uns noch eine kleine Sightseeing-Tour. Es ging durch Jugendstilviertel und zum Roland von Riga, den wir allerdings erst nach dreimaligem Umrunden des Stadtkerns und ca. 1 Stunde später fanden. Und dann auch nur zu Fuß, da, wie in vielen anderen Roland-Städten auch, sich der Roland auf dem Marktplatz befand und dieser für Fahrzeuge gesperrt war.

Der Verkehr war die Hölle. Also stellten wir unsere Moppeds erst einmal auf einem Parkplatz ab. Danach einigten wir uns auf eine Aufgabenteilung. Micha und Folker suchten die JuHe, die sich in unmittelbarer Nähe befinden sollte, ich suchte den Roland, fand ihn und machte Fotos und Axel bewachte die Moppeds. Etwa 30 Minuten später trafen wir uns wieder an den Moppeds. Folker und Micha berichteten, dass das Hostel keinen guten Eindruck gemacht hatte und dass wir in einem daneben liegenden Hostel noch ein Zimmer bekommen könnten. Einziges Problem: es gab keine richtigen Parkplätze für die Moppeds; im Gegenteil: wir hätten ein Bike sogar noch über Bretter 3 Treppen tief in den Innenhof fahren müssen. Das war dann für Axel kein akzeptabler Vorschlag und er machte sich noch einmal auf den Weg, um zur nächsten JuHe zu fahren, die sich laut Plan nur etwa 2 Km entfernt von unserem jetzigen Standort befand. Wir blieben also zurück und warteten, und warteten, und warteten.

Nach etwa 45 Minuten kam Axel endlich zurück, erzählte von Mörderverkehr und dass die JuHe zwar ok wäre, aber auch hier keine richtige bewachte Parkplatzmöglichkeit für die Motorräder bestand und machte den Vorschlag, noch bis zum nächsten Campingplatz zu fahren. Nachdem Folker, Micha und ich aber 45 Minuten in der 32° heißen Innenstadt gewartet hatten, fiel dieses Mal die Entscheidung 3:1 für das Hostel, das Micha und Folker entdeckt hatten, aus.

Das 4-Bett-Zimmer war groß und geräumig und wir hatten Dusche und WC gleich nebenan. Beim Parken der Moppeds bedurfte es ein wenig Überredungskunst, und so konnten wir die Bikes schließlich doch in einer Park-Nische abstellen und nicht im Innenhof. Aus Sicherheitsgründen mussten wir aber alles Gepäck abnehmen und ins Innere des Hostels bringen. Mist, bei den Temperaturen machte das keinen Spaß. Aber weiterfahren wollte von uns auch keiner, also mussten wir in den sauren Apfel beißen.
 


Fahrt durch das Jugendstilviertel
 


Marktplatz mit Roland in Riga
 

Pulsierendes Leben in Riga

Nach dem Frischmachen belohnten wir uns erst einmal mit einem kalten Bierchen und anschließend mit einem leckeren Essen in einem der unzähligen Restaurants in der Stadt. Anschließend machten wir uns auf, die historische Altstadt von Riga zu erobern. Überall waren Straßencafés, Bars und Diskotheken. Die meisten der Freiflächen waren mit Tischen und Stühlen der umliegenden Lokale besetzt. Es spielten Bands, es wurde getanzt, es gab Darbietungen à la Breakdance etc. Unglaublich, welche Lebensfreude diese Stadt ausstrahlte. Die Leute waren gut drauf und es gab viel zu gucken. Wir suchten und fotografierten den Dom, das Schwarzhäupterhaus, das Hausensemble Drei Brüder und vieles mehr. Riga war einfach nur toll. Beim Zurückkehren zum Hostel entdeckten wir dann in einer Seitenstraße die "richtige" JuHe, die Folker und Micha beim Suchen scheinbar nicht gefunden, bzw. wohl verwechselt hatten. Na, aber das war nun auch egal, denn wir waren im jetzigen Hostel ja auch gut untergebracht.
 


Erst einmal schön Essen gehen
 


jede Fläche war mit Stühlen und Tischen belegt
 


Überall Bars und Restaurants
 


...und fröhliche Menschen auf den Straßen
 


Heute gefahren
 


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Mittwoch, 13. Juli 2011
 

 

Ein echter Wolf...leider tot

Wir hatten alle gut geschlafen, und nach dem reichhaltigem Frühstück und dem Verzurren des Gepäcks starteten wir um halb 11 in Richtung Estland. Von Riga führt uns die Route gerade gen Norden weiter. Es gab keine Highlights, außer jede Menge Störche, die am Wegesrand standen und sich um die vorbeikommenden Fahrzeuge nicht einen Deut scherten. Ab und zu lagen mal breitgefahrene Tiere auf der Straße wie Dachse oder auch Füchse. Schockiert war ich aber dann doch, als vor uns mitten auf der Fahrbahn ein toter Wolf lag. Da sieht man schon mal einen in echt, und dann ist der auch noch überfahren worden...und das bei diesem spärlichen Verkehr. Was für unglückliche Umstände da wohl eine Rolle gespielt hatten.

