1 Pfund und 1 Penny

 

 

Die Nacht war entspannend, wir haben fast ausgeschlafen. Um 9:00 Uhr sitzen wir in der unten liegenden Bar, die gleichzeitig als Frühstücksraum genutzt wird und stellen uns unser Frühstück zusammen.

Gestern hatten wir die Wahl zwischen einem gebuchten Frühstück (all you can eat) oder Abrechnung nach Verbrauch. Wir entschieden uns für die 2. Variante und haben damit auch richtig gelegen.

Der Buffettresen ist komplett mit einer großen Auswahl an unterschiedlichen Nahrungsmitteln gedeckt. Wie aber bereits vorher bemerkt, entspricht das englische Frühstück nicht so sehr unserer Geschmacksrichtung. Wir bestellen uns jeder Kaffee, 2 Toast mit Butter und Marmelade und liegen damit deutlich unter dem Preis für "all you can eat", bei dem wir uns letztendlich auch nur für Toast entschieden hätten.

Frühstück im Euro Hostel
Frühstücksbuffet im Euro Hostel

Die gestrige Abfahrt in den unter dem Hostel liegenden Lagerraum meisterten wir hochkonzentriert, da die Rampe nur etwa 10 Meter lang war, der Verlauf einen 90°-Winkel hatte und schätzungsweise 6 Höhenmetern zu überwinden waren. Das war allerdings die Abfahrt, und mit Gewichtsverlagerung nach hinten und Nutzung der Rücktrittbremse hatten wir dann eigentlich keine großen Schwierigkeiten damit. In der vergangenen Nacht hat sich Axel aber stark mit der bevorstehenden Auffahrt und dem Schwierigkeitsgrad beschäftigt und äußert nun größte Sorgen, dass wir die Moppeds ohne fremde Hilfe wohl gar nicht wieder da raus bekommen werden. Gedanklich hat Axel schon die Windschilder abgebaut, damit sie uns beim Bergauffahren und Nach-vorne-beugen nicht in den Hals rammen. Auch Feuerwehr mit Abschlepphaken kommen in seinen möglichen Lösungsvorschlägen vor.

Langsam wird mir jetzt auch mulmig, als ich die SEHR steile Auffahrt vor mir sehe. Der nette junge Mann aus dem Hostel winkt ab und erzählt, dass hier immer wieder Moppeds zwischengeparkt werden und noch jedes wieder das Tageslicht gesehen hat.

Ich lasse mir Zeit mit dem Anziehen, puhle noch hier und da an irgendetwas herum, installiere schon mal die Kameras....achja, und das Visier muss ja auch noch gesäubert werden...

Axel startet währenddessen seine Maschine, fährt los und erreicht ohne wirklichen Anlauf innerhalb weniger Meter eine beachtliche stabile Geschwindigkeit. Souverän fährt er im Stehen mit leicht angewinkelten Knien und nach vorne gebeugt die 90°-Rampe hinauf und stellt oben die Maschine ab.

Nicht schlecht, staune ich, und spontan fällt mir ein.... "Hase, wenn du schon dabei bist....und schau mal, du hast ja auch schon deine Klamotten komplett an....und das wäre ja so nett von dir....", säusele ich rum.

Axel verdreht die Augen und das einzige, was ich noch zu hören bekomme, ist "Dann heul aber hinterher nicht rum, dass du dich nicht getraut hast....", während Axel auch meine Maschine sicher aus der Höhle hier nach oben fährt.

Normalerweise fahre ich alles selbst. Das hier ist mehr der Bequemlichkeit geschuldet. Aber manchmal ist das auch tagesabhängig und Axel nun schließlich für immer der Held.

Abfahrt
Dank Axel haben die Moppeds heil das Tageslicht erblickt

Sightseeing Tour durch Newcastle

Nach einer kleinen unfreiwilligen Stadtrundfahrt wegen irgendwelcher Doppeldeckerbusse, die so hoch sind, dass sie die Sicht auf Kreuzungen und abbiegende Straßen versperren, fahren wir falsch und müssen ein paar Ehrenrunden drehen, bevor wir die von uns favorisierte Tanke erreichen.

