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naked biker
Motorradtouren & Reiseberichte

 

 

 

Motorradtour mit BMW R1200GS durch Teile des Balkans

Kurzbeschreibung: Reisebericht über eine unvergessliche Tour durch Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Slovenien | Die Transfăgărăsan muss jeder Motorradfahrer einmal erfahren haben | 'zum Tee nach Istanbul' fällt leider aus

3. - 15. Juli 2015



Transfăgărăsan - Transfogarascher Hochstraße (Rumänien)

Ein Video dazu findet ihr am Ende des Berichtes


Vorgeschichte
 

Bereits vor 2 Jahren ließ unser Freund Micha den Satz los "einmal auf die Krim und ins Meer springen". Seitdem wuchs in uns die Idee, mit den Moppeds ums Schwarze Meer zu fahren. Dabei wollten wir den kleinen Fitzel Russland auslassen (wegen des ganzen Gedöns um die benötigten Papiere) und von der Krim mit der Fähre nach Georgien fahren.

Irgendwie klappte das dann aber aus den verschiedensten Gründen nicht. Immerhin wären das über 8.000 KM gewesen und zudem kamen dann auch noch die Unruhen auf der Krim hinzu. Also cancelten wir das Vorhaben erst einmal wieder.

Anfang dieses Jahres verdichtete sich bei uns die Idee aber wieder. Und nachdem wir erfuhren, dass unser Sohn mit seiner Verlobten im Juli in Sveti Vlas in Bulgarien direkt am Schwarzen Meer Urlaub machen wollte, entschieden wir uns für einen dortigen Familienbesuch mit den Moppeds. War zwar nicht die angestrebte "Schwarze-Meer-Umrundung", aber immerhin lagen etwa 11 Ländern vor uns, die es zu durchqueren hieß.

Für die Vorbereitungen der Routen und das Zusammensammeln aller fahrtechnischen Voraussetzungen war wieder Axel zuständig. Ich kümmerte mich mehr um die Hardware, wie die Besorgung von Warndreiecken (in der Türkei 2 pro Mopped vorgeschrieben), D-Schildern (Pflicht in Serbien) und das Auffüllen der Medikamententasche. Oder sollte ich lieber Koffer sagen? Ibuprofen, Talcid und Aspirin sowie Wirkstoffe gegen Montezumas Rache in Krankenhausgröße. Schließlich war man ja geplante 3 Wochen in fremden Ländern unterwegs und man hatte nicht wirklich viel Ahnung, was einen dort erwarten würde.
 


Miniwarndreicke nach ECE R27 Norm
 


ADAC-Reiseunterlagen
 

Nachdem Axel zum 4. Mal die geplanten Routen überarbeitet hatte, machten sich doch einige Befürchtungen breit, dass wir es im angestrebten Zeitfenster wahrscheinlich nicht schaffen würden. Nach reiflicher Überlegung ließen wir dann die Türkei außen vor. Immerhin hätte uns der Trip "zum Tee nach Istanbul" mit Stadtbesichtigung locker 4 Tage gekostet.

Jetzt stellte sich immer noch die Frage, ob wir die Anreise nach Wien mit dem Autozug machen oder selber fahren wollten. Mit dem Zug zu fahren hatte den Vorteil, dass wir die Nacht durchfahren und am nächsten Morgen gleich weiterfahren konnten. Nach der Kostenrechnung für 2 Moppeds auf der Straße mit Benzin und mindestens 1 Übernachtung entschieden wir uns für die günstigere Variante des ÖBB-Autoreisezuges. Das Abenteuer konnte beginnen...
 

Freitag, 3. Juli 2015
 

Pünktlich zum Urlaubsanfang kam endlich der Sommer auch in Norddeutschland an. Beim Einchecken in Hamburg-Altona hatten wir um 18.00 Uhr noch locker 28 °C. Wir waren viel zu früh, da die Verladung erst um 19.45 beginnen sollte. Also nutzten wir die Zeit für ein Essen im gegenüberliegenden Restaurant.

Ein bisschen aufgeregt waren wir schon, als dann die Durchsage zur Aufstellung kam. Mir kamen Zweifel, ob wir wirklich mit den Moppeds auf die Transportfläche passten. Zuvor gesehene Videos in UTube waren auch nicht gerade aufbauend. Und ein vorher geführtes Gespräch mit einem Ténéré-Fahrer bestätigte, dass nicht wirklich viel Platz nach oben sei und man eigentlich bei großen Reiseenduros nur auf dem Tank liegend fahren könne.

Axel hatte dann noch die Idee, das ESA auf 1-Personen-Betrieb zu stellen, was wir auch taten. Trotzdem war ich immer noch skeptisch, wie wir "liegend" mit unseren Tankrucksäcken hätten fahren können. Kurzerhand nahm ich meinen Tankrucksack ab und sicherte ihn auf dem Soziusplatz. Da Axel wegen der Gepäckrolle diese Möglichkeit nicht hatte, pflanzte ich seinen kurzerhand auf meinen und befestigte beide mit einer Gepäckspinne. Dass das die beste Entscheidung war, zeigte sich kurze Zeit später beim Einfahren auf die Ladefläche.

Als ich dann auf der Rampe stand und versuchte, den Ausführungen des Personals zu folgen, sah ich nur diese winzige niedrige Durchfahrtshöhe und war zeitgleich sicher, dass ich da hängenbleiben würde. Also legte ich mich auf den Tank und fuhr mit den Füßen paddelnd los. Der Klapphelm musste laut Anweisung geschlossen sein. Durch die unnatürliche Haltung drückte meine Jacke den Helm auch noch nach vorne, so dass eigentlich nur ein kleiner Sehschlitz nach unten blieb. Ich hatte keine Ahnung, wo und wie weit ich noch rollen musste. Der Versuch, den Kopf ein wenig zu heben, um zu schauen, wurde mit einem "Dong, Dong", etlichen Kratzern auf dem Helm und einen Schlag ins Genick bestraft. Und das nicht nur einmal.

Nach gefühlten 10 Minuten, nach 1 Stopp, um durchatmen zu können, erreichte ich hyperventilierend den für mich vorgesehenen Platz auf der Ladefläche. Die Frage nach dem Absteigen erübrigte sich, da es außer Sich-seitlich-nach-links-fallen-lassen keine Alternative gab. Schon wuselten etlich Leute um mich herum und sicherten mein Mopped. Jetzt nur noch die Tankrucksäcke in gebückter Haltung mit mindestens 2 "Dongs" abnehmen und sich auf dem Bahnsteig erst einmal gerade machen. Grüße an den Rücken. Ein leichter Anflug von Neid erfasste mich, als ich einen Chopperfahrer in aufrechter Haltung auf den Zug auffahren sah. Der verflog aber gleich wieder.

Axel schien es nicht anders zu gehen. Das zeigte mir sein leicht gerötetes Gesicht, die tiefen Druckstellen der Brille auf dem Nasenrücken und die Schnappatmung. Er musste zudem noch einen Koffer abmachen, weil darin unsere Utensilien für die Nacht enthalten waren, die Tasche herausnehmen und den Koffer wieder anbauen. Durch den über den Soziussitz vergurteten Packsack kein leichtes Unterfangen und das alles in gebückter Haltung. Wir waren mehr als glücklich, dass wir diese Hürde geschafft hatten und sagten uns, dass es morgen nicht mehr so anstrengend werden würde, da wir ja relativ weit vorne standen. Vor uns befanden sich nur etwa 5 Moppeds... Gott sei Dank.
 


Beim Einchecken
 


Warten auf die Verladung
 


Einfahrt auf die Laderampe
 


kein Platz mehr nach oben
 

Wir hatten einen 6er-Liegewagen mit 4er-Belegung gebucht. Nichtsahnend, was uns erwarten würde. Unser Abteil fanden wir dann ziemlich schnell und waren einigermaßen erstaunt, wie schmal das Abteil doch war. Hier sollten 4 ausgewachsene Leute übernachten? Mit Gepäck und Klamotten? Oha...zum Glück hatten wir die beiden unteren Plätze reservieren lassen.

Jedenfalls zogen wir erst einmal unsere Motorradsachen aus und verstauten sie auf den über uns befindlichen Liegen. Nachdem 2 Tankrucksäcke, Helme und Klamotten dort verteilt waren, kamen wir zum Schluss, dass eigentlich kein Platz mehr für weitere Mitfahrer vorhanden war. Es war höllisch warm im Zug und auf dem Flur liefen Leute hin und her und suchten ihr Abteil.

Uns irritierte etwas, dass in unserem Abteil nur 2 Flaschen Wasser und 2 Gläser standen, während in anderen Abteilen 3 oder 4, teilweise sogar 6 Flaschen mit Gläsern standen. Dann setzte sich der Zug auch schon in Bewegung... und wir waren immer noch alleine im Abteil. Wir bekamen mit, dass nebenan lauthals diskutiert wurde und irgendjemand mit österreichischem Akzemt eine etwas keifige Frau mit den Worten "Mäßigen Sie sich, gnädige Frau, mäßigen Sie sich..." zu beruhigen versuchte. Dass sich dort 6 Personen das Abteil teilen mussten und die Frau mit 2 Kindern sich über die "Überbelegung" beschwerte, erfuhren wir erst in Wien, denn unter den 6 Personen befand sich auch der nette Ténéré-Fahrer, mit dem wir uns in Hamburg unterhalten hatten. Hätten wir das gewusst, hätten wir ihm natürlich einen Platz in unserem Abteil angeboten.

Ich weiß nicht wieso, aber wir hatten scheinbar richtig Glück. Zwar zuckten wir noch einmal beim nächsten Halt am Dammtor-Bahnhof zusammen, als neue Fahrgäste dazustiegen und zwei kurz vor unserem Abteil verharrten, dann aber weitersuchten. Wir hatten das Abteil tatsächlich für uns. Was für ein Luxus...

Mittlerweile funktionierte auch die Klimanlage bestens und wir konnten uns in gemütlicher Atmosphäre auf unseren Urlaub einstimmen. Irgendwann gegen 0.00 Uhr machten wir das Licht aus und versuchten zu schlafen. Ziemlich schwierig bei dem Gerumpel auf den Gleisen, aber trotzdem haben wir wohl die eine oder andere Stunde geschlafen oder zumindest gedöst.

Gefahrene Bahn-Kilometer: ca. 1.000
 


ein strahlender Axel
 


Zwischenstopp HH-Hauptbahnhof
 

Samstag, 4. Juli 2015
 

Wir hatten dem Zugbegleiter am Abend zuvor auf Nachfrage gesagt, dass wir gerne um 7.30 Uhr frühstücken möchten. Das klappte auch hervorragend. Allerdings bestand das Frühstück aus 2 pappigen Brötchen, 1 kleines Stückchen Butter und 1 (!) Miniportion Kirschmarmelade. Dazu gab es Kaffee. Ich hatte echte Mühe, die Butter und die Marmelade gleichmäßig auf 4 Hälften zu verteilen. Die Brötchen saugten den Belag sofort auf wie ein Löschblatt. Zum Glück konnte man dann beim Essen die sich am Gaumen festsaugende Pappe mit einem Schluck Kaffee wieder lösen.
 


Unser reichhaltiges Frühstück
 


Wien Hauptbahnhof
 

Gegen 9.00 Uhr erreichten wir dann den Verladebahnhof in Wien. Damit wir in Fahrtrichtung die Waggons verlassen konnten, wurden diese vorher abgekoppelt und dann auf einen Nebengleis geschoben. Was wir dann aber so langsam realisierten, ließ uns fast verzweifeln. Die Waggons wurden einfach an einen bereits dort stehenden leeren Autozug angekoppelt....und plötzlich hatten wir nicht nur die 5 Moppeds aus Hamburg vor uns, sondern noch einmal 8 leere Waggons, die wir in liegender Haltung bis zur Laderampe durchfahren mussten.

Schon das Aufsteigen auf das Mopped mit geschlossenem Helm in gebückter Haltung ging gar nicht. Kopf, Oberkörper und rechtes Bein in einer waagerechten Linie...das sah aus, als wenn wir Yoga machen oder für Bruce Lee-Filme trainieren wollten. Gibt bestimmt auch einen Namen für diese Figur. Jedenfalls schafften wir es irgendwie, den rechten Fuß auf die Sitzbank zu bekommen und sich langsam mit seichtem Gehüpfe in die liegende "Sitzposition" zu ziehen. Natürlich fehlten auch hier die "Dongs" nicht.

Dass wir nicht geübt in dieser Disziplin waren, zeigte sich daran, dass hinter uns bereits einige Maschinen brummten und auf unsere Weiterfahrt warteten.

Auch hier das gleiche Spiel wie in Hamburg. Keine Sicht, gefühlte 40 °C und Atemnot. Und sichtliche Erleichterung, als sich unter uns die stählerne Ladefläche nach 8 durchfahrenen Waggons in Beton verwandelte. Geschafft...
 


Verladebahnhof in Wien
 


Endlich Beton unter den Reifen
 

Wir wollten schnell raus aus Wien und auch aus Österreich. Allerdings hatten wir wenig Lust auf Mautgebühren und nutzten deshalb nicht die Autobahnen. War ja auch nicht mehr weit bis zur Ungarischen Grenze.

Diese erreichten wir nach etwa 70 KM. Nach der Grenze besorgte uns Axel dann erst einmal eine E-Vignette, da wir auch Ungarn schnellstmöglich durchqueren wollten. In Österreich und Ungarn waren wir bereits einige Male gewesen und wollten hier jetzt keine Zeit verdödeln. Deshalb entschieden wir uns für die schnelle Variante auf der Autobahn.