Irgendwann überquerten wir die lettische Grenze bei Ainazi und befanden uns nun in Estland. Prima, hier konnten wir wenigstens wieder in EURO bezahlen. Den nächsten Stopp machten wir dann an einem wunderschönen Ostseestrand bei Pärnu. Zuerst fanden wir nur einen FKK-Strand "For Ladys only", nach weiterem Suchen dann aber einen anderen herrlichen Strand. Hier verweilten wir einen Augenblick und ließen das bunte Treiben am Strand auf uns wirken. So richtig was zu essen fanden wir hier nicht, deshalb entschlossen wir uns, beim nächsten McDonalds anzuhalten, der in 7 Kilometern Entfernung zu finden sein sollte. Das war übrigens das erste Hinweisschild mit dem großen "M", dass ich seit der Ankunft in Klaipeda gesehen hatte.
 


verlassene Grenze Lettland - Estland
 


Ostseestrand in Pärnu
 

Tallinn und das 16-Euro-Hostel

Nach der Essens- und Tankpause hieß es nun Endspurt nach Tallinn, welches wir gegen 16.30 Uhr erreichten. Auch hier machte Axel mit uns noch eine kleine Sightseeing-Tour. Allerdings war hier, genau wie in Riga, die historische Altstadt für Fahrzeuge gesperrt, und so konnten wir nur das eine oder andere Kultur-Highlight aus der Ferne betrachten. Ansonsten war Tallinn wie Riga...Mega-Verkehr, schöne Häuser, viel Gewusel. Axel steuerte nun erst einmal das 16-€-Hostel an, das er im Internet gefunden hatte. Es gab noch 2 Doppelzimmer, allerdings zögerte die junge Frau an der Rezeption, uns die Zimmer zu überlassen, da hier heute Abend bis in die Nacht Party angesagt war und es etwas lauter werden könnte. Axel zuckte und wollte sich noch nach anderen Übernachtungsmöglichkeiten umsehen, dem Rest von uns war es egal, ob es nun "etwas" lauter werden würde oder nicht. Wir wollten hier bleiben, also checkten wir ein.

Dann folgte der gleiche Ablauf wie in Riga. Alle Gepäckstücke, Koffer und Taschen vom Mopped abbauen, duschen, umziehen, Stadtbesichtigung. Leider machte mein Kreuz diese endlose Lauferei nicht mit, da ich mir ein paar Tage vorher beim Schlaglochfahren irgendetwas im Lendenwirbelbereich verklemmt hatte. Zudem ließ es sich auf diesen Gummilatschen nicht besonders gut gehen, und so kroch ich irgendwann mehr hinter den anderen her. Gehen konnte man das jedenfalls nicht mehr nennen. Dennoch erreichten wir die meisten Sehenswürdigkeiten und konnten ein paar Fotos davon schießen. Auch in Tallinn bestand wie in Riga die Innenstadt aus Restaurants, Bars und Fressbuden. Wir suchten uns dann nach unserem Stadtlauf auch ein lauschiges Plätzchen und bestellten uns etwas Leckeres zum Essen.
 


Alexander-Newski-Kathedrale
 


Sitz des estnischen Parlaments
 

Nachdem wir wieder zum Hostel zurückgekehrt waren und so langsam in die Heia wollten, verstand ich, warum die Rezeptionistin Hemmungen hatte, uns die Zimmer zu überlassen. Unser Raum befand sich direkt über einer Musikbar, in der eine Rockband mit gefühlten 130 dB eigene komponierte Lieder zum Besten gab. Nicht nur der Fußboden dröhnte, sondern auch die Wand und das Bett vibrierten. Auweia....da halfen auch keine Ohropax Soft mehr. Als gegen 3.00 Uhr morgens der Spuk ein Ende fand, war es draußen bereits schon wieder hell.
 


Heute gefahren
 


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Donnerstag, 14. Juli 2011
 

 

Auch dieser Morgen begrüßte uns mit Sonne und wir starteten nach hauseigenem Frühstück um 10.30 Uhr in Tallinn. Bereits um 11.45 Uhr machten wir Tankpause und waren froh, dass die Eintönigkeit des Fahrens kurzzeitig ein Ende hatte. Ein zusätzlicher Kaffee auf der Tanke tat gut.

Nächster Stopp war dann ein toller Gutshof, gefolgt vom Lahemaa-Nationalpark. Eine Augenweide pur.... Nicht nur idyllische Gegenden und schöne Straßen erwarteten uns, sondern auch Natur pur. Jede Menge Störche und Häuserruinen, aus den bereits Bäume wuchsen...ich konnte mich gar nicht sattsehen. Dann erreichten wir Rakvere und die sagenhafte Ordensburg. Und schon ging es weiter und wieder waren jede Menge Störche zu sehen...
 


Störche satt im Lahemaa-Nationalpark
 


Ordensburg in Rakvere
 

Gegen 13.45 Uhr erreichten wir den vom Verein "Freunde von Kohtla-Järve, Jöhvi und Umgebung e.V." empfohlenen Campingplatz in Saka. Uns erwartete ein sehr "aufgeräumter" Campingplatz mit angrenzendem Spa-Hotel. Wir schauten uns kurz um, fanden es "ok" und bestiegen erst einmal den Aussichtsturm, der einen fantastischen Blick auf die Ostsee gewährte. Da es aber irgendwie zu früh für das Endziel war, entschlossen wir uns noch weiter nach Kohtla-Järve zu fahren, um dem Bürgermeister der Stadt einen partnerstädtischen Gruß aus Norderstedt überbringen zu können.

Besuch beim Bürgermeister in Jöhvi

Als wir Kohtla-Järve erreichten und das Rathaus endlich fanden, war es ca. 15.30 Uhr. Wir waren also guten Mutes, dass der Bürgermeister noch anwesend war. Doch weit gefehlt...leider war der Bürgermeister nicht mehr im Hause und würde erst morgen wieder in seinem Büro anzutreffen sein. Echt schade...