Wir haben noch 36,- £ im Portmonnaie und wollen den Rest vertanken. Bei genau 34,99 £ machen wir bewusst Schluss und wir können 1 Pfund und 1 Penny als Andenken mit nach Hause nehmen.

1 Pfund und 1 Penny übrig

Gegen 12:00 Uhr erreichen wir das Newcastle Castle und streunern ein bisschen umher. Während Axel sich dem Castle nähert und zig Fotos schießt, schaue ich mir die über den Fluss Tyne führende "High Level Bridge" an, eine alte doppelstöckige schmiedeeiserne Stabbogenbrücke. Von hier aus man einen tollen Blick auf den Fluss und weitere Brücken.

Blick von der High Level Bridge
Blick von der High Level Bridge auf Tyne Bridge und Swing Bridge 

Newcastle Castle
Newcastle Castle 

Im Yachthafen machen wir anschließend Pause und genehmigen uns ein zweites Frühstück. Nach einer weiteren Stunde Wartezeit fahren wir gegen 14:40 Uhr zum Fährhafen. Wir sind die ersten und reihen uns schon einmal in die Bahn 1 ein.

Nach und nach füllt sich der Platz und gegen 15:30 Uhr öffnet auch der Counter. Jetzt wiederholt sich alles wie zu Beginn unserer Reise. Buchungspapiere zeigen, Pappkarten bekommen, Ausweise checken, Warten aufs Bording usw.

Warten aufs Bording
Warten aufs Bording

In unserer Kabine haben wir aufgrund des Etagenbettes dieses Mal etwas mehr Platz. Ist zwar komfortabler, dafür aber ein Kletterakt und mit ziemlicher Akrobatik verbunden, um auf die obere Liegefläche zu kommen. Axel meistert auch dies und sein Rang steigt vom Helden zum Superhelden für mich. :-)

Um 16:22 Uhr sitzen wir im Windschatten in der Skybar auf dem 11. Deck, warten auf das Ablegen des Schiffes und gönnen uns ein erfrischendes Heinecken und quasi auch das letzte Bier an Bord. Hier dürfen wir wieder mit Euro bezahlen und gleich einen Zehner auf den Tisch knallen.

2 Heinecken für 10 EUR
2 gezapfte Heinecken im Plastikbecher für 10 EUR 

Der weitere Ablauf bedarf jetzt keiner großen Worte mehr. Um 20:00 Uhr leckeres Buffet, dieses Mal mit Nachtisch, den wir komplett durchprobieren, weil wir uns bei den Hauptspeisen zurückhalten und um 22:00 Uhr entspanntes Ausklingen des Abends mit einer Dose Cola....

Buffet
ein Teil des Buffets

entspanntes Ausklingen
Sonnenuntergang genießen 

Tag 9 - Heimfahrt 

Die letzte Nacht war jetzt nicht ganz so entspannend, weil nebenan stundenlang ein Kind gequakt und bockig geheult hat. Um 8:00 Uhr wälzen wir uns aus dem Bett und packen ein.

Auf ausgiebiges Frühstück haben wir bei der Buchung verzichtet. Axel besorgt aber trotzdem einen Kaffee und Croissants aus dem Schnellimbiss.

Um 9:30 Uhr sind wir mit allem durch und versuchen unsere Moppeds auf Deck 3 zu erreichen. Der erste Versuch schlägt fehl, weil die von uns gewählte Treppe nicht weit genug nach unten geht und bei Deck 4 endet.

Der zweite Versuch schlägt ebenfalls fehl, weil wir jetzt zwar auf dem richtigen Deck sind, vor uns aber Lkws so dicht nebeneinander stehen, dass wir da bepackt mit unseren Klamotten nicht durchkommen. Keine Chance.

Keuchend schleppen wir uns die Treppen wieder hinauf und bitten am Counter um Hilfe. Diese bekommen wir auch und ein Steward führt uns über andere Treppen zu unserem Deck. Auch hier ist es nicht derselbe Ein-/Ausgang, den wir tags zuvor genommen hatten, allerdings können wir gegenüber unsere Mopped schon sehen, da das Entladen bereits in vollem Gange ist.