Bei 38 °C war aber dann doch die eine oder andere Pause fällig, da die körpereigenen Wasservorräte zur Neige gingen. Auf einem Parkplatz, natürlich ohne irgendeinen Schatten spendenden Baum, sprach uns ein junger Mann an und wollte uns ein "original" I-Phone für 70,- € verkaufen. Ja, klaaar.... Als wir dankend ablehnten, gab sich dieser damit aber nicht wirklich zufrieden und bedrängte uns weiter. Nachdem wir ihm wortlos unser Desinteresse gezeigt hatten, indem wir Schutz vor der Sonne unter dem Dach des Imbisses suchten, kam der nächste und bot uns ein "original" Samsung S6 für 60,- € an. Nun reichte es uns, wir nahmen noch einen kräftigen Schluck aus der Wasserflasche und fuhren weiter.
 


Ungarische Grenze
 


1. Pause
 

Dann erreichten wir Budapest. Axel hatte einen schönen Punkt direkt an der Donau herausgesucht, an dem wir unsere nächste Pause machen wollten. Mir war schon beim Verlassen der Autobahn aufgefallen, dass Axel auffällig viel an seinem Navi herumspielte. Dass er dort "Candy Crush Saga" oder "Moorhuhn" spielte, bezweifelte ich. Also konnte irgend etwas nicht stimmen.

Beim nächsten Stopp an einer Ampel fragte Axel mich, ob ich die Tour auf meinem Navi hätte. Als ich bejahte, bat er mich die Führung zu übernehmen. Wah??? Ich???? Meine Tourguide-Qualitäten entsprechen in etwa einem "mangelhaft" in der Schule. Trotzdem versuchte ich, uns möglichst reibungslos durch Budapest zu lotsen. Leider war aber an einer Kreuzung die vor uns liegende Straße gesperrt und ich mich musste mich entscheiden, ob wir nun rechts oder links abbiegen sollten. Ich entschied mich für rechts...böser Fehler, gaaanz böse.

Danach klappte nichts mehr. Ich versuchte, immer wieder zu dem angestrebten Punkt zu gelangen. Doch aufgrund eines Polizeieinsatzes waren alle Straßen, die wir hätten fahren können, gesperrt. Nach kurzer Abstimmung einigten wir uns auf "schnellsten Weg hier raus". Da ich das Navi nicht neu rechnen lassen wollte (weil es uns sonst wieder zu dem Waypoint an der Donau geschickt hätte), versuchte ich anhand des Screens zur Route zurück zu kehren. Doch auch das misslang, da wir uns auf einer 6-spurigen Hauptstraße befanden und nirgends links abbiegen durften, was aber zwingend notwendig war.

Aus der Not heraus riskierten wir es dann doch illegalerweise, setzten den Blinker und ordneten uns links ein. Die Ampel sprang um und alle Fahrzeuge setzten sich in Bewegung. Allerdings blockierten wir nun die nach uns kommenden Autos, da wir erst den Gegenverkehr durchlassen mussten. Was dann folgte, war ein durch 3.000 Tröten verursachtes Hupkonzert. Als dann auch noch eine Straßenbahn in ungebremster Fahrt auf uns zukam, verloren wir die Nerven und fuhren geradeaus weiter. Ja, mein Gott...man hätte ja auch mal Rücksicht auf Ausländer nehmen können. Ich war jedenfalls bedient.

Nach einer gefühlten Stunde im dicksten Verkehr waren wir dann endlich wieder auf der geplanten Route und konnten weiter. Beim nächsten Tankstopp erfuhr ich dann von Axel, dass keine einzige Route sauber importiert wurde und es keine Feindaten gab. Na, toll...

Später erreichten wir dann Debrecen, die zweitgrößte Stadt Ungarns und damit unser Etappenziel für heute. Leider hatte man die Juhe, in der wir übernachten wollten, "geklaut". Machte aber auch nichts, denn berauschend hatte diese im Internet nicht ausgesehen. Nach einer kurzen Suche im Navi fanden wir in 200m Entfernung die tolle Pension Minerva, wo wir sogar unsere Moppeds auf dem abschließbaren Hinterhof parken konnten. Zudem gab es in dem 2-geschossigen Gebäude sogar einen Aufzug. Das nenn ich Service. Was weniger gefiel war, dass wir am nächsten Morgen für eine zweite Tasse Kaffee zusätzlich zahlen mussten.

Den restlichen Abend nutzten wir für die Verkostung einer riesigen Pizza und dem Studieren des Roadbooks für morgen. Etwas später fanden wir dann auch heraus, dass aus irgendeinem Grund auf Axels Navi nur noch die West-Europa-Karten installiert waren. Der Supergau für einen Tourenguide. Was für ein Glück und die Rettung für unseren Urlaub, dass auf meinem Navi alle Karten vorhanden waren und alle Routen korrekt liefen. Am nächsten Tag entschlossen wir uns, die Navis und Headsets zu tauschen, damit Axel uns wieder wie gewohnt sicher entlang der Routen führen konnte.

Gefahrene Kilometer Wien - Debrecen: 478,1
 


Riesenpizza
 


heute gefahren (klick für Großansicht)
 

Sonntag, 5. Juli 2015
 

Der heutige Tag fing noch heißer an als der gestrige und ich war froh, dass wir unsere Sommerkombis mitgenommen hatten. Überhaupt nicht froh war ich, dass sich das Netzteil einer meiner Kameras verabschiedet hatte und diese nun nur noch auf Akku-Betrieb laufen konnte. Schöne Bescherung, zumal nun ein dauerhafter Betrieb über den ganzen Tag ausgeschlossen war.

Bereits vor 9.00 Uhr verließen wir Debrecen in Richtung rumänische Grenze, welche wir nach etwa 50 KM auch erreichten.
 


noch etwa 30 Kilometer bis Rumänien
 


rumänische Grenze
 

Von den Grenzern hörten wir dann ohne eine Miene verziehend nur das Wort "Passport". Zu zweit durchblätterten sie jeweils unsere Reisepässe, blieben kurz beim russischen Visum aus 2011 hängen und gaben sie uns wortlos zurück. Natürlich musste auch hier das "Beweisfoto" gemacht werden und wir freuten uns auf das Highlight, die Transfagarasan.

Nachdem wir auch hier gleich nach der Grenze erst einmal Geld getauscht haben, fanden wir in der nächsten großen Stadt Oradea dann überraschenderweise das Kaufhaus "real". Die Chance, nach einem Netzteil für meine Kamera zu suchen. Leider kam ich hier mit Englisch nicht weit und hatte auch keinen Erfolg bei der Suche. Beim Verlassen des Kaufhauses bemerkte ich dann aber eine junge Frau, die an einem externen Stand Handys und Zubehör verkaufte und sprach sie an und nach einem kurzen Augenblick hatte ich ein neues Netzteil und war glücklich.

Nach dem Verlassen der Stadt ging es auf der geplanten Route weiter gen Osten. Doch jetzt zeigte sich Rumänien von einer ganz anderen Seite. Die Straßen waren derartig schlecht, dass wir viele Etappen wirklich nur im Stehen fahren konnten. Ungesicherte Baustellen, Schlaglöcher, Schotterpisten, abgebrochene Straßenstücke, Kieshaufen auf der Straße und hohe Fahrbahnabsätze in der Mitte wechselten sich ab.

Es folgte ein Dorf auf das andere. Die maximale Entfernung dazwischen betrug vielleicht 400 Meter, und alle Häuser waren kilometerlang entlang der einzigen Straße gebaut. 50 Km/h wechselte sich vor Kurven und Schulen mit 30 Km/h ab. Auffällig war auch die enorme Polizeipräsenz und wir hielten uns peinlich genau an die Vorgaben. Den Einheimischen schienen die Tempolimits nicht zu stören. Innerorts wurden wir immer wieder locker mit 80 Km/h von Rumänen überholt, selbst von LKWs.
 


'real' in Oradea
 


Überholmanöver - völlig normal
 


so sahen viele Straßen aus
 


der ganz normale "Straßen"-Wahnsinn
 

Irgendwie war die ganze Fahrerei ziemlich öde. Man schaffte durch die schlechten Straßen und die aneinander gereihten Orte nichts. Dazu kam die brütende Hitze. Nach den Beschreibungen anderer Motorradfahrer hatte ich mir Rumänien irgendwie auch spannender vorgestellt.

Trotz der Einkaufsarie lagen wir noch ganz gut in der Zeit und Axel entschied, dass wir noch zur "Peștera Urșilor" (zu deutsch "Bärenhöhle") fahren, eine der bekanntesten Touristenattraktionen in Rumänien. Je näher wir dem Ziel kamen, desto besser wurden die Straßen. Die finale Etappe zur Höhle war sogar neu geteert. Das waren wohl die einzigen 10 Kilometer in Rumänien, in denen wir nicht durchgeschüttelt wurden.

Am Ziel mitten im Nirgendwo war alles auf Tourismus ausgelegt. Souvenirstände, Cafés, Restaurants und sogar ein Hotel gab es hier. Wir schauten uns erst einmal alles an, erkannten aber dann, dass ein Besuch der Höhle für uns nicht in Frage kam. Wir hatten einfach keinen Platz, um Helme, Tankrucksäcke und Motorradjacken irgendwo sicher zu verstauen, und Schließfächer gab es hier nicht. Also gaben wir uns mit einem Kaffee und einem leckeren Eis im Schatten einer überdachten Terrasse zufrieden.
 


frisch geteerte Straße und Souvenirshops
 


Platz im Schatten an der Bärenhöhle
 

Nach der kleinen Stärkung sollte es wieder auf die Hauptstraße gehen. Laut Navi führte dort auch östlich eine Straße hin. Also sind wir der dann auch gefolgt. Es dauert nicht lange und wir befanden uns in einem kleinen Dorf ausschließlich bestehend aus Schotterpisten. Und auch der weitere Weg in Richtung Hauptstraße war unbefestigt. OK, wenn man mal 500m solche Strecken fahren müsste. Aber bitte nicht geschätzte 20 KM. Zudem wussten wir nicht, wie sich der Weg weiter entwickeln würde. Also drehten wir um und fuhren die ganze Strecke zurück bis zur Hauptstraße. Der ganze Spaß hat uns über eine Stunde Zeit gekostet.

Irgendwann bogen wir zum Glück links ab und nun lagen die ersten Ausläufer der Karpaten vor uns. Die weitere Tour führte uns über schöne Strecken, die in irgendeinem Skigebiet lagen. Ich filmte, was das Zeug hielt. Traumhafte Landschaft, abgelegen, man konnte mal richtig Gas geben. Auch das Gebiet um Rosia Montană durchfuhren wir, welches zu den ältesten und bedeutendsten Gold-Lagerstätten Europas zählt.

Der Ausflug zur Bärenhöhle und die Netzteil-Kaufaktion hatten nun aber doch empfindlich in unsere Zeitplanung reingehauen. Wir erreichten das "Hotel Transsilvanien" in Alba Lulia erst gegen 20.00 Uhr. Da waren die Schatten schon ein wenig länger. Beim genaueren Betrachten des Hotels von außen erkannten wir, dass dies (entgegen zu den vorherigen Bildern aus dem Internet) zu einem reinen schickimicki-Hotel umgebaut wurde. Drinnen gab es Marmor, eine offenen Galerie und gestylte Rezeptionisten. Och nö....wir wollten es da doch lieber ein wenig rustikaler.

Axel war bei der Ankunft in Alba Lulia die kleine Pension "Vila Dutu" aufgefallen, die eine tolle Terrasse hatte und urgemütlich aussah. Also nix wie da hin. Kurz eingecheckt, geduscht und dann schnell auf die Terrasse ein kühles Bierchen trinken. Dazu noch einen Salat und fertig war der perfekte Tagesausklang. Fast perfekt...kleines Wehrmutströpfchen: meine Fahrtkamera hatte sich mehrmals während der Fahrt einfach von alleine ausgeschaltet. Eine genauere Untersuchung ergab, dass sie einen Wackelkontakt an der Stromversorgung hatte. Also, aus die Maus mit tollen Fahrtvideos. Ich fasste es nicht...

Gefahrene Kilometer Debrecen - Alba Lulia: 392
 


die Kuh ließ sich nicht aus der Ruhe bringen
 


Rosia Montana
 


Lange Schatten in Alba Lulia um 20.00 Uhr
 


Heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Montag, 6. Juli 2015
 

Heute kamen wir erst spät los. Obwohl wir frühzeitig abreisebereits waren, dauerte es, bis wir endlich unser Frühstück bekamen. Die Wahl zwischen "italian breakfast" und "traditional breakfast" fiel auf Letzteres und bescherte und einen Quader Fleisch (wahrscheinlich Pute) und einen Quader Käse. Dazu in Streifen geschnittene Gurken, Tomaten und noch ein bisschen Grünzeug und Kaffee, fertig. Kein Brot, keine Butter. Aha... das war also traditional.

Dann ging es erst einmal zur Tanke. Während des Tankens zeigte uns ein Blick auf die Ölstandsanzeige, dass auch hier nachgefüllt werden musste. Gesagt, getan. Dann erspähte ich "Kaufland". Eine gute Möglichkeit, die Wasservorräte aufzufüllen und nach Fahrradhandschuhen zu suchen, denn das ständige Aus- und Angeziehe der Motorradhandschuhe nervte (weil eine Handykamera nun einmal nicht mit Handschuhen funktioniert). Die Fahrradhandschuhe fand ich dann auch, allerdings ausschließlich in der Größe "M". Ach herrje, wer hat denn schon "M"? Genervt schmiss ich die Dinger wieder ins Regal zurück.

Um 9.30 Uhr konnten wir dann endlich bei bereits 28 °C starten. Planmäßig viel zu spät, da heute sehr anspruchsvolle Strecken auf der Agenda standen, u.a. auch die Transfagarasan.