Also weiter nach Jöhvi, der nächsten Partnerstadt von Norderstedt. Wir erreichten das Rathaus um 15.40 Uhr, fragten uns durch und wurden schließlich gegen 16.00 Uhr vom Bürgermeister von Jöhvi empfangen. Boah, ich war aufgeregt, aber freute mich gleichzeitig, dass noch alles geklappt hatte. Uns begrüßte nun ein netter, dynamischer und (in meinen Augen) junger Bürgermeister, der selber Biker war, wie er uns im Gespräch verriet. Außerdem sprach er sehr gut deutsch und wir konnten uns prima verständigen. Er interessierte sich für unsere Fahrtroute, erzählte von eigenen Bikertreffen und nahm dankend unsere kleinen Give-Aways wie Fahnen der Landesgartenschau 2011 und den berühmten Norderstedter Kaffee "Fairflix Good" entgegen. Gleichzeitig erhielten wir außer einer leckeren Tasse Kaffee noch Schlüsselanhänger und Kugelschreiber mit eingravierter "Jöhvi"-Inschrift. Toll....ich war mächtig beeindruckt. Der Mann war uns allen total sympathisch, das spürte man. Nach ausgiebigen Informationen über unsere Reise und detaillierten Berichten über das Entstehen der Stadt Jöhvi, schlug uns Tauno Vöhmar vor, uns noch nach Toila zu einem sehr schön gelegenen Campingplatz mit seinem Auto zu begleiten. Wir waren begeistert....

In Toila erwartete uns ein Campingplatz mit modernen Sanitäranlagen und der Möglichkeit zum Campen oder in Hütten zu übernachten. Wir entschieden uns fürs Campen, dankten dem Bürgermeister noch für alles und freuten uns auf einen schönen Abend im angrenzenden Restaurant. Als wir dort nach dem Aufbauen einkehrten und vom freundlichen Personal erfuhren, dass für uns bereits das Buffet bezahlt war, waren wir sprachlos. An dieser Stelle einen ganz lieben Dank für den tollen Empfang, die nette Unterhaltung, die Eskorte zum Campingplatz und das bezahlte Buffet. "Wenn Sie, lieber Herr Vöhmar, einmal Norderstedt besuchen sollten und wir aus Sicht eines Motorradfahrers etwas für Sie tun können, dann lassen Sie es uns gerne wissen." :-)

Den restlichen Abend ließen wir locker vorm Zelt ausklingen und den Tag noch einmal Revue passieren...
 


Aussichtsturm in Saka
 


Infos
 


fantastischer Ausblick
 


auf dem Seatower in Saka
 


Smalltalk im Bürgermeisterzimmer von Jöhvi
 


Der Bürgermeister brachte uns noch persönlich nach Toila
 


Buffet satt
 


heute gefahren
 


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Freitag, 15. Juli 2011
 

 

Der heutige Morgen begrüßte uns mit leichtem Nieselregen, der aber während des Frühstücks und des Abbauens eine kurze Pause einlegte. Der gestrige Besuch beim Bürgermeister hatte uns schwer beeindruckt, und wir beschlossen heute auf jeden Fall auch noch einmal dem Bürgermeister von Kohtla-Järve einen Besuch abzustatten. Außerdem hatten wir vom Verein "Freunde von Kohtla-Järve, Jöhvi und Umgebung e.V." den Hinweis bekommen, dass es in dem in der Nähe gelegenen Ort Püssi eine Art soziale Einrichtung gibt, die sich um Bedürftige kümmert und diese täglich mit einer warmen Suppe und warmem Wasser zum Waschen versorgt. Auch diese wollte wir besuchen.

Abfahrt war gegen 10.00 Uhr und unser erster Besuch galt dem Hafen von Toila. Allerdings gab es hier jetzt nicht so viel zu sehen, dafür war es auch immer noch zu nieselig. Auch den Wasserfall in der Nähe von Kohtla-Järve ließen wir "rechts" liegen, da der Bürgermeister von Jöhvi uns erzählt hatte, dass dieser eh nur Wasser während der Schneeschmelze führte. Also, weiter nach Kohtla-Järve...
 


über Nacht hatte es geregnet
 


Hafen von Toila
 

Besuch beim Bürgermeister von Kohtla-Järve

Das Rathaus von Kohtla-Järve erreichten wir gegen 11.00 Uhr und saßen gleich kurz danach am Besprechungstisch von Bürgermeister Jevgeni Solovjow. Dieser sprach zwar kein deutsch, dafür aber war seine Mitarbeiterin eifrig beschäftigt, uns seine russischen Grußworte ins englische und umgekehrt zu übersetzen. Auch hier bekamen wir ein kleines Begrüßungsgeschenk in Form eines Kohtla-Järve-Sticker, während Axel unsere Landesgartenschau-Fahnen und den Norderstedt Kaffee überreichte. Wir erzählten noch ein wenig über unsere geplante Fahrtroute und von unserem Russlandbesuch, was auch Herrn Solovjow stark interessierte. Es strengte aber seine Mitarbeiterin und uns sehr an, alle Übersetzungen richtig zu verstehen. Nichtsdestotrotz war auch dieser Besuch ein Highlight für uns und wir freuten uns nun auf den Besuch in Püssi beim MTÜ und Eevi Anger, der Leiterin der sozialen Einrichtung, die von den "Freunden von Kohtla-Järve, Jöhni..... e.V." finanziell unterstützt wird.
 


Am Besprechungstisch des Bürgermeisters
 


Abschieds- und Gruppenfoto
 

Der Verein "Freunde von Kohtla-Järve und Jöhvi und Umgebung e.V."