Hinter uns steht dicht ein Bagger auf Ketten und wartet ungeduldig, dass wir uns endlich in Bewegung setzen, da er sonst das Schiff nicht verlassen kann. Nierengurt und Handschuhe schmeiße ich in den Tankrucksack, zum Fotografieren komme ich auch nicht und wir fahren erst einmal aus dem Schiff.

Die Abfertigung hier geht wesentlich schneller als in England und um 11:00 Uhr dürfen wir wieder wie gewohnt auf der rechten Seite der Straße fahren. Das Festland hat uns wieder und wir treten bei jetzt schon 26° C die Heimreise an.

Abfahrt aus Ijmuiden
Hafen Ijmuiden

Als die Sprit-Reservelampe leuchtet, haben wir noch 50 Kilometer bis zur deutschen Grenze. Das ist zu schaffen und wir freuen uns, dass wir hinter Haselünne bei Eltern direkt auf der Route eine Shell-Tanke finden, die sage und schreibe 35 Cent pro Liter Super günstiger ist als die letzte Tanke in Holland. Anstatt 1,79 EUR zahlen wir hier "nur" 1,44 EUR.

Die Pause nutzen wir für eine Wurst und einen Kaffee, bevor es dann weiter in den immer dichter werdenden Verkehr geht.

Das weitere Gejammere über Staus, Dauer-Baustellen, Umleitungen usw, spare ich mir, da jeder, der einmal über die A1 gefahren ist, weiß, wovon ich rede.

Gegen 17:20 Uhr erreichen wir dann nach knapp 600 Kilometern zufrieden und glücklich unser Domizil in Grube.

 

Fazit:

Ein schöner Urlaub mit der Erkenntnis, dass Schottland definitiv zu den Ländern gehört, die man einfach einmal mit dem Motorrad bereist haben sollte. Die Landschaft fasziniert in weiten Teilen, die Menschen sind freundlich, locker und aufgeschlossen.

Natürlich ist unsere Art des Reisens mit dem Motorrad nicht jedermanns Sache. Wir lieben nun mal das Rustikale und den ganzen Tag im Sattel zu sitzen. Wer bei uns nach Beschreibungen von 5-Gänge-Menüs und Spa-Bereichen sucht, ist hier falsch.

Auch deshalb sei hier noch einmal erwähnt, dass wir keine Wandersleute, keine Museumsgänger, keine Whiskytrinker und 5*-Hotelschläfer sind. Wir "erfahren" viel lieber das Land mit dem Mopped, als Museen, Destillerien oder Ruinen zu besichtigen. Das war schon immer so und wird auch so bleiben, jedenfalls solange wir noch Mopped fahren.

Mal sehen, wo es uns das nächste Mal hintreibt. Viel Zeit haben wir alters- und gesundheitsbedingt nicht mehr. Portugal steht immer noch auf der Liste ganz oben....lassen wir uns überraschen.

 

Und wen es interessiert, hier die grobe Kostenzusammenfassung für die Schottlandreise pro Person:

Tag 1 - Fähre: 204,-€

Tag 2 - Hotel in Dundee: 37,50 £ (~ 42,00 €)

Tag 3 - JuHe in Braemar: 20,- £ (~ 22,50 €)

Tag 4 - Guesthouse Dinkwall: 32,50 £ (~ 36,50 €)

Tag 5 - Bunkhouse Ullapool: 32,50 £ (~ 36,50 €)

Tag 8 - Tyndrum Hütte: 17,50 £ ( ~ 20,00 €)

Tag 9 - Euro Hostel Newcastle: 16,- £ (~18,00 €)

Tag 10 - Fähre: 204,- EUR

Benzin: ca. 160 L x 1,50 £ = 240,- £ (~ 270,00 €) 

Verpflegung/Sonstiges: 150,00 £ (~ 170,00 €)

Gesamt pro Person: ~ 1.050,00 €

 

Bine
September 2018 

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