Straßentechnisch spielte sich das Gleiche wie gestern ab. Auffällig war ab hier jedoch, dass immer mehr sogenannte Straßenhunde zu sehen waren. An jedem Parkplatz, in jedem Dorf fand man sie. Manchmal alleine, manchmal in Rudeln. Überhaupt setzte ab hier irgendwie ein leichte Beklemmung ein. Die heruntergekommenen Häuser, die ärmlich gekleideten im Schatten sitzenden Menschen, die Autos, die man hierzulande in dem Zustand nur noch bei "Kiesow" fand...überhaupt alles.

Dann erreichten wir die Stadt Sibiu und somit wohl auch den Höhepunkt des "Hupkonzertes" der Autofahrer. Jeder kleinste Fehler wurde gnadenlos mit fettem Getröte bestraft. 2 Sekunden zu lange an einer Abbiegung gestanden und schon dröhnten Schiffshörner mit gefühlten 150 dB  hinter einem. Ich dachte immer, dass man ein bisschen verschont wird, weil man ja quasi Ausländer ist. Aber nicht in Rumänien. Der dichte Verkehr machte alles noch schwieriger und ich musste zusehen, dass ich Axel nicht verlor, denn mein Navi (bzw. Axels) funktionierte ja nicht. Langsam lagen unsere Nerven blank. Zum Glück konnten wir Sibiu heil und gemeinsam verlassen und wieder auf ruhigere Straßen wechseln. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich die anderen Motorradfahrer nicht verstehen, die Rumänien immer wieder einen Besuch abstatteten und von ihren Touren schwärmten. Wir hatten bislang absolut nichts Spannendes erlebt.

Als wir dann endlich die Transfagarasan erreichten, machte sich erstmals wieder ein Gefühl der Leichtigkeit breit. Wie oft hatte man in Zeitschriften darüber gelesen, von anderen Motorradfahrern Bilder gesehen. Und nun war man selber für das Abenteuer bereit.
 


Beginn der Transfagarasan
 


Der Spaß beginnt....
 

Ja, es machte Spaß ohne Zweifel. Es war relativ wenig Verkehr und man konnte den Kurvenrausch so richtig genießen. "Kurvenporno" hatte ich mal in irgendeinem Bericht gelesen. Und ich muss sagen, dass er da nicht ganz Unrecht hatte. Und wir reden hier von ungefähr 70 KM Länge.

Später las ich im Internet, dass die Transfagarasan vom 01.11.14 bis 30.06.15 zwischen dem Balea Lac und Piscu Negru auf etwa 10 Kilometern gesperrt war. Da haben wir ja dann noch einmal richtig Glück mit unserer Terminwahl gehabt.

Ein bisschen erinnerte die Strecke an das Stilfzer Joch. Aber das sah man eigentlich erst kurz unterhalb des Paltinu, einem Berggrat der Karpaten. Jetzt noch die letzte Etappe und wir hatten den höchsten Punkt erreicht. Das war, als wenn man ein Tor öffnet. Von karger Landschaft ungebremster Übergang zu reinstem Rummel. Buden, Buden und nochmals Buden...soweit das Auge reicht. Überall wuselten Leute herum, Händler boten ihre Waren an. Hier gab es alles: Mützen, Mettwürste, Kristalle, Postkarten, Stofftiere, Souvenirs mit dem Aufdruck der Transfagarasan. Egal, ob Tasse, Metallschild, Zinn- oder Wandteller. Für jeden Geschmack war etwas dabei.
 


vor uns liegende Serpentinen
 


Beweisfoto mit Axel
 


Axel beim Shoppen
 


Ein bisschen Spaß muss sein
 

Am oberen Punkt hatten wir nur noch 16 °C. War schon etwas schattig, denn hier lag zum Teil sogar noch Schnee. Genau wie woanders auch, wühlten Straßenhunde in Mülleimern und suchten nach etwas Fressbarem. Zuerst dachte ich, dass der ganze Unrat um die Tonnen herum von den Touristen stammt. Ein riesengroßer Zottelhund belehrte mich eines Besseren und zeigte, wie geschickt er sich Tüten zu eigen machte und die darin enthaltenen Essensreste verzehrte.

Witzig war noch ein Huski, der unter Aufsicht seines Herrchens wie verrückt im Schnee spielte, sich wälzte und herumsprang. Er fühlte sich scheinbar richtig wohl.

Genug gesehen. Jetzt ging es wieder abwärts. Vor uns lag ein langer sehr schlecht beleuchteter Tunnel. Der Straßenbelag schien das Licht unserer Scheinwerfer quasi zu verschlingen. Zudem war die Fahrbahn nass und die aufwirbelnde Feuchtigkeit setzte sich auf dem Visier ab. Ich wischte mit meinem Handschuh. Und auch hier kann ich nur sagen: groooßer Fehler. Danach sah ich nichts mehr und musste auf Axels Rücklicht vertrauen.

Geschafft. Nun konnte es weiter talwärts gehen. Landschaftlich war es von dieser Seite fast noch schöner. Während auf der anderen Seite die Gegend schroff und karg war und sich eine Serpentine an die andere reihte, zeigte sich die Natur auf dieser Seite in einem wunderschönen Grün mit langgezogenen Kurven. Allerdings waren sie nicht immer gut einsehbar, da Bäume oftmals die Sicht versperrten. Trotzdem genossen wir die Abfahrt.

Gut 1 Stunde später machten wir dann erst einmal eine kleine Pause und ließen das Erlebte wirken. Axels zufriedenes Grinsen bestätigte auch mein Bauchgefühl... alles richtig gemacht!!!
 


Straßenhund bei der Nahrungssuche
 


Polenta mit Käse gefüllt - wog bestimmt 1 Kilo
 


Es ging wieder talwärts
 


Kaffeepause
 

Die weitere Fahrt ging durch fantastische Landstriche, allerdings wurden die Straßen wieder schlechter. Fassungslos war ich, als wir fast ungebremst und ohne Vorwarnung in tief in die Straße gefräste Rillen gefahren wären. Unser Glück war, dass vor uns ein paar Autos abgebremst hatten. Vorher war kein einziges Hinweisschild zu sehen.

Danach fuhren wir noch über einen anspruchsvollen Pass im wahrsten Sinne des Wortes durch die Walachei im Kreis Argeș und anschließend im Kreis Brașov (Region Siebenbürgen) und erreichten dann letztendlich unser heutiges Etappenziel Bran. Schon von Weitem konnte man das "Schloss Bran" sehen. Das "Dracula-Schloss" diente  dem irischen Schriftsteller Bram Stoker als Vorlage für die Burg seiner blutschlürfenden Romanfigur Graf Dracula. Natürlich hatte sich dadurch die ganze Region auf Tourismus eingestellt. Überall konnte man Gebisse und Vampirmasken und anderen Schnickschnack erwerben. War schon irgendwie belustigend, aber trotzdem auch ein bisschen gruselig.

Übernachten wollten wir beim Vampire-Camping. Auch hier hatte man werbewirksam zumindest den Namen verwendet. Leider hatte der Platz aber keine Hütten oder Mietwohnwagen. Und im Zelt schlafen wollte ich bei den ganzen streunenden Hunden und wild lebenden Bären nicht. Und wer weiß...vielleicht gab es hier auch (Wer)Wölfe?

Ein Tipp des Campingplatz-Besitzers führte uns dann zu einer kleinen Pension etwa 400m weiter. Lag zwar etwas abseits, aber man hatte einen tollen Blick auf die südlichen Karpaten. Und günstig war es hier auch. Wir mussten nur etwa 22,- € für die Übernachtung mit Frühstück bezahlen, und das für uns beide.

Etwas irritiert waren wir, als wir später auf der Terrasse saßen und gerne ein Bierchen getrunken hätten. Leider war außer uns kein weiterer Gast im Haus, aber auch kein Besitzer. Die Haustür stand offen, aber es war keiner weit und breit zu sehen. Auch lautes Rufen half nichts. Wir waren alleine...mutterseelenalleine...in Transsilvanien...irgendwo in der Walachei. Als ich dann auch noch eine Katze im Halbdunkeln erblickte, deren Maserung im Gesicht einem Vampirgebiss glich und ein zugeklappter Sonnenschirm wie eine Hexe mit Hakennase, Hut und Umhang aussah, rührte ich mich nicht mehr von der Stelle. Ich weiß, dass meine Fantasie oft lebhaft ist, aber wenn selbst Axel den Sonnenschirm skeptisch beäugt, dann will das schon was heißen ;-). Jedenfalls endete dann dieser Abend für uns recht früh. Zwar ohne Vampirbisse, dafür aber mit reichlich Mückenstichen.

Gefahrene Kilometer Alba Lulia - Bran: 332,5
 


gefährlich tiefe Ausfräsungen
 


Ankunft in Bran
 


Unsere Pension mit Blick auf die Karpaten
 


So sind wir heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Dienstag, 7. Juli 2015
 

Bereits um 8.00 Uhr saßen wir schon auf den Moppeds, denn heute hatten wir mehr als 500 KM zu fahren. Zum Abschied machten wir noch einmal ein Foto vom Schloss von der anderen Seite und natürlich ein Foto vom Vampire-Camping-Schild.
 


Start in Bran um 8.00 Uhr
 


Über diese Brücke musst du fahren...
 


Schild vom Vampire-Camping
 


Axel mit Schloss Bran im Hintergrund
 

Als wir die Stadt verließen, lagen wieder gähnend langweilige Straßen vor uns. Wir verhielten uns vorschriftsmäßig, was aber die anderen Verkehrsteilnehmer scheinbar massiv nervte. Nicht nur in der Stadt, sondern auch außerhalb wurden wir wieder von allem Fahrbaren überholt.

Wir quälten uns über 3 Stunden durch Staus, Baustellen und Hitze. Dann mussten wir Gott sei Dank tanken und füllten erst einmal alle Energiereserven auf. Die restlichen Lei gaben wir für Baguettes mit Pute, Eis, einzeln verpackte Mini-Biskuitrollen und Wasser aus. Bei 38 °C im Schatten konnte man das Eis gar nicht so schnell essen, wie es einem die Finger runterlief. Abgesehen davon, dass die Finger nun klebten, hatte ich mich damit auch noch ordentlich bekleckert.

Nachdem wir alles sorgfältig verstaut hatten, ging es über die Autobahn weiter. Unser nächster Stopp sollte erst wieder an der rumänisch-bulgarischen Grenze bei Călărași direkt an der Donau sein. Diesen erreichten wir dann auch gegen 13.30 Uhr. Ein Schild wies zur Fähre und dort waren auch die Gebühren aufgeführt. 2,- € pro Mopped...na, das war ja mal erfreulich, denn Axel hatte vorher im Internet Kosten in Höhe von 3,- € pro Mopped recherchiert. Plötzlich waren wir etwas unsicher, denn das "Ferry-Schild" zeigte weiter geradeaus, links jedoch erspähten wir eine kleine Fähre und bereits ein paar davor wartende Passagiere. Wir entschieden uns dann auch für links und stellten die Moppeds ab. Sofort wurden wir freundlichst begrüßt. "Gutt Bä äM Wä, säähr gutt" strahlten uns die Männer an. Während Axel im Kabuff verschwand um zu bezahlen, lungerten immer noch zwei scheinbar zum Personal gehörende Einheimische um die Moppeds und mich herum. Und immer wieder hörte ich "säähr gutt, säähr gutt, Deutschland säähr gutt, Bä äM Wä gutt" gepaart mit Daumen-Hoch-Gesten.

Dann legte die Fähre an und wir konnten auf die Plattform fahren, denn mehr war das eigentlich nicht. Ein Stück schwimmendes Eisen, das von einem Boot geschoben wurde. Sah nicht wirklich vertrauenserweckend aus. Als die Fähre ablegte, erwähnte Axel dann so nebenbei, dass er an der Kasse pro Mopped 5,- € bezahlen musste. Und nun wusste ich auch, warum die dort so überschwenglich freundlich waren.

Nach etwa einer halben Stunde Überfahrt erreichten wir dann die bulgarische Grenze in Silistra. Der Grenzer wollte alle Papiere haben, konnte aber nicht wirklich etwas damit anfangen. Scheinbar ahnungslos überflog er die Dokumente und gab sie uns wortlos zurück. Sehr freundlich, vielen Dank. Dann waren wir in Bulgarien und näherten uns dem "Familientreffen am Schwarzen Meer".
 


Standardübung Überholmanöver
 


Hinweisschild zur Fähre
 


Fähre über die Donau
 


Auffahrt auf die Fähre
 


Grenze zu Bulgarien
 


Lidl gab es auch hier
 

Das erste vertraute Schild, das wir sahen, war Lidl. Ansonsten war irgendwie alles bedrückend. Es war brüllend heiß, die Luft staubig, die Straßen... welche Straßen überhaupt? Auch landschaftlich war jetzt außer Sonnenblumenfeldern nichts Spannendes mehr zu entdecken. Auch die wenigen Dörfer, durch die wir fuhren, wirkten verlassen. Hin und wieder sah man jemanden im Schatten sitzen. Ansonsten waren unsere Motorräder das Einzige, was man hören konnte.

So langsam fielen mir vom eintönigen Fahren die Augen zu. Ich gähnte und versuchte krampfhaft die Augen aufzubehalten. Es nützte nix, wir brauchten eine Pause.

Hier war außer lautes Zirpen nichts zu hören. Ein Hund saß in ein paar Metern Entfernung und verfolgte genau, was wir machten. Unsere zuvor auf der letzten Tanke gekauften und einzeln verpackten Biskuitröllchen sahen irgendwie auch nicht mehr so gut aus. Die dünne Kunststoffhülle stand kurz vor der Explosion; wahrscheinlich durch die hohen Temperaturen im Koffer. Nach dem Öffnen erkannten wir dann, dass sich die Füllung der Biskuitröllchen verflüssigt hatte und alles nur noch ein aufgeschäumter Brei war. Auch das Wasser hatte mindestens 50 °C Trinktemperatur. Aber egal, Hauptsache Flüssigkeit.