Um Püssi zu erreichen, mussten wir noch einmal ca. 15 Kilometer gen Südosten fahren. Gegen 12.00 Uhr erreichten wir dann den Ort. Grau, schmucklos, bestehend aus alten Wohnblocks, die nur eine Hausnummer hatten. Jedes Haus war dafür aber mit den Nummern der einzelnen Wohnungen versehen. Es dauerte eine Weile, bis wir das System erkannt und die Wohnung, in der der MTÜ unterbracht war, gefunden hatten. Und dann kam Eevi Anger, eine fröhliche, gutmütige, ältere Dame, die uns sogleich in die Wohnung einlud. Wir nahmen dankend an und bekamen sofort Kaffee, Schnittchen und zig Bilderalben vorgelegt. Eevi sprach deutsch, zwar gebrochen, aber man konnte sie sehr gut verstehen. Zur Verstärkung war noch eine weitere Frau anwesend, deren Namen ich aber leider nicht verstanden hatte, die aber genauso nett und Lehrerin im Dorf war. Und dann erzählte uns Eevi ausgiebig, um was sich der MTÜ kümmert und welche Aktionen hier tagtäglich so stattfinden. Weiterhin erfuhren wir, dass die beiden Damen seit 2 Tagen auf unser Erscheinen gewartet hatten, da Frau Bankonin vom Verein "Freunde von..." unseren Besuch angekündigt hatte. Man, da waren wir aber froh, dass wir die Fahrt hierher noch angetreten haben, denn eigentlich war das in unserem Zeitplan nicht mehr eingeplant. Aber man stelle sich die Enttäuschung vor, wenn wir nicht erschienen wären. Ich habe selten solche herzlichen und netten Menschen erlebt wie die beiden Damen in Püssi. Bei den Geschichten, die die beiden erzählten, standen mir manchmal vor Rührung die Tränen in den Augen und ich schämte mich ein wenig, dass wir hier auch noch liebevoll angerichtete Schnittchen bekamen...obwohl diese sicher in anderen Bäuchen besser aufgehoben gewesen wären als in unseren.

Der Besuch beim MTÜ war eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Ebenso das Kennenlernen und Engagement der beiden Frauen. Dieses Treffen hat mich tief beeindruckt und angenehme Erinnerungen hinterlassen. Beim Verabschieden drückten wir uns herzlich und ich hatte das Gefühl, dass wir uns schon ewig kannten...
 


Besuch beim MTÜ in Püssi
 


Die nette Lehrerin und Eevi Anger
 


Infos zum Verein kann man per Mail erfragen
 


Verabschiedung in Püssi
 

Da unser Zeitplan eh durcheinander war, beschlossen wir nun auch noch einmal zur russischen Grenze nach Narva zu fahren, dem letzten Außenposten der EU. Wenn schon, denn schon das volle Programm...

Mit uns zusammen waren viele Biker unterwegs, denn an diesem Wochenende fand ein großes Bikertreffen in Narva statt, wie uns der Bürgermeister von Jöhvi bereits erzählt hatte. Bereits 6 Kilometer vor Narva und der russischen Grenze standen auf dem Seitenstreifen LKWs in einer endlosen Schlange. Scheinbar schienen die auf eine Grenzüberquerung zu warten, und plötzlich erinnerte ich mich wieder an die Worte der Lehrerin aus Püssi, die uns mitteilte, dass es manchmal 1 Woche dauern kann, bis ein LKW die Grenze passieren kann...

In Narva steuerten wir den Fluss Narva und die Grenzbefestigungen an, schossen etliche Fotos und machten uns wieder auf den Weg zurück in Richtung Jöhvi und weiter in Richtung Kalaste, unserem geplanten Endziel für heute.
 


An der Narva...gegenüber die russische Festung
 


Pause am See - keine Braut auf der Flucht, sondern Mückenschutz
 

Wir erreichten Kalaste um kurz nach 18.00 Uhr. Allerdings war das Hostel jetzt nicht der Brüller, es schien kein Restaurant oder Shop zu geben und wir entschlossen uns zur Weiterfahrt bis in die nächste größere Stadt. Tartu erreichten wir um 19.10 Uhr, nicht ahnend, dass es sich dabei um eine Universitätsstadt handelt und dementsprechend die Preise waren. Axel klingelte an der JuHe, der Besitzer öffnete, kurzes Gespräch, ob noch was frei wäre...und siehe da, ein Zimmer mit Küche und Bad gab es noch. Für 75,- € !!! *schluck*. Solche Preise waren wir nicht gewohnt, nahmen aber das Angebot aufgrund der fortgeschrittenen Zeit naserümpfend an. Das war schon die Härte. Ein enges 4-Bett-Zimmer, eine kleine Küche und ein Bad mit 50er-Jahre-Standard.

Aber nachdem Axel und Folker mit frischen Lebensmitteln vom Einkauf zurück kamen und Micha uns delikat zubereitete Rühreier servierte, war die Welt wieder in Ordnung. Zwar fühlte ich mich immer noch über den Tisch gezogen, trotzdem war die Nacht entspannend und es tat gut, ein weiches Bett im Kreuz zu haben.
 


Präsidentensuite mit 4 Betten
 


leckeres von Micha zubereitetes Rührei
 


Heute gefahren
 


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Samstag, 16. Juli 2011
 

 

Über Nacht hatte es ordentlich geregnet. Als wir starteten, war davon aber fast nichts mehr zu sehen und wir hatten bereits am Morgen 24°. Es würde also wieder ein schöner Tag werden.

Kurz hinter Tartu steuerten wir erst einmal einen alten Bahnhof an, der zu einer Art Kulturzentrum ausgebaut worden war. Also, kurz alles angeschaut und schon ging es weiter. Der nächste Stopp war dann beim Schloss in Sangaste. Hier fanden wir ein wunderschön gepflegtes und eindrucksvolles Gebäude im gotischen Stil. Bemerkenswert war der eigenartige Flüstereffekt im Eingangsbereich - Axel stellte sich in eine Ecke des Bereiches und flüsterte ein paar Worte. Ich stand in der gegenüberliegenden Ecke, ca. 8m von ihm entfernt. Es war unglaublich...ich konnte jedes seiner Worte genau und deutlich verstehen. Das haben wir bestimmt 3 oder 4 Mal ausprobiert. Merkwürdig war auch der Effekt, wenn man genau mittig in diesem Bereich stand und etwas sagte. Es hörte sich ganz seltsam an...so, als wenn das Gesagte aus einem Lautsprecher kam. Schwer zu beschreiben, aber sehr eindrucksvoll.
 


Youth Hostel in Tartu...noch ohne Putz
 


Schloss mit 99 Zimmern...mehr Zimmer durfte nur der Zar besitzen
 

Von Sangaste ging es nun nach Valga und somit wieder nach Lettland. Die Grenze führte mitten durch diese Stadt. Nun konnten wir die Euros erst einmal wieder wegstecken und die restlichen Lats aus dem Portemonnaie holen. Ab hier gab es dann Schotterpisten satt, die auf der Landkarte als Europastraße ausgewiesen waren und sogar Ampel gesteuert waren. Alter Schwede....es ging holter, es ging polter und manchmal auch holterdipolter.
 


Ampel gesteuerte Schotterpiste...und bitte richtig einordnen
 


Lettland hat uns wieder
 

Zwar ließen die Straßen echt zu wünschen übrig, dafür gab es aber landschaftlich jede Menge Schätzchen wie z.B. den Gauja Nationalpark, die Gutmannshöhle (oder jedenfalls die Souvenirmeile davor) und eine tolle alte Gierseilfähre, mit der wir den Fluss Gauja überquerten.
 


Die Fähre kurz vorm Anlegen
 


sieht nicht wirklich vertrauenserweckend aus
 

Offroad und staubig

Und es ging weiter auf unbefestigten Straßen. Ich spreche hier nicht von kurzen, kleinen Abschnitten, sondern von 20 bis 30 Kilometer langen Enduroautobahnen. Nicht selten wurden wir auf diesen Straßen von LKW und Bussen überholt, die locker ihre 80 bis 100 Km/h drauf hatten. Hier hieß scheinbar die Devise: je schneller, desto weniger Gehoppel, und der aufgewirbelte Sand und Staub stört ja nur die hinter mir Fahrenden... Na, jedenfalls wurden wir manchmal ganz schön eingenebelt.

Durch die verhaltene Fahrweise verloren wir natürlich massig Zeit. Hinzu kam meine Karpaltunnel-Hand, die nun mächtig rumzickte und ihren Dienst zu verweigern drohte. Als wir dann endlich das von Axel aus dem Internet heraus gesuchte Gästehaus in Robeznieki gefunden hatten, war ich heilfroh. Schade war nur, dass sie ausgebucht waren und uns auch keine richtige Übernachtungsalternative in Ort anbieten konnten. Nach kurzer Beratung einigten wir uns dann darauf, den nächst gelegenen Campingplatz aufzusuchen. Also, noch einmal 12 KM weiter fahren, und los... Dann erreichten wir die Koordinaten, doch leider war hier außer Feldern nichts Campingplatztechnisches zu erkennen. Umdrehen hatte keinen Zweck, denn dort gab es ja auch nichts, also blieb uns nur noch weiterfahren. Es war mittlerweile nach 20.00 Uhr, und noch einmal 20 Kilometer Schotterpiste später erreichten wir den nächsten größeren Ort Bauska. Wir suchten uns den nächstgelegenen Campingplatz aus, erkannten, dass sie sogar Appartements anboten und schlugen sofort zu. 40 Lats für 4 Personen waren umgerechnet 60,- € für 2 Doppelzimmer mit Bad und WC. Micha und Axel machten sich noch einmal auf, um etwas Essbares aus dem nächsten Supermarkt zu besorgen. Die Öffnungszeiten waren hier in den baltischen Ländern schon toll. Die Geschäfte hatten sogar am Samstag oftmals bis 0.00 Uhr oder sogar durchgehend geöffnet.
 


ziemlich staubige Angelegenheit
 


unser Domizil für die Nacht
 

Nachdem uns Micha dieses Mal mit Fischstäbchen-Variationen angereicht an Zwiebel-Möhrengemüse gaumentechnisch verwöhnt hatte, ließen wir den Abend locker bei einer Tasse Bier und Chips ausklingen.
 


Fischstäbchen-Variationen angereicht an Zwiebel-Möhrengemüse
 


zum Abschluss des Tages ein schönes Bierchen
 


heute gefahren
 


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Sonntag, 17. Juli 2011
 

 

Irgendwie hatten wir heute leicht verschlafen. Wir kamen erst um halb 11 vom Hof. Wahrscheinlich war das Bett einfach zu komfortabel... ;-)

Berg der Kreuze in Siauliai

Als eines der Highlights stand heute der Besuch der Wallfahrtsstätte "Berg der Kreuze" auf dem Programm. Ich hatte keine Ahnung, was uns da erwarten würde. Aber zunächst schossen wir noch ein paar Fotos von einem Schloss in Bauska, bevor wir dann nach ein paar Kilometern die Grenze zu Litauen erreichten. Goodbye Latvija, hello Lietuvos und ein vertrautes Bild lag vor uns: Schotterpisten.
 