Am liebsten hätte ich mich eine halbe Stunde zum Schlafen in den Schatten gelegt. Aber wir mussten weiter, da wir heute noch Sveti Vlas erreichen wollten. Axel fiel dann ein, dass er ja noch auf seinem Navi Musik gespeichert hatte. Prima, da wir die Navis wegen der fehlenden Karten getauscht hatten, kam ich nun in den Genuss und konnte mir fetzige Bikermucke reinziehen. Das hielt wach. :-)
 


wir wurden aufmerksam beobachtet
 


Das Zumo als Musikplayer
 

Mittlerweile war es halb 4, das Navi zeigte als Ankunftszeit 18.15 Uhr und noch etwa 180 KM an. Also fuhren wir weiter. Immer noch öde Straßen und karge Landschaften. Per WhatsApp hatten wir uns mit den Kindern schon ausgetauscht, wann wir etwa ankommen werden und dass sie uns schon mal ein Bierchen kaltstellen sollten.

Varna erreichten wir um 16.30 Uhr und hatten damit unseren ersten richtigen Blick aufs Schwarze Meer. Ansonsten war Varna mit allen anderen Städte vergleichbar. Viel Verkehr, genervte Autofahrer und auch hier Gehupe, Gehupe und nochmals Gehupe.

Das Navi führte uns weiter entlang der Küstenstraße, leider aber ohne Blicke aufs Meer. Wir näherten uns endlich dem Ziel... als dann Axel den Blinker setzte und an einer Abzweigung die Hauptstraße verließ. Hä? Ich verstand nichts mehr. Auf meinem Navi war ja nichts zu sehen, also musste ich darauf vertrauen, dass alles seine Richtigkeit hatte.

Die schmale Straße hieß Djulinskipass und entwickelte sich zu einem reinen Knüppeldamm. Tiefe Schlaglöcher, unbefestigte Seiten, Aufbrüche. Zudem fuhren wir jetzt fast nur noch westwärts, was mich wunderte, denn Sveti Vlas lag direkt an der Küste zwischen Varna und Burgas. Durch die bereits tiefer stehende Sonne sah ich in einer leichten Kurve das tiefe Schlagloch zu spät und als mir ein entgegenkommender PKW auch noch die Gelegenheit zum Ausweichen nahm, knallte ich voll hinein, was sich auch gleich mit einem fiesen Schmerz im Lendenwirbelbereich rächte. Mir standen die Tränen in den Augen und ich verfluchte alles und jeden.

Am höchsten Punkt der Strecke hielten wir an und sondierten erst einmal die Lage. Wir befanden uns also auf einer Passstraße, die uns um irgendeinen Bergzug herum- und letztendlich auch wieder an die Küste führte. Warum uns das Navi so lotste, wussten wir nicht, denn mittlerweile war die Ankunftszeit von 18.15 auf 18.26 Uhr gerutscht.

Aufgrund des Schlages in den Rücken und der damit verbundenen Schmerzen hatte ich schwerste Bedenken, dass ich den Rest des Urlaubes auf dem Mopped fortsetzen konnte. Also fuhr ich danach fast nur noch im Stehen, um noch einmal ähnlich aufkommende  Situationen mit den Beinen abfedern zu können.

Dann erreichten wir endlich den "Sonnenstrand" und spontan befanden wir uns in einem reinen Urlaubsgebiet. Protzige Hotels, einwandfrei geteerte Straßen und jede Menge Touris waren übergangslos zu sehen. Gutgelaunte Urlauber, dicke Sportwagen, halt das ganze Klischee eines Touristenortes.

Nach ein paar Kilometern erreichten wir dann auch die Wohnung der Kinder und stellten um 18.33 Uhr die Motoren aus. Wir freuten uns auf die Kinder, auf einen Tag Erholung und nach gefahrenen 563,9 Kilometern auf ein schönes kaltes Bier. :-)

Gefahrene Kilometer Bran - Sveti Vlas: 563,9
 


Ankunft in Sveti Vlas (mit Fliegendreck auf der Linse)
 


Vor der Wohnung
 


Blick vom Balkon aufs Schwarze Meer
 


Heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Mittwoch, 8. Juli 2015
 

Der heutige Tag stand als "moppedfrei" im Kalender. Seele baumeln lassen, ein bisschen Touri spielen und den Tag mit den Kindern genießen, so war es geplant, denn wir hatten hier den östlichsten Teil unserer Reise erreicht.

Nach dem Frühstück packten wir erst einmal unsere Badesachen ein und machten uns auf den Weg zu einem Stück Strand, der unter Insidern als Geheimtipp galt. Zu erreichen war dieses Stückchen Sand allerdings nur über ein dürres Maisfeld, das massive Krater und Auswaschungen aufwies und wir diverse Male mit dem Wagen aufsetzten. Beim Verlassen des Autos schlugen uns gefühlte 40 °C ins Gesicht, welche vorher Dank Klimanlage nicht zu spüren waren. Über einen Hang erreichten wir dann den Strand und etwas später die Schlammgrube, wegen der wir eigentlich nur hierher gefahren waren. Es sollte sich um Heilschlamm handeln, der müde Knochen wieder munter werden lassen sollte.

Es roch nach Schwefel und der Zugang zum Schlamm war nur über dünne Bretter zu erreichen, die sich schon bei "Normalwüchsigen" gefährlich durchbogen. Nööö, da geh ich nicht rüber und hoffte damit der stinkenden schwarzen Flubber-Packung zu entgehen. Doch keine Chance...todesmutig balancierten Axel und Chris hinüber und kamen mit einem etwas breiteren Brett, das als Tablett für den Schlamm diente, zurück. Jetzt wurde alles gleichmäßig auf der Haut verteilt. Gesicht, Arme, Beine, Rücken...also alles, was Haut war, wurde eingerieben. Wo man selbst nicht rankam, da wurde sorgfältig von den freundlichen Familienmitgliedern nachgeholfen. War irgendwie doch schon lustig, zumal wir jetzt so richtig "scheiße" aussahen. ;-)

Jetzt musste das Zeug nur noch trocknen und wir machten uns auf den Weg zurück an den Strand. Obwohl wir bestimmt 38 °C hatten und wir unter so einer dicken schwarzen Schicht eigentlich richtig hätten schwitzen müssen, war dem nicht so. Im Gegenteil...es fühlte sich sogar angenehm an. Nach etwa 30 Minuten war die Masse, die jetzt wie alte Elefantenhaut aussah, trocken und dann nahmen wir unser erstes Bad im Schwarzen Meer. Wie herrlich, angenehme Badetemperatur, fester Boden, glasklares Wasser... Die ganze Prozedur ging allerdings ein bisschen auf den Kreislauf und so machten wir uns nach der Reinigung langsam wieder auf den Weg zurück.

Die Hitze war kaum auszuhalten und einmal mehr war ich dankbar, dass die Kinder einen Wagen mit Klimaanlage gemietet hatten. Auf dem Rückweg kehrten wir dann noch in ein Kaufhaus ein, um ein paar Leckereien zu besorgen. Allerdings bekam ich den Schwefelgeruch nicht aus der Nase und hatte das Gefühl, dass wir leichte gelbliche Schwaden hinter uns hinterher zogen und zum Teil auch seltsame Blicke ernteten. Witzig (oder auch nicht) fand ich noch das Schild im Eingangsbereich, dass die Mitnahme von Waffen im Kaufhaus untersagte.

In der Wohnung angekommen, verbrachten wir noch einige Zeit im und am Pool. Gegen Abend dann fuhren wir an den Sunny Beach, mischten uns unter die Touris, aßen leckere riesige Fleischspieße und Fisch und flanierten anschließend noch auf der gut besuchten Strandpromenade, die zu dieser Zeit wie eine Mischung aus Reeperbahn und Dom auf dem Hamburger Heiligengeistfeld wirkte.

Ein schöner Tag ging dann so gegen 1.00 Uhr zu Ende.

Gefahrene Kilometer heute: 0
 


voll mit Heilschlamm
 


bitte keine Schusswaffen
 


Chris und Renata
 


Sex, Drugs & Rock´n Roll auf der Promenade
 

Donnerstag, 9. Juli 2015
 

Bereits um kurz nach 8 Uhr zogen wir den letzten Gurt fest und machten uns auf den Weg. "500 Meilen westwärts" wäre die richtige Beschreibung für das, was nun vor uns lag. Außer Sonnenblumenfelder und die Ausläufer des Balkangebirges gab es nichts Spannendes zu sehen. Auch das Fahren war wie die Tage vorher auch. Wir hielten uns peinlich genau an die vorgegebenen Tempolimits und wurden von LKWs und Bussen überholt. Ansonsten dümpelten wir so vor uns hin. Alles irgendwie langweilig und es machte müde.

Unser leerer Tank zwang uns zur Pause und wir waren froh, dass wir hier einen "großen" Kaffee bekommen konnten, der sogar noch schmeckte. Und dann ging es auch schon weiter. Die Hitze schlauchte, die Straßen nervten und man zählte die noch verbleibenden Kilometer.

Dann, völlig überraschend, tauchte in der absoluten Abgeschiedenheit eine Wohnsiedlung in einiger Entfernung zur Straße auf. Ich weiß nicht, was das war. Ein Dorf? Sicher nicht. Ein Lager? Keine Ahnung. Die Siedlung bestand aus Hochhäusern, Schutthaufen und z. T. eingestürzten  Flachbauten. Die Wohnungen in den Hochhäusern hatten fast allesamt Satellitenschüsseln, dafür aber teilweise abgebrochene oder zugemauerte Balkone, die meisten anderen ohne Brüstung. Viele Fenster waren zerbrochen oder fehlten ganz, aber überall hingen Gebetsteppiche und Wäsche. Die Schutthaufen davor waren nicht zu identifizieren, und ob die kleinen eingefallenen Häuser bewohnt waren, konnte man auch nicht erkennen. Aber auch hier sah man zahlreiche Satellitenschüsseln. Mich ließ das irgendwie erschaudern und ich fragte mich, wie Menschen unter solchen Umständen wohnen können. Auch Axel war sprachlos und schüttelte nur den Kopf. Da war er wieder, der Kulturschock, den wir so manches Mal auf unserer Balkanrunde bekamen.

Fassungslos fuhren wir weiter...mussten wir auch, denn wir hatten verbotenerweise auf einer etwas breiteren Schnellstraße mit durchgezogener weißer Linie gehalten.
 


Abfahrt aus Sveti Vlas
 


Außer Sonnenblumenfelder nicht Spannendes
 


Da wohnen wirklich Menschen (Klick für Großansicht)
 


Schutthaufen oder Wohnhäuser? (Klick für Großansicht)
 

Nach 1 1/2 Stunden brauchten wir erneut eine Pause. Mittlerweile war es kurz nach 14.00 Uhr und wir hatten irgendwie das Gefühl für Zeit und Raum verloren, denn wir waren seit über 6 Stunden unterwegs, die sich wie 12 anfühlten. Natürlich fanden wir keinen geeigneten Parkplatz, der halbwegs im Schatten lag, also mussten wir mehr oder weniger improvisieren. Auf einem kleinen Sandweg neben der Straße machten wir halt und nutzten unsere Koffer als Sitze und Tisch. Am liebsten hätten wir uns zum Überdösen in den Schatten gelegt. Ging aber zeitlich nicht, da wir noch etliche Kilometer vor uns hatten.

Gegen 16.30 Uhr erreichten wir dann Sofia und unerwartet stressfrei die Alexander-Newski-Kathedrale, heute eines der Wahrzeichen der bulgarischen Hauptstadt. War schon sehr beeindruckend...

Unser Etappenziel hieß heute Kyustendil, noch in Bulgarien, aber schon nahe der Grenze zu Serbien gelegen. Axel hatte eine Jugendherberge herausgesucht, die wir auch fanden. Allerdings sah sie irgendwie verlassen und klein aus und es gab auch keine Rezeption oder so. Man sollte eine Telefonnummer anrufen und warten, bis dann jemand kommen würde. Och nö...wir waren ausgelaucht und fertig und wollten eigentlich nur warm duschen und etwas Essen. Aber warten, bis jemand kommt...das war jetzt nicht unser Ding. Da erspähte Axel ein Schild mit dem Hinweis "Hotel Bulgaria 50m". Und schon lief er los, um zu fragen, ob noch etwas frei wäre.

Ich wartete derweilen und passte auf die Moppeds auf, als mich plötzlich ein Mann ansprach und fragte, ob wir ein Zimmer suchen. Als ich das bejahte, griff er auch schon zum Telefon und rief irgendjemand an. Dann erklärte er mir, dass gleich jemand kommen würde und die Jugendherberge öffnen würde. Auf meine Frage, wo wir die Moppeds abstellen könnten, zeigte er auf einen etwa 200m entfernt gelegenen Parkplatz, der zusätzlich auch noch 4,- EUR pro Mopped kosten sollte. Jetzt trafen zeitgleich Axel und der angerufene Mann ein. Während Letzterer auf englisch versuchte, uns in seine Herberge zu "locken", winkte Axel ab. Hotel Bulgaria hätte ein Zimmer für uns frei und wir könnten die Moppeds auf dem abgeschlossenen Hinterhof parken. Na, da fiel die Entscheidung doch leicht.