Start erst gegen 11.00 Uhr
 


Grenze zu Litauen...und Schotter
 

Zum Glück hielt dieser Straßenzustand nicht sehr lange an. Nach 5 Kilometern hatten wir es geschafft und durften nun auf wesentlich festerem Untergrund unsere Reise fortsetzen. Um kurz nach 12.00 Uhr erreichten wir bei fast 30° den Berg der Kreuze. Schon von weitem war die Stätte zu erkennen, zuerst undefinier- und nicht erkennbar, um was es sich dabei handeln könnte. Man sah nur eine Erhebung in der sonst flachen Gegend. Je näher wir kamen, desto mehr Einzelheiten erkannten wir. Es war tatsächlich ein Berg, ein Berg aus Kreuzen. Axel kramte den Reiseführer hervor und las laut vor, wie, wann und wodurch der Berg entstanden war. Das müssen nicht Hunderttausend, das müssen Millionen Kreuze gewesen sein. Unglaublich...und mit einer seltsam freigesetzten Emotion ging ich ehrfürchtig an den Kreuzen vorbei und versuchte, die eine oder andere Inschrift zu lesen. Ich stand fassungslos vor diesem riesigen Berg. Dazu spielte auch noch eine alte Frau auf einer Zitter melancholische Lieder. Das alles erzeugte eine ungeheure Gänsehaut bei mir. Da gab es ältere Kreuze aus 1993, deren Schrift man gerade noch lesen konnte und ganz neu aufgestellte Kreuze, die teilweise gerade erst einen Tag alt waren. In allen Sprachen, mit Verzierungen, mit Kettchen, mit Medaillons, mit Bildern. Es lag eine andächtige Stille über dieser Stätte, obwohl hier ohne Ende Touristen rumliefen. Aber das Einzige, was man wahrnahm, war wirklich nur die Musik der Zitterspielerin.
 


Treppe zum höchsten Punkt des 'Berg der Kreuze'
 


Millionen Kreuze
 

 

Es war fantastisch, was wir gerade gesehen hatten. Noch lange Zeit später habe ich oft an diesen Ort gedacht. Weiter ging es dann zum nächsten Highlight des heutigen Tages, dem geografischen Mittelpunkt Europas. Und wieder wechselten sich Schotter und feste Straßen ab. Dieses Mal war die Schotterpiste aber wie ein Waschbrett, so dass sich sogar mein linker Spiegel löste und nun unmotiviert in der Gegend umher schwenkte. Folker löste das Problem erst einmal mit einer Leatherman-Zange, was aber nicht viel half, da bei der nächsten Waschbrettpiste sich das Spiel wiederholte.

Den geografischen Mittelpunkt ereichten wir dann so gegen 17.00 Uhr. Es war brüllend heiß und wir mussten einige Meter zu Fuß dorthin pilgern. Vor uns stand dann ein Obelisk und eine Art Kompass. Schön, wir waren also nun am mittelsten Punkt von Europa...eine einzigartige Erfahrung. ;-)
 


Axel auf dem Mittelpunkt
 


4-sprachige Infotafel
 

Gegen 19.15 erreichten wir dann Vilnius und die von Axel favorisierte JuHe. Schön, es waren noch 2 Doppelzimmer frei und wir konnten sofort einchecken. Aber erst einmal reparierte Micha mit einem Satz Maulschlüssel meinen losgerüttelten Seitenspiegel, der nun wieder richtig gut hielt und auf die nächsten Schotterpisten wartete.

Leider gab es kein Abendbrot mehr, also musste unsere absolute, seit 11 Tagen mitgeschleppte Not-Nudelgericht-Ration herhalten. Nach dem Essen machten sich die Männer noch mal auf den Weg in die historische Altstadt. Ich war aber total platt, drückte Axel die Kamera in die Hand und wünschte viel Spaß. Es war nicht einmal 23.00 Uhr, da fielen mir schon die Augen zu und ich verschwand im Bett.
 


Nachtleben in Vilnius
 


Zum Abschluss noch ein schönes Bierchen
 


heute gefahren
 


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Montag, 18. Juli 2011
 

 

Heute waren wir mal richtig früh dran und verließen die JuHe in Vilnius bereits gegen 10.00 Uhr. Nach einer kleinen Stadtrundfahrt mit Fotos á la "Mopped vor Kirche, Mopped vor Brücke, Mopped vor Berg" etc. landeten wir in Kaunas, um hier noch eine Burg zu besichtigen, die direkt an der Memel lag. Bei 32° hatte aber keiner von uns so richtig Lust sich zu bewegen und wir waren froh, als wir wieder weiterfahren konnten. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus erregte noch ein Mercedes unsere Aufmerksamkeit, da dieser zwar eigentlich unauffällig aussah, allerdings als Kennzeichen das Wort "ONE" trug. Wir waren uns einig...das muss das Präsidentenauto gewesen sein. ;-)
 


Start um 10.00 Uhr von der JuHe in Vilnius
 


Wasserburg in Trakai
 


Im Hintergrund: Burg in Kaunas an der Memel
 


Präsidentenauto?
 

Kurz vor der polnischen Grenze vertankten wir unsere restlichen Litas (1 EUR = 3,54 Litas). Der Sprit kostete hier umgerechnet 1,30 €, in Lettland und Estland lag er bei ca. 1,25 €. Immerhin durchschnittlich 20 Cent günstiger pro Liter als in Deutschland.