Als die beiden Männer "Hotel Bulgaria" hörten, sagten sie nur "nix gutt" und verzogen dabei das Gesicht. Aber für 20,- EUR pro Person ohne Frühstück in so einem Kaff...da kann man nicht viel verkehrt machen. Dachte ich jedenfalls...

Dann öffnete sich der Hinterhof und ich war entsetzt. Eine dicke Mulchschicht bedeckte den ganzen Boden. Zwischendrin lag aufgeweichte Pappe, dreckige Stofffetzen, Styropor und andere nicht identifizierbare Sachen. Vorsichtig fuhren wir hindurch. Bei Abstellen der Moppeds im Unterstand entdeckten wir dann dicke Nägel, die überall verstreut in der Garage und auch auf dem Hof lagen. Hüstel...unser Horrorszenario eines platten Reifens spielte sich gerade in unserem Kopf ab und wir hofften, dass wir morgen wieder unversehrt den Hof verlassen konnten.

Das Hotel sah von innen eigentlich ganz nett aus. Marmorböden, schicke Verzierungen an der Decke. Eigentlich gab es nichts zu beanstanden, außer vielleicht ein bisschen Muchelgeruch. Bis sich die Tür unseres Zimmers vor uns öffnete... Ich kann eigentlich gar nicht wiedergeben, was ich dann erblickte und habe dies auch irgendwie erfolgreich verdrängt. Ich weiß nur noch, dass das Hotel Bulgaria absolut nicht zu empfehlen ist. Die Fotos, die ich gemacht habe, sind nichts geworden. Kein Wunder bei dem Motiv, da streikte sogar die Kamera.

Den Abend verbrachten wir dann auf einer Fressmeile, wo ein Restaurant an das andere grenzte. Wir entschieden uns für das, wo es am vollsten war. Und diese Entscheidung war die beste. Wir bekamen schön gekühltes Bier und absolut leckere Pizza. Leider hatte ich meinen Fotoapparat im Hotel Bul... (ich kann das Wort nicht einmal mehr schreiben) vergessen. Aber eigentlich gab es auch nichts, was man hätte fotografieren müssen.

Gefahrene Kilometer Sveti Vlas - Kyustendil: 495
 


Axel vor der Alexander-Newski-Kathedrale
 


Auch hier überall starke Polizeipräsenz
 


Der Hinterhof...
 


Heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Freitag, 10. Juli 2015
 

Der erste Gedanke nach dem Aufwachen: bloß weg hier! Und das taten wir dann auch so schnell wie es ging. Die Sorge über einen möglichen Platten beim Durchfahren des Hinterhofs bestätigte sich zum Glück nicht. Und so machten wir uns um 7.30 Uhr auf zur serbischen Grenze.

Etwa 5 Kilometer davor wurde Axel dann fast von einem Jeep von der Straße "geschossen". Wir fuhren wie immer versetzt, Axel vorne links, ich dahinter rechts, als ein Jeep im Überholverbot an uns vorbeizog und beim Wiedereinscheren Axel brutal schnitt. Na, da hättet ihr mal Axel erleben sollen. Wütend zeigte er dem Fahrer mehr als einmal die Faust, begleitet von langanhaltendem Hupen. Eigentlich kann man von Glück reden, dass nichts passiert ist. Das Adrenalin sorgte aber nun wenigstens dafür, dass wir richtig wach waren.

Über Nacht hatte es geregnet und sich empfindlich abgekühlt. Von den bisherigen Temperaturen über 30 °C blieben nur noch 15 °C über. Kurz vor der Grenze begann es zu nieseln und wir zogen uns nun zusätzlich auch noch Regenklamotten über.

Dann erreichten wir den kleinen Grenzübergang bei Oltomantsi. Da dort gerade Bauarbeiten stattfanden, stauten sich ein paar Autos zurück. Wir hatten aber Glück und konnten die Baustelle mit den Moppeds passieren. Am bulgarischen Grenzhäuschen dann die immer gleiche Prozedur: Papiere übergeben und Helm hochklappen. Alles normal, bis plötzlich ein Grenzer auf Axel zukam und ihn auf englisch fragte, warum er nicht in der Mitte der Fahrbahn fahren würde, sondern ganz links am Mittelstreifen. Ach du scheiße, dachte ich...der Bekloppte aus dem Jeep. Super, das konnte ja jetzt eigentlich nur noch Stress bedeuten.

Dank Axels souveräner und freundlicher Art gelang es ihm, dem Grenzer die Situation mit dem Versetztfahren verständlich zu machen. Auf das gefährliche Schneiden und die erhobenen Fäuste wurde zum Glück gegenseitig nicht weiter eingegangen. Mit einem leichten verschmitzten Grinsen ließ uns der Grenzer dann weiterfahren.

Dann standen wir den serbischen Grenzern gegenüber. Und wieder Papiere raus und Helm hoch, doch diesmal verschwand der Grenzer mit unseren Papieren in der Station. Wir warteten und warteten...und dann bekommt man mit einem Mal so ein komisches Gefühl im Bauch. Unruhe, Angst, Unbehagen...eigentlich schlecht zu beschreiben. Hatten wir was verkehrt gemacht? Fehlten Unterlagen? Alle möglichen Gedanken gehen einem da durch den Kopf. Nach etwa 15 Minuten kam der Grenzer dann wieder und übergab uns wortlos die Papiere. Ich verharrte, weil ich fest angenommen hatte, dass jetzt noch was kommt. Aber nix...wir konnten einfach weiterfahren. Manchmal bin ich wohl einfach zu überempfindlich.
 


Richtung Oltomantsi
 


Bauarbeiten an der Grenze
 


Diskussion mit dem Grenzer
 


Willkommen in Serbien
 

Anschließend ging es weiter über einen einsamen Pass vorbei am Vlasinasee durch das gleichnamige wunderschöne Landschaftsschutzgebiet. Tolle Gegend, hin und wieder traf man freudig winkende Menschen, einzig die Straßen ließen mal wieder zu wünschen übrig. Auch hier gab es streunende Hunde und einer lief sogar hinter Axel her und es sah so aus, als wollte dieser Axel ins Bein beißen. Gut, ein kleiner Dreh am Gasgriff und die Sache hatte sich erledigt. Aber was ist, wenn man steht und einer dieser Hunde würde aus dem Gebüsch gerannt kommen? Hmm...

Wir waren seit der Grenze noch durch keinen größeren Ort gekommen, hatten dementsprechend auch noch kein Geld wechseln können. Langsam wurde es auch Zeit, dass wir etwas aßen und die Tanks auffüllten. Irgendwo Richtung Leskovac lag eine kleinere Stadt auf unserer Route. Hier konnten wir zum Glück mit EC-Karte tanken und fanden nach langen Suchen und Hin- und Herfahren auch eine Wechselstube. Leider bot sich weit und breit keine Möglichkeit für ein Picknick. Also fuhren wir weiter.

Jetzt befanden wir uns auf irgendeiner Schnellstraße und kurzentschlossen verließ Axel diese bei nächster Gelegenheit. Unsere Mägen knurrten dermaßen, dass es schon fast schmerzte. Platz fanden wir abseits einer kleiner Straße unter einem großen Baum auf einer Holzbank, die direkt an einem Fluss stand. Das Rauschen des Flusses war angenehm, der Blick von Hang hinunter nicht. Dort lag alles, was man sich vorstellen konnte: Plastikeimer, Gestänge, Autoreifen, Müll ohne Ende. Wirklich schade...trotzdem hatten wir jetzt einen Platz gefunden und konnten endlich um 13.00 Uhr unser "Frühstück" einnehmen. Bifi mit Brot und Scheibletten und leckeren Kaffee...was auch sonst. ;-)

Gegenüber unserer Holzbank stand ein kleines Haus, dass eigentlich eher einer Bruchhütte glich. Die Fenster waren gesprungen und mit Tape verklebt, als Haustür diente ein alter Vorhang, auf dem Hof befanden sich riesige Säcke voll mit Plastikflaschen und wir zählten 6 Personen, die nach und nach neugierig zu uns rüberschauten und mit ihren Smartphones Fotos von uns machten. Und es dauerte auch nicht lange, da hielt vor uns ein Wagen und ein strahlender, kleinwüchsiger Mann sprach uns mit gebrochenem Deutsch an. Man konnte seine Freude in seinen Augen sehen, als er uns von seiner Zeit unter Tage in Gelsenkirchen erzählte und von seinen Frauen, die er damals hatte und schwängerte und dass er deswegen wieder nach Serbien zurückgekehrt wäre, weil er hier ja auch noch 2 Kinder von 2 Frauen hätte. Wir mussten schmunzeln... Wahrscheinlich hatte ihn jemand vom gegenüber liegenden Clan angerufen, dass hier 2 Deutsche Pause machen. Ich hatte den Eindruck, dass er überglücklich war, etwas auf Deutsch aus seiner Vergangenheit zu erzählen und auch stolz war, dass er die Sprache nicht verlernt hatte. Ein wirklich nettes Erlebnis für uns.

Mulmig wurde uns dann noch einmal, als eine Meute von etwa 6 Straßenhunden vorbeizog, uns beäugte und mit den BMWs so gar nichts anfangen konnte. Zwar schienen sie sich fürs Essen zu interessieren, aber die Moppeds flößten ihnen irgendwie Respekt ein und sie zogen weiter. Meinen Helm hatte ich jedenfalls schon fest als Verteidigungsmittel in der Hand...
 


Freudig winkende Menschen
 


Beißattacke
 


Axel kocht Kaffee
 


Hundemeute
 

Ab hier wurde es dann straßentechnisch langweilig. Wenigstens waren die Temperaturen wieder auf annähernd 30 °C gestiegen und wir konnten die Regenpelle wieder verstauen. Es gab nichts zu berichten, nichts Tolles zu sehen. An einer Tanke machten wir erneut Pause, aßen ein Eis, füllten die Wasservorräte auf und dann ging es auch schon wieder weiter.

Auffällig waren hier die vielen unfertigen Häuser, die teilweise wie Neubauten aussahen, aber bei denen gleichzeitig schon wieder die Dächer zusammen gefallen waren. Teilweise waren sie auch bewohnt, aber die Balkone ohne Brüstung oder es waren alle Öffnungen mit Holz zugenagelt.
 


bewohnte Neubauruine
 


zugenagelte Neubauruine
 

Dann lag der Kopaonik-Nationalpark vor uns. Teil des Kopaonik-Gebirges, dem größten Gebirge Serbiens mit einer Länge von 120 KM und einer Breite bis zu 60 KM. Wir fuhren eine wunderschöne Passstraße und hatten auf dem höchsten Punkt einen fantastischen Blick über das Gebirge.

Die Passstraße führte uns geradewegs durch das Skigebiet von Kopaonik und hier lag ein Luxushotel neben dem nächsten. Aber alles war irgendwie ausgestorben. Hin und wieder standen irgendwo Autos, aber sonst sah man keinen Menschen. Hier in der Nähe sollte eine Herberge stehen, die Axel als Etappenziel für heute herausgesucht hatte. Allerdings entpuppte sich die Herberge als Skihütte und wir mussten uns etwas anderes für die Nacht suchen.

Die Abfahrt aus dem Skigebiet entwickelte sich zum absoluten Highlight für heute. Traumhafte Aussichten, perkekt verlaufende Kehren, gute Straßenzustände... das machte richtig Spaß. Als wir das Ende der Passstraße erreicht hatten, war es schon nach 18.00 Uhr und wir hatten immer noch keine Bleibe. In der nächsten Stadt fiel uns dann ein Schild mit einem Bett und mit gekreuztem Besteck ins Auge, was eindeutig auf eine Pension oder auf ein Hotel hinwies. Und richtig, wir hielten am "Hotel Royal". Sah von außen sehr nett aus. Die Frage war nur, ob auch die Preise "königlich" waren und Axel verschwand erst einmal nach drinnen. Nach einer geraumen Zeit kam er mit einer aufgerüschten großen schlanken und zeigefreudigen Blondine wieder heraus. Minikleid mit riesigem Ausschnitt vorne und hochgepuschtem "Holz vor der Hütte", hinten ging der Ausschnitt bis zum Po. Dazu noch Highheels und für meinen Geschmack ein bisschen zu stark geschminkt. Das Alter war schwer zu schätzen durch die ganze Paste im Gesicht. Mir fiel fast die Kinnlade runter und ich verfolgte die beiden mit meinem Blick wie in Zeitlupe. Ich fragte mich, ob denn das Hotel Royal wirklich ein Hotel war und wohin die beiden nun wollten.

Auch Axels Blick wirkte eher verwirrt. Ich nehme an, weil er nicht wusste, wohin er zuerst schauen sollte. Ich wurde schlagartig aus meinen Gedanken gerissen, als ein vorbeifahrender LKW seine Hupe beim Anblick der schönen Blondine voll aufriss. Man, hab ich mich erschrocken...

Es dauerte nochmal eine Weile, bis die beiden zurückkamen. Axels leichte Röte im Gesicht führte ich darauf zurück, dass er leicht ins Schwitzen gekommen sein muss... kein Wunder bei dem Anblick. Dann verschwand sie wieder im Inneren, Axel kam auf mich zu. Für 30,- EUR könnten wir hier übernachten, Essen gibt es auch noch. Ob er allerdings alles richtig verstanden hatte, wagte er zu bezweifeln, da eine Kommunikation in Englich nicht möglich war. Ich ging dann noch einmal hinein und fragte nach, aber so richtig verstanden hatte ich es auch nicht.

Das Zimmer war völlig ok und geräumig. Die Dusche tat gut und wir gingen wieder in die Gaststube und freuten uns auf ein kaltes Bierchen. Mit Händen und Füßen versuchten wir uns etwas Essbares zu bestellen. Dank Globetrotter-Bilderbuch bekamen wir dann auch leckeren Tomatensalat und Gegrilltes.

Die Dame war wohl wegen ihrer Zeigefreudigkeit bestens bekannt, denn je später es wurde, desto mehr Männer fanden den Weg hierher. In der für uns wegen der Schrift nicht lesbaren Speisekarte war ganz hinten irgendeine sich wiederholende Show angekündigt. Sah so aus, als wenn die Dame ganz spezielle Auftritte geben würde. War uns aber auch egal. Wir hatten ein Bett für die Nacht und gut gegessen. Die Tatsache, dass wir frühstücken wollten, war allerdings schwer der Dame beizubringen. Zum Schluss verhandelten wir noch über die Uhrzeit. Wir wollten um 7.30, sie frühestens ab 9.00 Uhr. Geeinigt haben wir uns dann auf 8.00 Uhr und bezahlten den vereinbarten Preis... Axels letzter Kommentar dazu war dann: "Na, da bin ich ja mal gespannt..."

Gefahrene Kilometer Kyustendil - Raska: 328,9
 


Blick übers Kopaonik-Gebirge
 


Schildkröten gab es hier auch...
 


Ankunft in Raska
 


Heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Samstag, 11. Juli 2015
 

Nachdem wir früh aufgestanden waren und bereits alles eingepackt hatten, betraten wir wie abgesprochen die Gaststube gegen 8.00 Uhr. Komisch...noch kein Tisch für uns gedeckt und keiner weit und breit zu sehen. Wir riefen einige Mal etwas lauter und plötzlich kam eine kleine hutzelige Frau aus einem Nebenraum und sah uns erschrocken an. Wir versuchten ihr klar zu machen, dass wir Frühstück gebucht hatten und nun gerne essen wollten. Natürlich verstand sie kein englisch. Also ging dies auch nur mit Händen und Füßen und einer Strichzeichnung von mir. Langsam wurde unsere Ausdrucksweise auch schon ein wenig lauter. Dann lächelte sie und nickte und brachte uns erst einmal einen Kaffee. Axel war ziemlich stinkig und konnte sich kaum noch zurückhalten. Als hätte er es den Abend vorher schon geahnt.

Plötzlich betrat ein kräftiger älterer Mann den Gastraum und begrüßte uns mit den Worten "Guten Morgen, gut geschlafen?" Na endlich jemand, mit dem man sich verständigen kann, dachten wir. Wir machten unseren Unmut laut, doch er winkte ab mit den Worten "nix vestäähn...". Aha, dann war das wohl der einzige Satz, den er mal auf deutsch gelernt hatte. Auch englisch ging nicht und wir vermuteten, dass die Frau aus der Küche ihn gerufen hatte, weil sie verängstigt war. Uns reichte es. Wir gingen wortlos, nahmen unsere Sachen und machten uns vom Acker. Noch einmal werden im Voraus bestimmt nicht bezahlen...
 


Abfahrt vom Hotel Royal
 


Das wurde dann verstanden...
 

Durch diese scheiß Aktion kamen wir erst um 8.30 Uhr los. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir schon um 7.00 Uhr starten können. Aber "hätte, hätte..Fahrradkette...". Es ließ sich nun nicht mehr ändern.

Nach etwa einer halben Stunde konnten wir dann wieder in unsere ursprünglich geplante Route einsteigen. Von hier aus ging es über fantastische Strecken durch den Golija-Naturpark und wir waren zum Teil wieder über 1.000 m hoch. Wir waren so ziemlich alleine und kaum ein Auto kam uns entgegen. Es gab Linkskehren, es gab Rechtskehren, wunderschöne Blicke über die gesamte Landschaft. Man konnte so richtig entspannt fahren und genießen und dann passierte es...

In einer Linkskurve rutschte mir der Hinterreifen weg, dann spürte ich noch einen harten Schlag unterm Fuß, der sich bis in die Hüfte fortsetzte...dann hatte ich einen Blackout. Das nächste, woran ich mich erinnerte, war, dass ich noch auf dem Mopped saß und der Lenker wie wild hin und her schlug. Dann wieder Blackout...und dann befand ich mich mit dem Mopped stehend auf der Gegenfahrbahn. Ich hatte keine Ahnung, was passiert war und vor allem nicht, wodurch. Axel hatte von dem nichts mitbekommen und war weitergefahren. Ich fuhr nun erst einmal von der Gegenfahrbahn runter und hielt an der Seite. Mein ganzes linkes Bein schmerzte, obwohl ich zum Glück nicht gestürzt bin. Meine Knie zitterten und ich hatte Sorge, dass sie mir wegknicken würden. Also setzte ich meine Fahrt im Schneckentempo fort. Es dauerte eine Weile, bis ich Axel erreicht hatte. Und dann merkte ich erst, dass ich wie ein Schlosshund heulte.

Axel verstand natürlich überhaupt nichts und ich versuchte ihm das Geschehene zu erklären. Was im Nachhinein richtig gut war, war der Vorschlag von Axel, noch einmal zu der Stelle zurückzufahren und zu schauen, ob dort etwas zu sehen war. Vielleicht Bitumen oder Dreck oder, oder. Langsam beruhigte ich mich und wir untersuchten die Kurve genauer. Nichts zu sehen, allerdings war der Straßenbelag sehr glatt. Das merkten wir beim Gehen. Der Belag sah auch irgendwie komisch aus, als wenn dort runde Kieselsteine mit eingearbeitet wurden. Sollte das der Grund gewesen sein? Einfach nur "scheiß" Straßenbelag? Das würde natürlich auch erklären, dass vor jeder Kurve das "Achtung: Rutschgefahr-Schild" stand. Wir hatten angenommen, dass dies nur bei Nässe gilt. Falsch gedacht und Glück gehabt, dass dies noch einmal glimpflich abgegangen war. Allerdings hätte ich gerne gewusst, was fahrphysikalisch passiert ist. Warum der Lenker schlug, warum ich mich wieder aufgerichtet habe... Habe ich gebremst oder die Kupplung gezogen? Ich weiß es nicht... und leider konnte mir bisher das auch keiner erklären. Aber instinktiv muss ich ja irgend etwas richtig gemacht haben.

Danach suchten wir erst einmal einen Parkplatz. Leider vergebens. Das, was wir fanden, waren eigentlich nur Schuttplätze. Zwar standen überall schöne Bänke und Tische, aber der ganze herumliegende Müll nahm einem die Freude daran und wir fuhren weiter.

Dann war schon fast die Grenze zu Bosnien-Herzegowina in Sicht und wir machten Halt an einer Tanke. Die letzten Dinar wurden für Sandwichs, Kaffee, Landes-Sticker und Benzin ausgegeben. Wobei Letzteres schon spannend war, da 1 Euro in etwa 120 Dinar entsprachen. Wir hatten noch 4.800 und ein bisschen Kleingeld. Beim Befüllen der Tanks waren uns aber nette Jungs von der Tanke behilflich. Man konnte die Uhr gar nicht so schnell verfolgen, wie die Zahlen sich drehen. Und sie legten beide bei genau 2.400 Dinar pro Maschine eine Punktlandung hin. Hut ab...
 


Schöne Gegend, aber aalglatte Straßen
 


So sahen fast alle Parkplätze aus
 


Auch hier überall und immer wieder Polizei
 


Entscheiden Sie sich jetzt...
 

Dann ging es weiter zur bosnischen Grenze. Irgendwo zwischen dem Tara-Nationalpark und dem Zlatibor-Gebirge erreichten wir diese dann. Wir befanden uns im Naturpark "Sargan-Mokra Gora" und erkannten, dass Autos, Busse und dergleichen beim Verlassen eine Gebühr entrichten mussten, hingegen hatten wir auf den Moppeds freie Fahrt. Das war ja mal erfreulich.

An der Grenze reichte dann dem Grenzer nicht nur der "Passport". Er wollte auch zusätzlich die Zulassungspapiere und die grüne Versicherungskarte haben. Alles klaaar.... Axel ließ sich richtig Zeit. Zuerst mussten ja schließlich die Handschuhe aus. Bei 35 °C dauert das halt etwas, weil das Innenleben ein wenig an der Hand klebt. Dann musste der Tankrucksack geöffnet werden... natürlich dauerte auch dies, weil das vorsichtig geschehen musste, damit nicht alles rausfiel. Dann nahm Axel seine Papiere raus. Um sie vor Durchweichung bei Starkregen oder Furtdurchfahrten zu schützen, waren sie in einer wasserdichten Schutzhülle verpackt. Also, erst einmal vorsichtig öffnen, damit der Klettverschluss und der wasserdichte Zip-Verschluss nicht kaputt gingen. Dann konnte Axel die Papiere überreichen. Der Grenzer überflog mehr oder weniger die Dokumente und reichte sie zurück. Dann begann die Prozedur rückwärts. Papiere ordentlich und gewissenhaft eintüten, Tankrucksack noch etwas umräumen, weil er sich nicht mehr schließen ließ, das Anziehen der Handschuhe war besonders aufwendig, da sich das Innenfutter verdreht hatte und nun auch noch den Helm zuklappen. Mittlerweile hatte sich hinter uns eine ziemliche Schlange gebildet. Und dann konnte Axel endlich weiterfahren. Jetzt kam ich an die Reihe... und war einigermaßen erstaunt, dass der Grenzer mich mit enorm genervter Miene einfach vorbeiwinkte. Ich war irritiert und hielt trotzdem an und hörte nur ein noch genervteres "dalje, dalje" (oder so ähnlich), was sich wie "dalli, dalli" anhörte. Dann fuhr ich weiter und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Hast du gut gemacht, Axel. :-)

Wir waren in Bosnien-Herzegowina. Unser nächstes Ziel war nun die Drina-Brücke in Visegrad. Mittlerweile Weltkulturerbe, 1914 zum Teil zerstört und wieder aufgebaut. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann unter den jeweiligen Links weitere Informationen bekommen.
 


In Bosnien-Herzegowina, Republik Srpska
 


Drinabrücke und Weltkulturerbe
 

Weiter ging es auch hier durch wunderschöne Landschaften. Wir fuhren durch Schluchten, begleitet von türkisschillernden Flüssen und grüner Flora. Unsere geplante Route führte uns dann abseits und es sollte weiter über einen Pass gehen. Allerdings bestand dieser aus einem sehr schmalen Schotterband und es sah nicht so aus, dass sich das auf den nächsten Kilometern ändern würde. Also fuhren wir die Hauptstraße weiter.

Dann mussten wir trotzdem über einen schmaleren Pass fahren, der aber wenigstens geteert war. Was uns wunderte, war die Vielzahl der mit uns fahrenden oder entgegen kommenden Autos und auch die vielen Polizeiwagen, die am Straßenrand standen. Muss wohl eine allseits bekannte Abkürzung nach Sarajevo gewesen sein. Auf einem Mal befanden sich haufenweise schwarze Limousinen hinter uns, alle wild hupend und die Straße quasi "freischießend". Ich verstand überhaupt nichts. Was sollte das? Auch wir wurden dann brutal an den Straßenrand gedrängt, als 3 oder 4 Limousinen trotz der schmalen Straße und des Gegenverkehrs an uns vorbeischossen. Dann folgte ein noch größerer schwarzer Wagen mit schwarzen Scheiben, wahrscheinlich noch gepanzert, und noch einmal 3 dazu gehörende Wagen und mir blieb nur noch die Flucht auf eine Auffahrt. Nicht zu fassen...

Es war bereits fast 19.00 Uhr, als wir Sarajevo dann mehr oder weniger "durch die Hintertür" erreichten. Die JuHe, die Axel herausgesucht hatte, lag oberhalb von Sarajevo und man hatte einen tollen Blick über die ganze Stadt. Allerdings lag diese auch ziemlich steil an einer Straße und so richtige Möglichkeiten, um die Moppeds abzustellen, boten sich uns nicht. Nach kurzer Überlegung suchte Axel im Navi nach einer anderen Unterkunft und fand auch eine in etwa 500 m Entfernung. Die Bergabfahrt gestaltete sich schwierig, da viel Verkehr herrschte, manche Stellen aber nicht breit genug waren, damit 2 sich entgegen kommende Autos nicht rammten. Zudem durfte man keinen Augenblick zu lange an einer Kreuzung warten oder überlegen... schon wurde man wieder einmal gnadenlos in Grund und Boden gehupt. Alle bekloppt hier...

Das Motel, das wir dann endlich fanden, hatte geschlossen, ein daneben liegendes Hotel war uns zu teuer. Wir waren uns einig, erst einmal weiterzufahren. Sarajevo war die Hölle. Teils 6-spurige Straßen und man wurde förmlich durch die Stadt gejagt. Wir waren mehr als dankbar, als wir endlich in ruhigere Gefilde kamen und der Verkehr abnahm. Leider hatten wir aber immer noch keine Bleibe und es war schon 20.00 Uhr. Dann plötzlich hinter dem Ort Ilidža erblickte ich ein Restaurant mit schöner Terrasse und dem Schild "SOBE", was soviel wie Zimmer hieß. Man lernt ja dazu. Ich hupte, damit Axel meine Vollbremsung mitbekam und fuhr auf den Parkplatz. Was man vorher nicht erkennen konnte, war, dass das Restaurant zu einem Hotel gehörte. Klasse, schnell rein, auf englisch nachgefragt und eine Antwort von einem deutschsprechenden Rezeptionisten bekommen. Der Preis stimmte, 60 KM (Konvertible Mark; 1 € = 1,95583 KM; wie damals nach der Einführung des Euro). Jetzt nur noch Einchecken und endlich duschen....

Von dem Rezeptionisten, der auch gleichzeitig Kellner war, erfuhren wir während des Essens, dass ein hochrangiges Politikertreffen wegen des damaligen Bosnienkrieges stattfand. Das erklärte natürlich auch das rücksichtslose Überholmanöver der schwarzen Limousinen. Wahrscheinlich saß da Obama oder Merkel drin...