Über die Einflugschneise zwischen Russland und Weißrussland passierten wir schließlich die Grenze von Litauen zu Polen. Gleich hinter der Grenze erreichten wir dann wieder unsere Zeitzone, stellten unsere Uhren nun auf die uns bekannte Uhrzeit ein und wechselten erst einmal Euros in Sloty. Puh, diese ganze Umrechnerei nervte, ließ sich aber nicht ändern. Wir bekamen hier für 100 Euros ganz knapp über 400 Sloty.

Masuren - ein landschaftlicher Traum

Dann ging es weiter durch die Masuren. Ein Traum von Landschaft. Satte Wiesen, Hunderte von Störchen, dichte Wälder. Schilder, die am Wegesrand standen, ließen erkennen, dass es hier auch Bären geben würde. Die Straßen waren ok und hin und wieder gab es sogar mal eine Kurve.
 


gleich an der Grenze Pause und Geld wechseln
 


Hin und wieder gab es auch mal eine Kurve
 

Kurz nach  16.00 Uhr erreichten wir dann den Campingplatz Echo in Rydzewo am südlichen Ostufer gelegen in einer Bucht des Sees Niegocin. Toll, wir waren begeistert, zumal wir uns mit unseren Zelten direkt in erster Reihe stellen durften und einen tollen Blick über den See hatten. Heute wollten wir grillen. Micha und Axel besorgten Essbares aus dem nächstgelegenen Kaufmannsladen, Folker und ich versuchen, aus drei zurückgelassenen defekten Grills einen Brauchbaren zu basteln. Wir machten es uns am Wasser auf bereitgestellten Sitzmöglichkeiten und einem Tisch bequem. Micha brachte die Kohle zum Glühen und wir freuten uns auf eine schöne braune Grillwurst und ein Nackensteak. Hmmm...lecker.
 


Folker hatte sich den besten Platz gesichert
 


Gleich ist die Wurst fertig....
 

Und wie das alles schmeckte. Dazu ein kaltes Bierchen und der Abend war gerettet...dachte ich jedenfalls. Noch während des Essens kam ein 8-Kopf-starkes Familienteam wohl von ihrem Ausflug zurück, und sie waren sichtbar über unsere Anwesenheit irritiert. Scheinbar hatten wir ihnen ihre Plätze für diesen Abend "weggenommen". Doch nach kurzer Überlegung enterten sie den Grillplatz und machten sich mitten zwischen uns breit. Wir waren leicht verdutzt und konnten die Situation noch nicht richtig einschätzen. Die Härte war dann aber, dass sie einen halben Meter neben Folkers Platz nun ein Lagerfeuer anzündeten und dieses auch noch mit grünem und teilweise nassem Holz fütterten. Der Qualm, der entstand, war kaum auszuhalten und hüllte uns und unser Essen immer wieder ein. Doch das schien die Polen nicht zu kümmern. Sie besetzten die Bank, bauten sich davor einen Tisch auf und begannen Wodka zu trinken. Langsam schoben wir alle einen Hals, da dies alles wortlos geschah und ohne ansatzweise Rücksicht auf uns zu nehmen.

Axel war der erste, der sich ein Herz fasste. Er fragte in die Runde, ob es bei denen jemand gab, der deutsch verstehen würde. Und nachdem dieses sogar bejaht wurde, machte sich Axel Luft. Er sagte, dass er reichlich irritiert über den Auftritt der Familien war, dies unhöflich fand und bat, dies auch den anderen Polen zu übermitteln. Richtig entspannt war es aber hinterher trotzdem nicht. Erst, als ein paar Tropfen Regen vom Himmel fielen und die aus Zucker bestehenden Frauen der Familien unter einer überdachten Sitzmöglichkeit Schutz suchten und dort weiter tratschten, entspannte sich die Situation leicht, denn Micha nutzte die Situation, um ein kleines Gespräch mit einem der Männer anzufangen. Das Gespräch wurde etwas ausgiebiger, der andere Mann gesellte sich ebenfalls noch hinzu und wie ich später gehört habe, endete das ganze wohl in einer ziemlichen Wodkaverköstigung. Ich bekam davon nichts mehr mit, denn mir war das alles zu doof und die Leute zu unsympathisch. Meine Klamotten stanken wie Hölle und ich ging bereits vor 22.00 Uhr ins Zelt, gefolgt von Axel. Wir waren begeistert...nicht nur unsere Klamotten stanken bestialisch, sondern auch die Schlafsäcke. Da sag ich nur: "Danke für alles!!!"
 


Heute gefahren...
 


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Dienstag, 19. Juli 2011
 

 

Heute morgen kamen wir relativ zeitig vom Platz. Gegen 10.00 Uhr verließen wir unsere "gastfreundlichen Nachbarn". Die Tour führte uns weiter durch die herrliche Masuren-Landschaft, und es gab viel zu sehen, allerdings mehr landschaftlicher als architektonischer Art. Nach Pinkel- und Tankpausen erreichten wir dann um 16.00 Uhr die Marienburg in Malbork, der größte Backsteinbau Europas. Ein Wahnsinnsteil, was da vor uns stand. Klar, dass dies auch andere Touristen anlockte und in der näheren Umgebung keine Parkplätze zur Verfügung standen. Ein Wache schiebendes Polizeiauto hinderte uns auch daran, die Moppeds mal eben irgendwo hin zu stellen. Ich machte schnell ein paar Fotos und dann ging es auch schon weiter, denn für eine ausgiebige Besichtigung wäre eh keine Zeit gewesen.
 


Modell der Marienburg
 


Hier ein kleiner Teil der linken Seite
 

Danzig und seine Sehenswürdigkeiten

Jetzt folgte der Endspurt zur JuHe in Danzig. Etwas überrascht waren wir, als wir kurz vor Danzig auf eine mautpflichtige Umgehungsstraße geschleust wurden, konnten dadurch aber Strecke machen und etwas an Zeit aufholen. Die JuHe erreichten wir gegen 17.30 Uhr. Zum Glück bekamen wir noch ein 4-Bett-Zimmer. Wir checkten ein, machten uns frisch und waren um 19.00 Uhr bereits mit dem Bus auf dem Weg in die historische Altstadt. Wir hatten eine kleine Stadtkarte mitgenommen, damit wir uns in etwa zurecht finden würden. Bei unserer Ankunft in der Innenstadt war nun aber erst einmal Essen angesagt. Es gab lecker Spaghetti und Pizza. Und gleich danach tobten wir dann weiter durch die Altstadt, um uns alles mögliche anzusehen.
 


Folker am Kassenhäuschen
 


Fast schon in Danzig
 


Ankunft JuHe in Danzig
 

 

Wir fanden u.a. die Königliche Kapelle, den Neptunbrunnen, den Langen Markt, das Grüne Tor und natürlich auch das Krantor und viele andere Sehenswürdigkeiten. Auch hier in Danzig war unglaublich viel los. Auf dem Langen Markt gab es Straßencafés und Menschen ohne Ende. Die Häuser aus der Hansezeit waren eindruckvoll anzuschauen. Um 22.30 Uhr fuhren wir dann mit einem der Nachtbusse wieder zur JuHe zurück und ließen den Abend noch mit einem Abschlussbierchen im Freien ausklingen.
 


Langer Markt mit Grünem Tor
 


Neptunbrunnen
 


Abendstimmung in Danzig
 


Heute gefahren...
 


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Mittwoch, 20. Juli 2011
 

 

Der "Stallgeruch" wird stärker...

Heute starteten wir um halb 10, aber leider schon im Regen. Es hatte sich empfindlich abgekühlt, so dass mir schon leichte Fröstel-Schauer den Rücken runterliefen. Beim Verlassen von Danzig erkannten wir, dass die halbe Stadt nur noch aus Baustellen bestand. Wahrscheinlich wegen der EM in 2012 musste wohl die eine oder andere Straße noch schnell erneuert werden. ;-)

Der Regen wollte nicht aufhören und kroch durch jede Ritze. Mit hochgezogenen Schultern fuhren wir gen Heimat. Von Landschaft, Leute und Natur bekamen wir nicht mehr viel mit. Um 14.30 Uhr gab es noch einmal eine kurze Pause auf einer Tanke, wo wir die letzten Sloty in Form vom Benzin in den Tank füllten und uns trockene und wärmere Sachen anzogen. Dann ließ aber zum Glück der Regen etwas nach, und als wir gegen 16.30 Uhr die Fähre in Swinemünde erreichten, hatte es sogar gänzlich aufgehört.
 


Baustellen ohne Ende in Danzig
 


Vertanken der letzten Sloty
 


Fähre in Swinemünde
 

Nach dem Übersetzen über die Swina fanden wir nur dank Navi den Weg nach Ahlbeck, denn nirgends war irgendein Schild aufgestellt. Als wir dann Ahlbeck erreichten, wusste ich beim Blick auf die Benzinpreise, dass Deutschland uns wiederhatte...162,9! Die spinnen, die Römer...
Wir machten in Heringsdorf eine kurze Pause und beratschlagten uns, denn eigentlich sollte unsere heutige Etappe hier in der JuHe enden. Aber der "Stallgeruch" war stark, und so entschieden Micha, Axel und ich uns fürs Weiterfahren. Folker war das zuviel und er wollte den Tag hier in der JuHe ausklingen lassen. Also, verabschiedeten wir uns von Folker und brachten ihn noch zusammen ans Ziel.

Von Heringsdorf ging es dann noch einmal über schöne kurvige Straßen weiter über Anklam bis nach Gützkow, wo wir noch einmal tankten und uns dann kurz vor 19.00 Uhr auf die A20 setzten. Gegen 20.30 Uhr erreichten wir dann die angestrebte Tanke bei Lübeck Genin, wo wir uns von Micha verabschiedeten. Unsere Restetappe ging noch bis zum Rosenfelder Strand, um dort die restlichen 4 Tage unseres Urlaubs zu genießen. Ankunftszeit nach heute knapp 702 und insgesamt 4.087 gefahrenen Kilometern war für uns dann 21.30 Uhr.

Das war eine absolut tolle Reise. Wir haben unendlich viel gesehen und erlebt und werden uns sicher noch lange an all das Erlebte erinnern. Micha sagte so schön: "....sonst hätte man ja später nichts am Lagerfeuer oder im Altersheim zu berichten!" :-)

Und nächstes Jahr werden wir uns unseren nächsten Traum erfüllen: die Route des Grandes Alpes.
 


Folker bei der JuHe in Heringsdorf
 


Micha beim Verabschieden in Lübeck
 

Und hier noch ein paar nette Bilder für die Statistiker...
 


Heute gefahren...
 


 Übersicht Gesamtzeit, Pause und Bewegung
 


Gesamt gefahren 4.086,6 KM
 


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Übersichtskarte der Gesamtstrecke - Klick aufs Bild für Großansicht
 

Bine

 

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