Spätere Recherchen haben ergeben, dass am 11. Juli wirklich hochrangige Politiker an einer Gedenkfeier für das vor 20 Jahren stattgefundene Massaker an 8.000 Muslime in Srebrenica teilgenommen hatten. Und ein Teil der Strecke von Srebrenica nach Sarajevo lag tatsächlich ab Sokolac auf unserer Route.

Gefahrene Kilometer Raska - Sarajevo (Ilidža): 363,5
 


wie in Norwegen
 


Blick über Sarajevo
 


Das Equipment musste jeden Abend aufgeladen werden
 


heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Sonntag, 12. Juli 2015
 

6.30 Uhr Aufstehen, 7.30 Uhr Frühstück mit Omelett, Kaffee und Wasser, 8.20 Uhr Start. Auch heute wurden wir mit tollen Landschaften, klasse Straßen und viel Sonne belohnt. Natürlich wurden wir auch heute teilweise freundlichst mit Hupkonzerten oder riskanten Überholmanövern begrüßt, aber das kannten wir ja nun schon.

Unser nächster Halt sollte Mostar und die bekannte Brücke Stari Most sein. Stari Most heißt "Alte Brücke" und sie war zur Zeit ihrer Erbauung im 16. Jahrhundert ein Meisterwerk der Ingenieurbaukunst. Sie wurde im Bosnienkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut.

Gegen 11.00 Uhr erreichten wir Mostar. Und es war irgendwie bedrückend, denn überall standen noch zerbombte oder ausgebrannte Häuser herum... Zeugen der Zeit oder Mahnmale. Die Brücke selber war nur zu Fuß zu erreichen. Axel hatte aber einen gut einsehbaren Platz ganz in der Nähe gefunden und so konnten wir alles auf uns einwirken lassen. Was muss der Krieg hier getobt haben... ich glaube, meine Vorstellung reicht nicht aus, um ansatzweise zu erkennen, was wirklich abging. Zum Glück musste ich bisher nicht erleben, was so viele andere erlebt haben oder gerade erleben...
 


Überholmanöver in einer Linkskurve bei gleichzeitigem Überholverbot
 


ausgebrannte und zerbombte Häuser
 


Stari Most
 


gefühlte 45 °C
 

Über einen netten Pass verließen wir Mostar und hatten noch einmal einen schönen Blick auf die Stadt. Und die Temperaturen waren hier oben auch wieder angenehmer als in der Stadt. Kurz vor der Grenze zu Kroatien machten wir erneut an einer Tanke Rast und füllten unsere Benzinvorräte auf. 2,15 KM (Konvertible Mark) für 1 Liter SuperPlus. Da konnte man echt nicht meckern. Und dann noch ein erfrischendes Eis im Schatten... Die Pause tat gut.

Ein anderer GS-Fahrer hatte uns beim Abbiegen entdeckt und kam schnurstracks auf uns zu. Er war total locker, schwärmte von seinem Traum, einer GS-Adventure, und erzählte und erzählte. Er würde gerade von einem BMW-Treffen in Kroatien kommen und lud uns erstmal zu einem Bierchen ein. Nachdem wir dankend abgelehnt hatten, stießen wir mit eisgekühltem Wasser ohne Geschmack an. War ein nettes Kurzerlebnis und wir freuten uns auf Kroatien.

Die Grenze passierten wir ohne etwas Nennenswertes erwähnen zu müssen. Alles lief perfekt und wir steuerten schnurstracks auf das Mittelmeer zu. Bereits kurz nach der Grenze erkannten wir, dass die Häuser und Straßen besser intakt waren. So viel konnte man allerdings noch nicht sehen, da wir uns immer noch auf einer Passstraße befanden. Und dann mit einem Mal nach der nächsten Kurve sahen wir das Mittelmeer. Toll...der Blick war zwar etwas verhangen, aber egal...wir waren am Mittelmeer und kurze Zeit später auf der Küstenstraße. Schade war nur, dass sich hier ein Ort an den anderen reihte. Aber so ist nun einmal Tourismus.

Irgendwo verließen wir noch einmal die Küstenstraße und fuhren einen weiteren Pass, von dem man wunderschöne Blicke aufs Mittelmeer werfen konnte. Allerdings war ich sehr abgespannt und fertig und konnte das so gar nicht genießen. An einer Rafting Station machten wir Halt, tranken erst einmal einen Cappu und überlegten, wie wir weiter fahren wollten. Unsere Wahl fiel auf den Campingplatz Stobrec in der Nähe von Split, den wir um 17.30 Uhr erreichten.

Allerdings schienen die Besitzer nicht gerade bikerfreundlich zu sein. Es gab keine Hütten und wenn wir zelten wollen, dann hätten wir auf einer entfernten Wiese stehen müssen. Aber die Moppeds müssten wir draußen lassen. Wechseln wollten die uns auch kein Geld, weil die Banken Sonntags zu haben. Hä? Wir haben nicht verstanden, was das damit zu tun hatte, empfanden aber alles nicht gerade einladend. Mit Blick auf die Uhr waren wir sicher, dass wir noch etwas außerhalb finden würden. Also machten wir uns auf den Weg, weg von der Küstenstraße ins Landesinnere, weil morgen das "Winnetou-Land", in dem viele Karl-May-Filme gedreht wurden, auf unserem Programm stand.
 


Moppeds mit Mittelmeer in Hintergrund
 


Rafting Point und suche nach einer Bleibe
 

Und dann kommt das "Gegen-die-Zeit-fahren", was eigentlich keiner von uns mag. Wir durchfuhren auf den nächsten 50 Kilometern nur kleine oder verlassene Dörfer. Nichts, wo man hätte übernachten können. Und dann endlich sahen wir ein Schild "Hotel 8 km". Die 8 Kilometer kamen uns allerdings wie 20 vor. Aber egal. Wir erreichten gegen 19.00 Uhr eine größere Stadt und dann das "Park-Hotel". Ach du scheiße, dachte ich. Warum kann das nicht eine einfache Pension sein? Aber wir waren erschöpft und checkten ein; auch, wenn es nicht gerade eine günstige Alternative war.

Sehr nett empfand ich noch den älteren Mofafahrer, der uns an einer Kreuzung erspähte, unseren etwas orientierungslosen Blick sofort erkannte und fragte, ob wir eine Übernachtung suchten. Nachdem wir bejahten, führte er uns mit seiner Mofa ohne Umwege zum Parkhotel. Er war Kroate und hatte viele Jahre in Gronau gearbeitet und konnte dementsprechend gut deutsch.

Die Preisklasse des Hotels stimmte jetzt nicht unbedingt mit unserer Vorstellung überein, und als der nette Kroate dies mitbekam, bot er uns an, in seinem leer stehenden Haus zu übernachten. Der Schlüssel würde da und da liegen. Das fanden wir ausgesprochen höflich und zuvorkommend. Würde bei uns doch keiner einem Fremden anbieten. Wir waren gerührt und fühlten uns geehrt, lehnten aber trotzdem dankend ab. Wir wollten nur noch duschen, etwas essen und schlafen. Die Möglichkeit, die Moppeds im abgeschlossenen Hinterhof des Hotels zu parken, bestätigte unseren Entschluss.

Achso...., wer ab jetzt Fahrtfotos vermisst, der sollte wissen, dass zwischenzeitlich auch meine 2. Kamera rumspackte und sich während der Fahrt manchmal einfach ausschaltete, was ich dann erst wieder beim nächsten Stopp mitbekam. :-(

Gefahrene Kilometer Sarajevo (Ilidža) - Drnis: 356,1
 


Ankunft Parkhotel / Absacker / um 21.00 Uhr immer noch 31 °C
 


Heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Montag, 13. Juli 2015
 

Eine sehr angenehme Nacht, ein schönes Frühstück und wieder einmal bestes Wetter. So kann man das aushalten. Nach dem Bezahlen der Zeche, die sich anders als angenommen in Grenzen hielt, konnten wir um 9.00 Uhr weiter. Lobenswert war noch, dass uns der Hotelbesitzer einen super Kurs anbot und wir hier Euros wechseln konnten. Dann schoben wir die Moppeds raus, packten alles ein und starteten die Maschinen. Und dann kam der Aufschrei von Axel..."Och, nöööö... so eine Kacke.... Haaaase, LAMPF!!!"

Super, dachte ich. "LAMPF" im Display hieß nicht anderes, als dass die Birne des vorderen Scheinwerfers ihren Geist aufgegeben hatte. Nur zu gut wussten wir beide, was das für ein Gefummel bedeuten würde. Bei einem der letzten Birnenwechsel hatte Axel sogar seinen ganzen Scheinwerfer aus der Fassung gerissen und ich bei mir den Haltebügel, der die H7-Birne in der Fassung fixiert. Ich war begeistert... Also, erst einmal wieder Klamotten aus, denn wir hatten jetzt schon 28 °C.

Wider Erwarten klappte der Wechsel aber ganz gut. Trotzdem war es Gefummel und eigentlich hätte man dafür 4 Kinderhände haben müssen, um problemlos an die Vorrichtung kommen zu können. Zurück blieben wieder einmal zahlreiche Druckstellen und Abschürfungen an den Händen. Nun konnte es aber endlich losgehen, auf ins Winnetou-Land.

Nach 3 Stunden Fahrt und einer zwischenzeitlichen Kaffeepause erreichten wir dann den Nationalpark Plitvicer Seen, das "Winnetou-Land". Die Fahrt dorthin ging ebenfalls durch schönste Gegenden und hin und wieder gab es Warnschilder vor Bären. Einigermaßen erstaunt waren wir, dass wir für unsere Moppeds beim Befahren des Parkplatzes keine Gebühr entrichten mussten. Autos und Busse schon. Dass wir uns im wohl bekanntesten Tourismusziel Kroatiens befanden, merkten wir an der Vielzahl der Busse, Autos und Leute, die sich hier über alles ergossen. Souvenirläden, Restaurants, Klamottenläden, alles war hier zu finden...aber leider keine Schließfächer oder dergleichen. Axel fragte nach, wie wir denn zu den bekannten Seen gelangen können und bekam 3 Möglichkeiten zur Auswahl: entweder 1 Stunde zu Fuß wandern und dann mit einem Bus zurück oder 2 Stunden wandern und dann mit einem Bus zurück oder 4 Stunden wandern und dann mit Boot und Bus zurück. Auf Nachfragen, ob es hier vielleicht Kutschen oder Busse gäben würde, die einem direkt zu irgendeinem Aussichtspunkt oder so fahren würden, bekam Axel nur ein Kopfschütteln.

Das hatte sich dann auch für uns erledigt, denn wir waren kaum in der Lage, mit Helm, Tankrucksack, Motorradklamotten und dicken -stiefeln 1 Stunde lang zu wandern. Und Möglichkeiten, unsere Sachen am und im Motorrad zu verstauen, hatten wir durch unsere voll gepackten Koffer nicht. Wir waren ziemlich gefrustet, weil wir uns sehr darauf gefreut hatten. Schließfächer wären die Lösung gewesen....sollten die Betreiber vielleicht mal drüber nachdenken. Denn es gibt auch Motorradfahrer, die sich gerne einmal so etwas anschauen möchten. Enttäuscht setzten wir unsere Fahrt fort.
 


Ankunft im Nationalpark Plitvicer Seen
 


"Winnetou" wurde hier in allen Formen am laufenden Band gesehen..
 


Vom Plakat abfotografiert
 


Die diversen Wanderrouten
 

Auf der Weiterfahrt versuchten wir immer wieder, einen Blick auf die tolle Seenlandschaft zu bekommen. Leider vergeblich. Und dann führte uns die Bundesstraße 1 auch schon aus dem Nationalpark heraus. Die Enttäuschung wurde noch größer. Dafür war man nun fast 200 Kilometer gefahren, um nichts sehen zu können. Super...

Gemäß Axels Routenplanung sollten wir dann die Bundesstraße 1 verlassen und über eine andere gelb markierte Straße 42 wieder in Richtung Meer fahren. Was sich dann vor uns auftat, war genau das Richtige für Kurvenjunkies wie uns. Schmale und kurvige Passagen lagen vor uns, durch Wald führend, hin und wieder ein kleines Dorf, aber Fahrspaß pur. Und wir fuhren praktisch auf der anderen Seite des Nationalparks wieder zurück. Dass wir auch von hier keinen Blick auf die Seen hatten, machte uns nicht mehr viel aus. Denn es ging links herum, es ging rechts herum, einfach herrlich und Entschädigung genug. Axel strahlte und ich versuchte ihm zu folgen. Er war richtig gut drauf und ich hatte meine Mühe, an ihm dran zu bleiben. Einzig der Straßenbelag war teilweise nicht so pralle, denn an einigen Abschnitten wechselte sich durch Baustellen verursachter Schotter mit rutschigem Sand ab.

An einer sehr schmalen Stelle kam uns dann auch noch ein Schwertransport entgegen. Und nu? Wohin? Wenden ging nicht, und rechts ging der Abhang ohne Seitenbegrenzung runter. Wir stellten uns so weit wie es ging an den rechten Fahrbahnrand und zentimeterweise schob sich der Schwertransport dann auch an uns vorbei. Ich hatte Sorge, dass er meinen linken Koffer abreißen würde, da hätte bestimmt nicht einmal mehr eine Handbreit dazwischen gepasst. Zu schauen traute ich mich nicht, denn ich hatte Angst das Gleichgewicht zu verlieren und den Hang abwärts zu stürzen. Jedenfalls atmeten wir erst einmal durch, als wir wieder freie Fahrt hatten. Zu erwähnen wäre vielleicht noch die Tatsache, dass uns bis dahin nicht ein einziges Auto entgegen gekommen war.

Dann machten wir erst einmal eine Pi-Pause...und entdeckten Schilder, auf denen man vor dem Betreten des Gebietes wegen Minen gewarnt wurde. Da wird einem schon irgendwie mulmig. Also, lieber nicht offroad fahren und immer schön auf der Straße bleiben. Und dann ging der ganze Spaß auch schon weiter, der insgesamt über 60 KM lang war. Für uns war das das absolute Highlight dieses Tages.

Auch danach ging es spaßig weiter. Parallel zur Autobahn 1 führte uns die Bundesstraße 23, die auf Teilstrecken Serpentinen aufwies, wieder ans Meer. An einem hoch gelegenen Aussichtspunkt hatten wir einen fantastischen Blick aufs Mittelmeer. Leider war es etwas diesig, aber trotzdem eindrucksvoll.

Es war 17.00 Uhr, als wir die Küstenstraße wieder erreichten. Und im nächsten Ort entschloss sich Axel eine Unterkunft zu suchen. Eigentlich war das kein richtiger Ort, eher ein Campingplatz, ein Imbiss, ein Getränkewagen und ein paar umliegende Häuser, die z.T. Gästezimmer anboten. Wir bekamen ein 1-Zimmer-Bungalow mit Bad angeboten und schlugen zu. Ich duschte schnell, Axel wollte kurz ins Mittelmeer springen und schon saßen wir auf der überdachten Terrasse des Imbisses und genossen ein kühles Blondes, Leckereien vom Grill und Fisch und freuten uns noch einmal so richtig über die gefahrenen 60 KM Passstraße. :-)

Gefahrene Kilometer Drnis - Sibinj: 276
 


60 KM Fahrspaß pur
 


Achtung: Minengebiet
 


Parkbucht mit Blick aufs Mittelmeer
 


Das stand auf der Speisekarte...
 


wunderschöner Sonnenuntergang
 


heute gefahren (Klick für Großansicht)
 

Dienstag, 14. Juli 2015
 

Der Morgen begrüßte uns mit einem herrlichen Blick auf die vor uns liegende Insel Krk. Um kurz nach 8.00 Uhr starteten wir, denn heute lagen ein paar Hundert Kilometer anspruchsvollste Strecken vor uns. Wir wollten es bis Zell am See schaffen, etwa 30 Kilometer von der deutsch-österreichischen Grenze entfernt.

Zunächst ging es erst einmal weiter entlang der Küstenstraße bis Rijeka. Hier haben wir uns natürlich verfahren und ein bisschen Zeit verloren. Gegen 11.00 Uhr erreichten wir dann die Slovenische Grenze bei Rupa. Ab hier lagen nun die schönsten Strecken Sloveniens vor uns. Das waren alles Kurven, wo man die Moppeds einfach laufen lassen konnte. Dazu malerische Gegend, einfach nur schön. Unser Ziel war der Nationalpark Triglav, der einzige in Slovenien. Auch hier war alles perfekt. Bestes Wetter, hervorragende Straßen, also immer das Gleiche, was ein Bikerherz höher schlagen lässt.

Wir überquerten die Grenzen zu Italien um 15.20 Uhr und zu Österreich um 15.50 Uhr. Jetzt hatten wir irgendwie schon Stallgeruch in der Nase, aber auch richtig Hunger. Auf der Windischen Höhe kehrten wir ein und zogen uns erst einmal eine üppige Brettljauße mit Buttermilch und jeweils einem Kurzen rein (meiner schmeckte nach Haselnuss, Axels nach Saunaaufguss). Die Brettljauße war perfekt und so reichlich, dass wir nicht einmal alles schafften. Der Wirt kannte das wohl schon von anderen Gästen, als wir fragten, ob wir die Reste mitnehmen können. Er grinste nur und packte uns freundlich und mit einem österreichischen Gruß alles ein. Mittlerweile war es 17.30 Uhr und Zell am See lag noch gut 80 KM entfernt.
 


Blick auf Krk
 


Grenze zu Italien
 


Grenze zu Österreich
 


Leckere Brettljausse
 

Erfreulicherweise war ab Österreich nun auch wieder Axels Navi funktionsfähig, welches ich ja in meiner Halterung hatte. So konnte ich die weitere Route verfolgen. Sehr merkwürdig fand ich dann die Ansage "...in 5 KM Fährefahren". Hier? In den Alpen? Welcher Fluss sollte das denn sein? Ich war mir sicher, dass es sich um einen Bug handeln musste. Doch dann standen wir vor einer Bahnstation, und die weitere Fahrt war nur noch durch die so genannte "Tauernschleuse" mit der Bahn möglich. Ich hatte das Wort schon vorher gelesen, konnte aber nichts damit anfangen. Das bedeutete also "Fährefahren..."

Das ganze Drumherum ließ erahnen, dass der Zug gleich abfahren würde. Also schnell zum Kassenhäuschen und nachgefragt. Ich konnte schon an Axels ablehnenden Gesten erkennen, dass es nicht zu seiner Zufriedenheit lief. Die wollten doch tatsächlich für 11 Minuten Fahrt oder 10 zurückgelegte Kilometer 17,- € pro Mopped haben. Ist übrigens der gleiche Preis auch für Pkws gewesen. Lange überlegen konnten wir nicht. Das Personal fing bereits an, die Auffahrrampen zu schließen. Uns blieb entweder den schweren Brocken zu schlucken oder wieder zurück und über den Großglockner oder über die Tauernautobahn. Alles kostete Zeit und natürlich wurde für alles auch Kohle verlangt. Abzocke...würde ich sagen.

Während Axel also bezahlte, fuhr ich schon nach vorne, um dem Personal zu signalisieren, dass da noch 2 Moppeds kommen. Gerade noch rechtzeitig gelang es uns, die Moppeds abzustellen (die dann vom Personal gesichert wurden) und in die Fahrgastkabine zu steigen. Da fuhr der Zug auch schon los. 17,- €.... die ticken doch nicht mehr richtig...und dann sieht man noch nicht mal etwas, weil die Fahrt durch einen Tunnel geht. Axel motzte und greinte vor sich hin und man sah ihm an, dass er sich voll über den Tisch gezogen gefühlt hatte.

Irgendwie hatten wir jetzt überhaupt keinen Bock mehr auf Österreich, cancelten kurzerhand die Übernachtung in Zell am See und gaben "schnellste Strecke nach Hause ohne Maut" ein. Und dann wurde es richtig lustig. Die Navitante führte uns über die schönsten Pässe, hoch und wieder runter und wieder hoch, von links kommend an der nächsten Kreuzung wieder nach links abbiegend....schade nur, dass es langsam dunkel wurde. Das Benzin wurde auch knapp, nur waren jetzt die wenigen Tanken, die es hier gab, bereits um diese Uhrzeit geschlossen. In einem etwas größeren Dorf fanden wir zum Glück noch eine geöffnete Tankstelle, füllten nach gefahrenen 540 KM (Restweite trotzdem immer noch 80 KM) die Tanks auf und zogen uns warme Hemden unter. Die Temperaturen waren ziemlich abgesackt und wir fröstelten.

Nach weiteren gefühlten 200 KM erreichten wir dann endlich um 21.40 Uhr die Grenze. Gott sei Dank, Deutschland hatte und wieder. Jetzt auf die Bahn und Stoff. Unser Plan war, das Ibis in Ingolstadt zu erreichen. Taten wir auch, leider waren aber alle Zimmer belegt. Ein paar Telefonanrufe bei umliegenden Pensionen und Hotels ergaben auch nichts. Entweder waren auch die ausgebucht oder es ging keiner mehr ran. Das nächste Ibis auf unserer Route lag bei Nürnberg. Also gut, auf nach Nürnberg. Sollte Nürnberg auch ausgebucht sein, dann hatte ich mir vorgenommen, die Nacht einfach durchzufahren. Ich glaube, dass Axel bereits vorher auch schon solche Gedanken hatte.

Das Ibis lag nicht einfach an der A7, ne...wir mussten noch ein ordentliches Stück abseits unserer Route fahren. Dann erreichten wir das Ibis, kurzer Check, Zimmer war noch frei, am Kartenautomat bezahlt und ab nach oben. Um 1.00 Uhr betraten wir unser Zimmer und machten uns noch über die zuvor eingepackten Brettljausse-Reste her. Dazu ein kaltes Bierchen aus dem Automaten und wir fielen hundemüde um 1.45 Uhr ins Bett.

Gefahrene Kilometer Sibinj - Nürnberg: 756

 


Tauernschleuse
 


Deutschland hat uns wieder
 


1.40 Uhr im Ibis in Nürnberg - nach 756 KM völlig fertig
 


leider nur bis zur Tauernschleuse (Klick für Großansicht)
 

Mittwoch, 15. Juli 2015
 

Als der Wecker um 7.00 Uhr klingelte, glaubten wir beide an einen schlechten Scherz. Aber es nützte nichts, wir mussten hoch, denn das Frühstück wartete auf uns. Wann wir losfuhren, habe ich vergessen. Ich weiß nur noch, dass es eine Ewigkeit gedauert hat, bis wir wieder auf irgendeiner Autobahn waren. Und es war auch nicht die vertraute A7...nein, durch den Abstecher nach Nürnberg führte uns das Navi nun über irgendeine Autobahn, vorbei an Bayreuth usw. Auch egal, Hauptsache nach Hause.

Die erste Pause machten wir um 10.00 Uhr. Benzin nachkippen und vor allem einen Kaffee. Das hielt wach, aber nicht lange an. Dann kamen wir auch noch in eine Vollsperrung und mussten uns etwa 20 Kilometer durchschlängeln. Einige Autofahrer, die ausgestiegen waren, pöbelten uns an, dass das Durchfahren eines Staus verboten sei. Ich pöbelte zurück, dass das Verlassen des Autos auf Autobahnen ebenso verboten sei. Das ging 3 oder 4mal so, beim Letzten sagte ich dann nur noch "Halt die Fresse...". Ist sonst nicht meine Art, aber ich war angespannt und eine Rettungsgasse gab es nicht, durch der man hätte entspannt fahren können. Alles purer Neid...

Nach dem Stau fielen mir die Augen zu. Ich glaube, das war in der Nähe von Erfurt. Also, wieder auf einen Rastplatz, einen Kaffee gekocht, die Reste gegessen und dann ab auf die Bank, ein bisschen überdösen. Dass etwa eine halbe Stunde später sich eine Busgruppe aus Regensburg direkt an unserem Tisch breitmachte, obwohl nebenstehend noch weitere Bänke und Tische standen, erwähne ich nur nebenbei. Aber dann hätte man ja 20 Meter weiter gehen müssen. Ich kann wohl noch von Glück sagen, dass sich keiner mit seinem Arsch auf mein Gesicht gesetzt hat. Als ich von dem Lärm um mich herum aufwachte und hochkam, fragte ich Axel, ob ich was verpasst hatte oder ob er einen ausgegeben hat. Nachdem er verneinte, greinte ich lauthals vor mich her und erntete nur "..wie koa ma nur so grantig sei.." oder so ähnlich. Noch ein böser Blick von mir und lautstark knallte ich unserer Geschirr zusammen. Dann verzogen wir uns. Rücksichtsloses Pack...

Die Pausenabstände wurden immer kürzer. Beim letzten Halt hatte ich ein wenig geschlafen, beim nächsten in der Nähe von Magdeburg war nun Axel dran. Auch mir fielen wieder die Augen zu und wir schliefen auf der Bank liegend mit unseren Tankrucksäcken als Kopfstütze. Nach 1 Stunde wachten wir auf und fuhren absolut lustlos weiter. Es lagen immer noch 400 KM bis zum Ziel vor uns. Wie wir die allerdings geschafft haben, weiß ich nicht mehr. Komatös erreichten wir gegen 19.30 Uhr und gefahrenen 770 Kilometern unseren Platz am Rosenfelder Strand.

Gefahrene Kilometer Nürnberg - Grube: 770

Gefahrene Kilometer gesamt: 5169,2
 


komatöse Pause bei Magdeburg
 


fast die Gesamtroute (ohne Ostsee-Anfahrt)

Und hier noch einiges für die Statistik:
 

Fazit:
 

Das darf natürlich jetzt nicht fehlen. Auch, wenn die Reise nun schon ein paar Wochen zurückliegt, sind noch ganz viele Gedanken und Rückblicke in meinem Kopf. Ich bin froh, diese Reise gemacht zu haben, zu sehen, wie andere Völker leben, zu spüren, wie herzlich Menschen sein können oder auch einfach nur erkennen, dass es überall Arschlöcher gibt. Losgelöst von jeglicher Kultur oder Glauben oder Einkommen. Auch fand ich es für mich wichtig zu sehen, in welchem Umfeld einige Menschen leben müssen und ich hatte manches Mal ein schlechtes Gewissen, wenn wir mit 2 fetten BMWs durch Dörfer gefahren sind, in denen das beste Haus bei uns nicht einmal für einen Hühnerstall taugen würde.

Ja, ich bin froh...und ich werde zukünftig andere Kulturen und Menschen mit weiter geöffneten Augen sehen. Uns geht es gut, leider ist dies in anderen Ländern nicht überall der Fall. Mit Axel an meiner Seite war und wird diese Reise für mich absolut unvergessen bleiben. Danke, Axel, für die Ausarbeitung und dass du diese Reise gemeinsam mit mir gemacht hast. Ich freue mich jetzt schon auf unsere nächste Tour.

Was war noch offen? Irland, Schottland, Isle of Man, Portugal. Such dir etwas aus, ich werde folgen. :-)

Bine

Oktober 2015

Und hier gibt´noch was auf die Augen... ;-)
 

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